Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 12 (1.12.1936)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 8 J üdische Schulzeitung Nummer 12 Zeitverhältnisse hat Lazarus Goldschmidt seine Riesenaufgabe jedoch in vierzigjähriger Arbeit ohne fremde Hilfe zu Ende geführt, so daß er im Jahre 1936 das Werk abschließen konnte. Die erste Uebertragung des Babylonischen Talmud in eine andere Sprache ist nunmehr vollendet. Im Jüdischen Verlag, B'e r 1 i n, ist die wohlfeile Ausgabe der deutschen Talmud-Ausgabe von Goldschmidt in zwölf Bänden erschienen. Der letzte Band dieser Ausgabe, enthaltend die Traktate Temura, Kerethoth, Meila, Tamid, Middoth, Qinr:im, Nidda und die Mischna Taharuth ist soeben erschienen und damit wurde die deutsche Talmud-Uebertragung, einschließlich der Uebersetzung der Mischna, vollständig. Die zwölf hervorragend ausgestatteten Bände enthalten rund zehntausend Seiten. Demgegenüber ist der Preis für das Gesamtwerk (216 RM. für die Ausgabe in Ganzleinen und 252 RM. für die Halblederausgabe) als gering zu bezeichnen. Literarisches Leo Hirsch, Praktische Judentumskunde. Vortrupp Verlag, 2.40 RM, 3.20 RM. In drei Abteilungen unternimmt es der Autor, die Leser in eine Welt einzuführen, die ihnen vielfach fremd ist. Sie tragen die Ueberschrift: Der Tag des Juden; das Haus des Juden; das Jahr des Juden. Hirsch geht auf eine amüsante Weise zu Werke, so ähnlich, wie zuweilen ein Sprecher am Rundfunk, der die Hörer mit einer an sich spröden Materie vertraut machen will. In behaglichem Plauderton trägt Hirsch Midrasichim, Anekdoten und historische Reminiszenzen vor, und flicht mitten hinein den „halachischen" Teil, um den sich alles andre wie blumiges Rankenwerk legt. So bleiben dem Leser die Mühen erspart, die der überwinden muß, der sich „harben Kaschj'es" gegenübergestellt sieht. Salomon Ludwig S t e i n h e i m: Vom Bleibenden und Vergänglichen im Judentum. Vortrupp-Verlag, Berlin. Preis 2 RM. Dieser Band wird für alle Kreise, die an der Erforschung der Geistesgeschichte im 19. Jahrhundert und an der Kenntnis des jüdischen Geistes im Emanzipationszeitalter interessiert sind, eine Ueberraschung bedeuten. Der zu Lebzeiten sehr zu Unrecht verkannte jüdische Theologe und Religionsphilosoph, Polit'ker, Dichter und Arzt, Salomon Ludwig Steinheim (1789 bis 1866) — den der Wortführer des jungen Deutschland, Karl Gutzkow, „einen der selbständigsten und tiefsten Denker, die wir gegenwärtig besitzen", nannte —■ tritt mit dieser Veröffentlichung in seiner vollen religiösen und philosophischein Bedeutung hervor. Das Studium Steinheims ergibt u. a. die interessante Tatsache, daß Kant in einer durchaus legitimen Weise lange vor Hermann Cohen und vielleicht sehr viel unanfechtbarer für die Begründung einer jüdischen Religionsphilosophie in Anspruch genommen worden ist. Auch die allgemeine Kantforschung erhält durch die eigentümliche Auswertung der Kant'schen Antinomienlehre seitens Steinheim ganz neuartige Perspektiven. Der mit einem informierenden Vorwort von Hans Joachim Schoeps eingeleitete Band bringt einige ausgewählte, besonders gewichtige Stücke des noch unveröffentlichten, reichhaltigen Nachlasses. Einige besonders zentrale und einprägsame Partien aus dem 1835 erschienenen, heute völlig verschollenen ersten Bande seines Hauptwerkes „Die Offenbarung nach dem Lehrbegriff der Synagoge" sind dieser Auswahl beigegeben. Herbert Friedenthal: Die unsichtbare Kette. Roman eines Juden. Verlag „Atid", Berlin 1936. Em fesselnd geschriebenes Buch, in den ersten Abschnitten ein wenig undurchsichtig, dann aber in klarer Linie durchgeführt bis zum Ende. Thema: ein paar