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Jüdische Schulzeitung · 1937-01-02 · 1 (2.1.1937) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
1 (2.1.1937)
Date
1937-01-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nummer -1. J ü d i s c h e Sc b ulz e i-tu n g Seite 3 : " Einige Zahlen:1 „Iii Palästina leben 130 Millionen Menschen, viele Millionen sind schon hingefahren." — „Ich möchte lieber nach England auswandern, weil dort weniger Menschen wohnen." (6. Jg.) „Tel-Aviv hat 1050 Einwohner!" (6. Jg.) „Tel- Aviv hat 15 000 Einwohner." (7. Jg.) „Tel-Aviv hat 18 000 Einwohner." (6. Jg.) „In Palästina wohnen 133 000 Einwohner/' (6. Jg.) „Täglich wandern Tausende von Juden nach Palästina aus", und „Palästina steht vorläufig unter englischem Schutz. Es ist so besser, da in Palästina 100 Millionen Araber wohnen." (6. Jg.) - Eine Anzahl Kinder erwähntim Zusammenhang mit Palästina die Länder, die das Hauptkontingent der Auswanderer stellen. Auch darin bestehen Unklarheiten. „Deutschland steht an erster Stelle der Auswanderungsländer, dann Frankreich", um nur ein Beispiel eines Kindes aus dem 8. Schuljahr zu nehmen. ■■■■■■ Auch hinsichtlich der Oberflächengestalt des Landes und seiner Lage treffen wir auf Unklarheiten und Unwissenheit in den Aufsätzen, die darüber berichten. „In Palästina gibt es viele Gebirge und wenig Tiefland". „Palästina ist ein flaches Land". „Palästina ist eine Halbinsel, auf der 280 000 Menschen wohnen". „Die Hauptstadt Palästinas ist Jerusalem, das auf dem fruchtbaren Berge Karmel liegt." „Palästina grenzt bloß an Wüste, darum ist es so schwer, den Boden zu bebauen." (6. Jg.) Kibbuz und Rwuzah werden verwechselt, die Vorstellungen darüber sind höchst unklar und1 falsch. „Kibbuz ist ein Verein, der in Palästina gegründet worden ist." (7. Jg.);,In Palästina gibt es viele Kinderheime, die nennt man Kibbuzim". (6. Jg.) Diese Beispiele mögen genügen, um darzutun, wie notwendig die Klärung vieler Begriffe ist und wieviel Stoff sie zur weiteren und vertieften und klärenden Behandlung Palästinas für viele Wochen bieten. Es muß aber auch festgestellt werden, daß viele Aufsätze eine hervorragende Kenntnis des Landes und seiner Bedingungen und Verhältnisse zeigen. (S. w. u.) . Darüber hinaus gibt mancher Aufsatz dem Lehrer wertvolle Anregung für die Behandlung von Teilfragen aus dem Bereiche der Palästinakunde. Insbesondere sind es Arbeiten, in denen Briefe von Schulkameraden und Verwandten aus Palästina erwähnt und beurteilt werden. Da wird erzählt von Brunnenbauern, Landwirten. Obstgartenbesitzern, Straßen- und Bauarbeitern, von der Malaria, an der der Bruder des Aufsatzschreibers gestorben ist, von Hilfspolizisten, von einem Onkel, den Araber überfielen, als er sein Kind zur Schule bringen wollte u. v. a. Themen, die, .wenn sie im Unterricht in Verbindung mit den Briefen behandelt werden, viel unmittelbarer wirken und dadurch ein bedeutend stärkeres Interesse hervorrufen. _ _ . Einen überaus wertvollen Beitrag zur Palästinabehandlung liefern die Werturteile, die von Kindern gefällt werden. Eine klare Begründung des Urteils fehlt in vielen Fällen. Hier muß der Hebel angesetzt werden, um unsere Kinder zum klaren Denken und nicht zum Nachplappern zu erziehen. Das geschieht durch anschließende Unterrichtsgespräche, die gut vorbereitet sein müssen, oder durch schriftliche Arbeiten, die zum scharfen Nachdenken zwingen. Es mögen hier einige Beispiele aus den Aufsätzen folgen: „Palästina ist unser Vaterland." „Palästina ist die Heimat der Juden." „Palästina ist das Land des jüdischen Volkes." „Palästina ist das. Land der Verheißung und wird bald das Land der Erfüllung sein." (6. bis 8. Jg.) „Manche behaupten, daß der Auf bau die Erlösung sei, deren Meinung teile ich nicht. Ich wünsche, daß der Aufbau friedlich weitergeht, und daß wir Juden in Palästina wohnen, wie einstmals unsere Väter darin gewohnt haben." (8. Jg.) „Und wenn einer sagt, daß er nicht nach Erez Jisröel möchte, so ist dieser Jude kein r ieh tiger Jude." (7. Jg.) „Ich will zugeben, daß dies alles (gemeint ist der Aufbau des Landes etc.) eine sehr schwere, heroische, meines Erachtens aber eine nutzlose Aufgabe ist. Ist denn Palästina wirklich unser Land? Wir können doch nie mehr ein selbständiges Volk werden, zumal Palästina