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Jüdische Schulzeitung · 1937-01-02 · 1 (2.1.1937) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
1 (2.1.1937)
Date
1937-01-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 J ü d i s c h e, S ch ul zei t un-g. Nummer 1 b) Sinkt die Zahl der zahlenden Mitglieder eines Verbandsvereins unter 15, so ist der Verein aufzulösen. 2, Zusatz zu § 6: Sollten besondere Verhältnisse die Einberufung des Ausschusses unmöglich machen, so kann der Ausschuß die ihm zugewiesenen Aufgaben im schriftlichen Verkehr erledigen. Der Ausschuß kann ferner die ihm zugewiesenen Aufgaben dem Vorstand zur Erledigung , überweisen. 3. Betr. Neufestsetzung des Beitrages für die Hilfskasse: Der Beitrag an die Hilfskasse beträgt bis auf weiteres 3 RM pro Mitglied. Die hierdurch gewonnenen Beiträge werden der Verbandskasse zugeführt. S. B. Nach einer Pause von zwei Jahren werden Vorstand und Ausschuß des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine e. V. und des Jüdischen Lehrervereins in Preußen e. V. am 4. und 5. Januar zu einer Tagung in Berlin zusammentreten. Mit der Tagung wird eine Pädagogische Konferenz verbunden sein. — In diesen zwei Jahren hat die Judenheit Deutschlands epochales Geschehen durchlebt, das in seiner Fülle zu umfassen und in seinem Sinngehalt zu begreifen uns nicht gewährt ist. Das gewaltig an unser Sein rührende Schicksal hat uns zu einer Notgemeinschaft zusammengeschweißt, hat unsere Kräfte mobilisiert und uns gelehrt, sie haushälterisch zu nutzen. Je enger der Bereich wurde, innerhalb dessen wir für des Leibes Notdurft sorgen konnten, um so stärker wurden die Anstrengungen, unsere Gemeinschaft vor der Demoralisation zu bewahren, sie seelisch gesund zu erhalten. Uns Lehrern, denen es aufgegeben ist, die jüdische Jugend zu betreuen, - wuchs von ihr her in dieser Zeit eine unschätzbare Hilfe zu. Ein gütiges Geschick hat sie mit einem wundervollen Lebensmut bedacht, der dem Zutritt jeglicher Anfechtung wehrte, und der sie fähig machte, tapfer zuzugreifen und mit den Hemmnissen des Daseins fertig zu werden. Diese jungen Menschen werden der Schule in einem Zeitpunkt zugeführt, da sie nichts weiter mitbringen als ihre seelische Kraft. Sie ihnen zu erhalten, sie zu mehren und ihr Richtung zu geben und zugleich das Material, an dem sie sich erproben kann, dies zu leisten ist einziger Sinn und einzige Aufgabe des jüdischen Lehrers. Die Tagesordnungen unserer Zusammenkünfte haben ein andres Gesicht erhalten als zu früheren Zeiten. Es ist aus ihnen völlig die oratio pro domo gewichen; die Anliegen unseres Standes finden kaum noch eine Stelle im Umkreis der Verhandlungen, und alle Aufmerksamkeit wendet sich der Frage zu: „Wie kann die jüdische Schule den Anforderungen gerecht werden, die gerade unsere Zeit ihr stellt?" So vollzieht sich der Uebergang von einer „Vereinssitzüng" zur —Pädagogischen Konferenz" mit zwingender Folgerichtigkeit. Die Verbandsleitung hat diesmal mit Absicht an die Spitze Themen gestellt, die das große Ganze der Erziehung und des Unterrichts umfassen. Dabei erschien es ihr als eine Verpflichtung, zwei Einzelgebiete anzufügen, ohne deren kritische Durchdringung und sachliche Förderung keine Tagung jüdischer Schulmänner stattfinden darf: die Frage des hebräischen Unterrichts und die der Palästinakunde.DieseThemenwahl weist auf die tiefgehende Wandlung hin, die die Auffassungen über das Wesen der jüdischen Schule unserer Tage erfahren haben. Sie ist eine Schule zwischen den Zeiten geworden. Sie ruht nicht mehr unbewegt in der Gleichgewichtslage eines institutionellen Konservativismus; sie hat sich aber auch noch nicht völlig dem wildbewegten Strom des. Neuen anvertraut, der da an ihr vorüberrauscht und sie mitreißen möchte. So ringen die Gewalten um ihren Besitz, und wir Lehrer sehen uns aufgerufen, den dem Ganzen des Erziehungswerkes zuträglichen Ausgleich herbeizuführen. Es ist nicht so, als ob die „Alten" sich diesen Sachverhalten gegenüber verschlossen zeigten, und als