jüdische Menschen ausi Berlin erleben nach dem Umbruch die Judenfrage. Hornstein: weicht ihr durch Freitod aus; seine Frau Mirjam bewältigt sie durch Eingliederung in die Welt des jungen Palästina. Kai-: Dr. Wallenberg — die Hauptperson des Romans — will dem: Bewußtsein, einem Kollektiv verhaftet zu sein, entfliehen und reist nach Italien, um dort als Individuum frei und unbeschwert von schmerzhaften Reflexionen zu. leben. Doch er irrt, die Jttdenfrage verläßt ihn nicht; sie durchkreuzt immer wieder seine Gedanken, bis er schließlich nach seiner Rückkehr nach Berlin auf dem Bahnsteig die Abfahrt der Chaluzim erlebt. Wir wissen nichts von dem ferneren Schicksal Kais und seiner; Freundin Sy; wir spüren es aber deutlich, daß sie festen Bo-; den gewinnen werden, indem sie das Judenschicksal bejahen.: Gespannt durchfliegen wir das Buch, freilich innehaltend an den Stellen, da sich Betrachtungen über das Judesein in die1 Dialoge mischen, weil sich Bedenken anmelden, ob denn hier immer der Wirklichkeit standhaltende Psychologie obwalte, ob ferner die Frage, um die es dem Autor geht, nicht allzusehr, durch das Ausspinnen von zwischenmenschlichen Beziehungen in den Hintergrund hingedrängt wird. S. B. E1 i e M u n k, Die Welt der Gebete, Band II, Hermon Verlag, Frankfurt a. M. Dieser Band enthält in 15 Kapiteln die deutsche Uebersetzung der Gebete für Sabbat, für die Fest- und Fasttage, und anschließend ausführliche Darlegungen über die Geschichte und den Sinn der Gebete. Eine Reihe der Untersuchungen stellen kleine in sich abgerundete Monographien dar, wie etwa die über das Gebet beim Erblicken des Neumondes oder über, das Kol nidre. Als besonders wertvoll darf es gelten, daß Münk immer wieder auf den starken Einfluß hinweist, den kabbalistische Anschaungen auf das Werden des Gebetbuchs ausgeübt haben. Franz Rosenzweig hat mehrfach darauf hingewiesen, daß ohne gründliche Kenntnis des Ssiddurs und des Machsors ein Zugang zum Verständnis der jüdischen Welt nicht möglich sei. Die beiden stattlichen Bände des Munkschen Werkes ermöglichen diesen Zugang. Sie werden uns Lehrern eine wertvolle Hilfe geben im schwierigsten Unterricht, den wir zu erteilen haben, in der Gebetkunde. An unsere Leser! Wir machen darauf aufmerksam, daß zwischen dem 16. und 24. Dezember 1936 der Postbote die Abonnementsgebühren für das 1. Quartal 1937 (Januar-März) in Höhe von 81 Pfennig (inkl. Bestellgeld) kassieren wird. Sorgen Sie also dafür, daß der obige Betrag prompt bezahlt wird, damit die Zustellung der jüd. Schulzeituugkeine Unterbrechung erleidet. Sollten Sie abwesend sein, dann beauftragen Sie bitte eine geeignete Person mit der Zahlung an den Postboten. Nur so sichern Sie sich eine ununterbrochene Zustellung der Jüd. Schulzeitung. Der Verlag. 67« «V Buchladen J£ >777 IDA DORMITZER y J J Nürnberg-K Luitpoldstr. 11 Fernspr. 275 62 Bitte verlangen Sie Prospekte lür: Neuerscheinungen allgem. Hrt l^sx. Jüdische Literatur / Jugendäs**' Schriften / Chanukka-Leuchter Krankenversicherung Aufnahme bis 70 Jahre ohne Untersuchung Keine Wartezeit für akute Infekt onskrankheiten Llgne CrhivarY Gr. Bockenheimer Straße 2\I nanS SCnwarZ F ankfu't a.M., Telefon 23977 Bei Skat- .■ partien, bei Familienfestlichkeiten, bei allen Veranstaltungen, gedenkt der interliilfe! Verantwortlich für den redakt. Teil: Dr. Siegfried Braun, Hauptschri'tleiter, Köln-Sfilz, Unkelerstraße 17. Für die Anzeigen verantwortlich: Fritz Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. — D.-A. 3. Vj. 793 Exemplare. — Druck und Verlag: Gebr. Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Göltige Anzeigenpreisliste Nr. 3 vom 1. Januar 1936.