nur ^3. aller Juden faßt ... Ich bin kein Antizionist und betrachte Palästina genau so, wie ein anderes Land, weise aber besondere Rechte der Juden auf Palästina von der Hand, denn diese Rechte sind in den 2000 Jahren verjährt." (8. Jg.) „Ich bin kein Zionist und werde wohl kaum nach Palästina gehen. Ich halte Argentinien für geeigneter, da das Land bedeutend mehr Menschen faßt und daher die Existenzmöglichkeit größer ist." (8. Jg.) „Die zionistische Jugend ist sehr begeistert, das Land wieder aufzubauen, zu pflanzen, zu säen und zu ernten. Nacn meinen Begriffen kann man das auch in anderen Ländern haben. Durch den Araberaufstand hat man aber gesehen, daß die Araber Palästina nicht so ohne weiteres hergeben wollen! Das wird wieder viele abhalten, nach Palästina auszuwandern. Nach meiner Auffassung kann Palästina nicht alle Juden der Welt fassen. Ich halte Argentinien . . ." (8. Jg.) Psychologisch interessant ist folgender Aufsatz einer Schülerin des 7. Jahrgangs. Sie ist von vornherein gegen einen Lichtbildervortrag über Palästina eingestellt. Die Bilder und der Vortrag zwingen sie jedoch, ihr Interesse dem Gegenstand zuzuwenden. Sie findet es schließlich noch ganz schön. Aber sie stemmt sich gegen das Aufkommen von Zweifeln, die ihre einmal getroffene innere Entscheidung beeinflussen könnten. Sie schreibt: „Vor den Ferien hielt Frau Dr. A. in unserer Schule einen Lichtbildervortrag über Palästina . . . Eigentlich interessierte ich mich wenig für den Vortrag und die Bilder, denn ich habe nicht die Absicht, nach Palästina auszuwandern. Es wurde aber schließlich doch noch ganzschön. Wir sahen viele Bilder vom heutigen Palästina. Auch viele Araber und deutsche Juden, die dorthin gefahren sind, waren zu sehen. Film und Vortrag wurden später noch ziemlich interessant, aber auch in dieser Stunde bekam ich keine gute Ansicht für das Land, und ich glaube nicht, ich hatte auch nicht den Wunsch, einmal dorthin zu kommen. Eigentlich sollte man meinen, wir wollten alle gern mal hin, denn es fahren alle paar Monate Kinder von 13—14 Jahren mit der Jugend-Alijah hinüber und gehen drüben in die K'wuzah. Es mag sein, daß viele andere Kinder gern hinüber wollen, ich auf jeden Fall nicht. Und das kommt daher: Viele Leute, nein, fast alle, die nach Palästina wollen, sagen: „Wir fahren in unsere Heimat!" Und das kann ich nicht vertragen. Denn es ist doch gar nicht ihr Heimatland, dasselbe ist doch da, wo man geboren ist und nirgends anders. Natürlich gibt es welche, die, in Palästina geboren, hierhergekommen sind und jetzt wieder zurückfahren. Diese können natürlich sagen: wir fahren in unsere Heimat. — Der zweite Grund ist: Ich bin im „Ring, Bund Jüdischer Jugend". Und dieser Bund strebt nicht für Palästina. Die folgenden Aufsätze, geschrieben von Kindern des 5. Schuljahres, befassen sich ausschließlich mit Briefen aus Pa-, lästina: „In Palästina wohnen fast nur Juden. Ich habe in Palästina Verwandte. Mein Onkel wohnt in Tel-Aviv. Er ist ein Bautischler. Es geht ihm auch gut. Er hat ein Kind von zwei oder drei Jahren. Wenn seine Mutter kein Geld hat, dann schickt er ihr ein paar Mark. In den letzten Monaten ging das Geschäft nicht so gut wegen der Unruhen. Da hat er sich ein Stück Land gekauft, das er jetzt bearbeitet. Er hat mir auch schon etwas geschickt: einen Magen David. Er hat uns auch einige hebräische Bücher geschickt Die Deckel davon waren aus Cedernholz." Und der andere Aufsatz: „Ich bin in einem Bund, in dem man sehr oft von Palästina spricht. Aus unserer Klasse sind auch Kinder nach Palästina ausgewandert Einmal haben wir einen Brief von einem Mädchen bekommen, das Mädchen heißt U. St. Zunächst hörten wir gar nichts von ihr. Eines Tages bekamen wir einen Brief. Sie schilderte uns, wieso sie nach Palästina gefahren ist, und wie es ihr auf der Reise ergangen ist. Sie schrieb folgendes: „Liebe Klasse! Zuerst wußte ich nicht, daß wir nach Palästina fahren. Als wir eines Tages ins Schiff stiegen,, war ich ganz erstaunt. Wir bekamen eine Kabine für uns allein. Auf dem Schiff gab es leckeres Essen. Wir konnten jeden Tag auf Deck gehen und spielen. Manchmal spielte die Musik auf Deck. — Wir wohnen auf dem Karmel. Der Karmel ist ein Berg in Haifa. Man kann mit dem Omnibus

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