Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 11 (1.11.1936)
- Date
- 1936-11-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Jüdische Schulzeitung Nummer IT avh (£afe==$onöttom ^reuglmgen baß gelegene (§amüUn*£afe lU5 M. A. Wiesen: Neues hebr.-deutsches Wörterbuch. Verlag Benjamin Harz, Berlin-Wien. 1936. Das Werkchen stellt eine wertvolle Bereicherung der für die Erlernung und Kenntnis der hebräischen Sprache notwendigen Hilfsmittel dar. Durch besondere Kenntlichmachung des op f ap wird eine häufig in Erscheinung tretende Schwierigkeit behoben; in einem besonderen Nachtrag macht uns der Verfasser mit den neuesten Wortbildungen in Literatur und Presse vertraut und zeigt durch Feststellung dermeist vorkommenden'Fehler sein eifriges Mühen nach Vollständigkeit und Klarheit Der im Anhang alphabetisch geordnete grammatische Teil ist eine beachtenswerte Hilfe und Stütze für den mit diesem Teil der hebr. Sprache noch nicht ganz und voll Vertrauten. Zu begrüßen wäre in der nächsten Auflage eine genauere Angabe der von der Genusbezeichnung abweichenden und der zweigeschlechtlichen Plurale einer großen Zahl von Substantiven. Die geschmackvolle äußere Ausstattung und der klare sorgfältige Druck, vereint mit seinen wichtigen Neuerungen, werden dieses Buch bald zum notwendigen Helfer bei der Erlernung der modernen hebräischen Umgangssprache werden lassen. L. Gr.- * Jaakow Simon, Lastträger bin ich; Verlag Kedem, Berlin. Ein neues Jugendbuch, das Erzählungen verschiedener palästinensischer Schriftsteller, ins Deutsche übertragen, enthält Die Sprache ist die heute beliebte Jugendbuchsprache, kindlich, aber von Erwachsenen konstruiert und deshalb mit allen Vorzügen und Mängeln behaftet, auf die in diesem Blatt schon öfter hingewiesen wurde. Die flott gezeichneten Bilder stammen von Bernhard Gelbart. Neuere Geschichtsliteratur Wenn Geschichte sich neu gestaltet, wenn in umwälzendem Geschehen Geschicke von Einzelnen und der Gemeinschaft sich erfüllen, ist es nicht die Zeit, in ruhiger Besinnlichkeit Geschichte zu schreiben. Außerdem steht unsere, Generation den Ereignissen zu nahe, befindet sich viel zu sehr im Strudel der historischen Wellen, um etwa im Sinne eines Ranke, des wohl größten Historikers der vergangenen Epoche, Geschichte zu begreifen in der Tendenz, das „Ich auszulöschen und die Dinge zu sehen wie sie sind". Geschichte kann daher heute nur subjektiv betrachtet werden im Sinne einer persönlichen Weltschau, die aus den Gegebenheiten der historischen Erkenntnis und der Gegenwart den Versuch unternimmt, ein Kuiturideal, nach welchem die Zukunft zu gestalten wäre, zu unterbauen. Ein Geschichtswerk wie das von Grätz oder Dubnow ist daher in den augenblicklichen Zeitläuften nicht denkbar. Auch der von jedem jüdischen Lehrer erkannten Notwendigkeit, den Geschichtsunterricht methodisch zu reformieren, läßt sich jetzt, wo alles im Flusse noch unübersehbaren Geschehens sich befindet, nur annähernd entsprechen. Was heute an historischer Literatur auf dem jüdischen Büchermarkt neu erscheint, ist trotzdem nicht ohne Interesse; sowohl den Neuerscheinungen als den Wiedergaben älterer Werke ist das Eine gemeinsam, daß sie ganz bestimmte, unserer Zeitlage eigentümliche Gedanken in den Vordergrund zu stellen versuchen. - Von Heinrich G r a e t z bringt der Schocken V e r - lag die 1846 erschienene Skizze „Die Konstruktion der jüdischen Geschichte" mit einem höchst instruktiven Nachwort von Ludwig Fe u c h t w a n g e r: „Zur Geschichtstheorie des jungen Grätz von 1846." Die Skizze, zuerst in der Frankeischen- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judentums erschienen, ist die ideologische. und theoretische Grundlage des,7 Graetzschen Geschichtswerks, zeigt dessen Aufbau und zugleich dessen Schwächen, indem in beiden der innere Bruch in der Geschichtsauffassung des Historikers in Erscheinung: tritt. Der