ob die „Jungen" allein die Situation meistern könnten. Was beide unterscheidet, das ist nicht das Maß an Einsicht ins Notwendige, sondern das Tempo, in dem sich Erkenntnisse in die Tat umsetzen. Wir begrüßen es deshalb, daß auf der Pädagogischen Konferenz neben den in langer; praktischer Arbeit gereiften Schulmännern junge Kräfte zu Wort kommen. Diese Ordnung wird sich fruchtbar erweisen. Sie wird den Teilnehmern der Tagung Gelegenheit geben,' eine Ueberschau zu gewinnen über die Vielfalt der Probleme, vor denen die jüdische Schule steht; sie wird die Grundlage schaffen helfen, auf der sich die Neuformung der Arbeit in der jüdischen Schule vollziehen kann. - Schüleraufsätze über Palästina Die Schaffung und Herausarbeitung klarer Begriffe von den Dingen und Zuständen, mit denen das Kind vertraut gemacht werden soll, bildet eine der wesentlichen Voraussetzungen eines fruchtbringenden und erfolgreichen Unterrichts. Klare Begriffe vermitteln dem Kinde nicht nur eine klare Kenntnis des Stofflichen, sie bilden auch ein wichtiges und notwendiges Element in der formalen Bildung. Kein logisches, klares Denken ohne klare Begriffe! Mag unser Unterricht — unserer Meinung nach — noch1 so anschaulich, noch so wohl vorbereitet gewesen sein — wir staunen oft über die falschen Darstellungen, die Kinder geben von dem, was wir ihnen doch so klar und anschaulich dargeboten haben. Es ist nicht immer Unaufmerksamkeit oder Nachlässigkeit oder Interesselosigkeit der Kinder, wenn der Lehrer nachher die Feststellung machen muß, daß Vieles und Wichtiges falsch aufgefaßt, ist und unrichtig wiedergegeben wird. In den Köpfen der Kinder malt sich Vieles anders aus, als wir, trotz aller Anschaulichkeit der Darbietung, vermuten und zu erwarten berechtigt sind. Gewiß gibt es noch andere Faktoren, die die Entstehung falscher und unklarer Begriffe beeinflussen und die sich sehr oft der Kontrolle des Lehrers entziehen — die Miterzieher: Familie, Zeitung, Bünde etc. Eines der vorzüglichsten Mittel zur Feststellung falscher Begriife und schiefer Auffassungen bildet die schriftliche Wie - dergabe, der Aufsatz, wobei nicht übersehen werden darf, daß eine ungeschickte Ausdrucksweise kein Beweis dafür ist, daß das Kind mit falschen Begriffen operiert. Der Lehrer, der seine Kinder kennt, wird hier wohl zu unterscheiden wissen. Zur Erhärtung des Gesagten seien nachstehend Proben aus Aufsätzen über Palästina angeführt, die vor einigen Wochen von 'Kindern verschiedener Jahrgänge ohne Vorbereitung und Vorbesprechung angefertigt worden sind. Wie malt sich in den Köpfen unserer Kinder das Problem „Palästina" aus? Das war die Veranlassung zu diesen Aufsätzen. Die Formung und Gestaltung dieses Bildes, mag es sich um das rein Stoffliche,' das Beschreibende oder um Werturteile und. innere Entscheidungen handeln, ist — und das ist aus den Arbeiten unschwer zu erkennen — außer vom Schulunterricht stark beinflußt durch Briefe aus Palästina, durch Bünde, Familien und Zeitungen. Die Aufgabe des Lehrers ist es nun, in systematischer Weise die falschen und unklaren Auffassungen von Dingen und Zuständen und die sich daraus ergebenden falschen und schiefen Urteile im Unterricht zu klären und, so weit es möglich ist, richtig zu stellen. Beispiele: eine Reihe von Kindern operiert mit falschen Zeitbegriffen. „Als unsere Väter vor ein paar 100 000 Jahren in Palästina lebten . . ." (5. Jahrgang.) „Vor 1000 Jahren wurden die Juden aus Palästina vertrieben." (6. Jg.) „Vor Jahrtausenden war Palästina eine öde. Wüste." (7. Jg.) „Als vor 1000 Jahren die Judennach Palästina kämen, sah man nur Wüste." (7. Jg.). ■; : - - Ganz allgemein — und das ist in all den Aufsätzen festzustellen, in denen die Geschichte Palästinas berührt wird — kann gesagt werden, daß unsere Kinder von dem Schicksal Palästinas von 70 n. d. g. Z. bis zum Weltkrieg wenig oder-nichts wissen. Nur ein Beispiel: „Bis vor wenigen Jahren war Palästina unbewohnt, unbebaut und unkultiviert."- (8. jg.)

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