Schwung der Darstellung kann über, die^ plötzliche ideologische Wendung, deren Gründe Feuchtwanger aufzeigt, nicht hinwegtäuschen. Wer aber einen allgemeinen Ueber-' blick über die jüdische Geschichte sich verschaffen will, und das dürfte besonders für die Schule und für die reifere Jugend zutreffen, dem sei das Werkchen bestens empfohlen. Zugleich, ist dem Lehrer, wenn er sich in die Materie einarbeitet, Gelegenheit geboten, die Problematik der jüdischen Geschichtsdarsteihmg kennen zu lernen. Ernst Simon hat einmal bei der Besprechung von DLibnows Werk über Grätz geschrieben: „Er war ein glühender Nationaljude, ohne das Wort wahrhaben zu wollen, ein moderner Wissenschaftler, dessen Kritik aber de facto an der Thora haltmachte, ein traditionell lebender Jude ohne Verständnis für das Phänomen der Halacha, ein dem jüdischen Schicksal glaubensmäßig Verbundener, doch ein Feind der jüdischen Mystik, wie sie sich in Kabbala und Chassidismus offenbart.hat'". ' Diese Charakterisierung Graetzens, 1930 geschrieben, trifft auf das Buch „Die Konstruktionen" besonders zu. Nur meinen wir, daß diese Widersprüche mehr der Zeit, als dem Menschen Graetz zuzuschreiben seien. Emil B. Cohn läßt im Löwe Verlag ein in dieser Zeitschrift bereits besprochenes Buch: „Die jüdische Geschichte, ein Gang durch Jahrtausende" erscheinen. Elias Bickermann läßt die Geschichte der „Makkabäer" in seinem Büchlein (Schocken Verlag) an unserem Auge vorbeiziehen in einer neuen kritischen Stellungnahme zu dieser höchst interessanten Epoche jüdischer Geschichte. Es stellt die Makkabäer dar als die Kämpfer für die alten religiösen Ideale des Judentums, zugleich aber als die Reformatoren, die in einer Synthese von Judentum und Hellenismus dem Geist der neuen Zeit ihren Tribut zu bringen bereit seien. In dem Buch von J. Fritz Baer „Galut" (Schocken Verlag) wird die Geschichte dieses Begriffs von den Zeiten der hellenistischen Diaspora bis an die Schwelle der Neuzeit instruktiv und kenntnisreich dargestellt Der Standpunkt des Verfassers ist einseitig orientiert. So dankbar man dem Verfasser sein muß für seine Darstellung als solche, so wenig vermögen wir ihm auf dem Weg zu folgen, der eine Auflösung des Galuth, voraussetzt. Selbst der national eingestellte Jude wird anerkennen müssen, daß es auf absehbare Zeit ein Galuth geben wird, in dem Juden, zerstreut in der weiten Welt, leben müssen. Wenn man selbst anerkennt, daß der „Galut nach dem Naturgesetz nicht ewig dauern kann" — so ist das Ende dieser Tatsache trotz des Palästinaaufbaues nicht abzusehen. Trotz dieser Einschränkung muß aber gesagt werden, daß das Buch von Baer an geschichtsphilosqphische Gedankengänge anknüpft, deren Austragung in unserer Zeit notwendig geworden ist, und daß gerade aus den Darstellungen dieses Verfassers sich interessante Perspektiven ergeben. Das Buch von Baer ist reich an solchen Anregungen geschichtsphilosophischer Art. Auf den ersten Seiten wird eine Darstellung des Geschichtsbildes des spätantiken Judentums gegeben, in dem der Satz vorkommt: „Die Geschichte des jüdischen Volkes unterscheidet sich von der der astologisch (kausal) bestimmten Geschichte der Völker". Das Buch schließt mit der Bemerkung: es „soll — ein jeder Jude an jedem Ort der Diaspora erkennen, daß es eine Macht gibt, die das jüdische Volk über allen kausalgeschichtlichen Zusammenhang erhebt". Dazwischen liegt eine Stufenleiter von Gedanken und Problemen, die den denkenden Lehrer heute mehr denn je beschäftigen müssen._ A. Gordon, Harburg-Wilhelmsburg. Verantwortlich für den redakr. Teil: Dr. Siegfried Braun. Hauptschri»Heiter, Köln-Sölz. UnkelerstraBe 17. Für die Anzeigen verantwortlich: Fritz Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. — D.-A. 3.Vj. 793 Exemplare. — Druck und Verlag: Gebr. Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Gültige Anzeigenpreisliste Nr. 3 vom 1. Januar 1936.