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Jüdische Schulzeitung · 1936-06-01 · 6 (1.6.1936) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
6 (1.6.1936)
Date
1936-06-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 J u d i s ch e Schulz ei t u n g Nummer;6 Wort. So wird eine Einseitigkeit, wie sie in manchen anderen Schulbüchern leider anzutreffen ist, vermieden, und dem Lehrer wie: dem Schüler wird an Hand der Lektüre umfangreicher Konversationsstoff geboten.. Ueberhaupt bieten die Hefte bereits dadurch viel Möglichkeit zu Sprechübungen, daß der Gesamtstoff der Lesestücke Handlung ist, die also voll ausgewertet werden kann. Allerdings muß an dieser Stelle betont werden, daß kein hebräischer Unterricht auf den Qiljonöt als alleiniger Lektüre basieren kann, etwa vom 9. Monat ab muß — auch nach Ansicht des Verfassers — die Bibellektüre gleichberechtigt neben die moderne Literatur treten. Es verdient bemerkt zu werden, daß an der Hebr.. Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin der Bibelunterricht vom 2. oder 3. Semester ab bereits seit einem Jahrzehnt obligatorisch ist. Neben'der Bibel verdient aber auch die Agada im hebräischen Unterricht eine besondere Berücksichtigung. Dieser Forderung kommt Heft 3 der Reihe entgegen, das 10 Agadot aus Talmud und Midrasch — in Bearbeitung von Dr. J. Bornstein — bringt. Soweit die Agadot im Original, hebräisch geschrieben sind, ist der Text des Originals fast vollkommen beibehalten worden, bei aramäischen Agadot hingegen ist eine wort- und stilgetreue Uebersetzung in das Hebräisch des Midrasch vorgenommen worden. Die Aufnahme dieses Heftes in die Reihe ist besonders zu begrüßen, da die Agadot des Talmud und Midrasch sowohl sprachlich wie inhaltlich einen besonderen Rang in der hebräischen Literatur einnehmen, so daß eine eingehende Beschäftigung mit ihnen im Unterricht notwendig ist. Diese Aufgabe wird von diesem Sonderheft in hervorragender Weise erfüllt. Dem Verlag ist für die ausgezeichnete technische Ausstattung besonders zu danken; es ist zu wünschen, daß die Reihe bald weiter ausgebaut wird. H. J. Wolff. Joachim Prinz: Die Reiche Israel und Juda (Geschichten aus der Bibel). Erich Reiß Verlag, Berlin. 3,80 M. Dr. Joachim- Prinz erzählt in diesem zweiten Teil der „Geschichten der Bibel" von den Reichen Israel und Juda. Auswahl und auch oft der Ausdruck lassen nicht recht erkennen, für welches Alter das Buch gedacht ist. Da gibt es moderne Begriffe: ... In Jerusalem wehten die Trauerfahnen ... da ist von Anschlägen an Häusern und von Verordnungen die Rede (S. 128), da sind wiederum kindliche Darstellungen, die dem Märchenalter, dem Alter des „Nicht-selbst-Lesens" mehr entsprechen. — Es fehlt durchaus nicht an dramatischer Zeichnung, die oft packend wirkt. Da ist die starke Steigerung im 1. Kapitel „Peitschen und Skorpione", da ist die Schilderung der Belagerung Jerusalems, die Rettung und Krönung des Joas, die plastisch gezeichnete Makkabäergeschichte, der Barkochbaaufstand und manches andere . Aber da fehlt auch Wesentliches, sehr Wesentliches, — oft gerade das, was die Bibel, das Buch der Bücher von jedem andern Buch unterscheidet. Man soll es anders sehen und Kinder wollen es* anders sehen, dieses Buch. Zehnjährige, Elfjährige wissen oft sehr genau den Unterschied zwischen Geschichte und Geschichten, zwischen Märchen und Wahrheit. Eine kurze Besprechung kann nicht auf alles eingehen, doch mögen einige Details hervorgehoben werden. Warum wird in der breit angelegten Geschichte des Jerobeam der Prophet Ahia nur so nebenbei erwähnt? Warum ist dies Ereignis, diese prophetische Gebärde vom zerrissenen Mantel nicht gezeigt? Muß sie nicht auf Kinder wirken? Warum fehlt in der sonst dramatisch gehaltenen Darstellung von den Baalpriestern und Elia eine Stelle, die den starken Gegensatz zwischen dem Mann des Geistes und den rohen, rein physisch eingestellten Götzenpriestern so gut beleuchtet, der Spott des Elia,, diese fast humoristisch wirkende Stelle der Schrift? — Der Untergang der 10 Stämme: Gewiß, die Geschichte Israels ist Geschichte wie die anderer Völker, aber hier (S. 82—85) glaubt man englische Geschichte zu lesen oder Blut um schottische Throne zu sehen — für „Geschichten der Bibel" fehlt doch ein wenig der rote Faden, die starke Hervorhebung des Unterschiedes zwischen dem „Sollen'' nach göttlichem Willen und dem „Wollen und Tun" der verantwortlichen Persönlichkeiten. Zu stark ist die Zusammenziehung der Ereignisse. — Josia (S. 106): Auch hier ist Telegrammstil, Zusammenpressung, wo ausführliche Darstellung einem so einschneidenden Ereignis wie der Auffindung des Buches, der Herstellung alten Dienstes, allein gerecht werden könnte! Und schon nach diesem Kapitel hören die Geschichten der Bibel auf! Allerdings heißt es nicht „Die Geschichten der Bibel" und die Auswahl ist durchaus Sache des Verfassers, aber man vermißt doch sehr viel: die Rückkehr aus Babylon, den Tempelbau, eine kraftvolle Persönlichkeit wie Esra, die auch das 12jährige Kind schon interessiert und fesselt, die Geschichte von Jona, die jedes Alter anders nimmt und jedes Alter liebt — für die'Kleinen liegt ihre Bedeutung in dem Erlebnis des Propheten, für die Größeren erwächst daraus der wunderbare Jaumkippurgedanke von der Langmut und unendlichen Güte des verzeihenden Gottes, der so ganz anders handelt wie der kleine Mensch erwartet, der nur Lohn und Strafe sehen will. Warum.gerade so Fesselndes auslassen? Da ist an einer Stelle der Versuch gemacht, den Begriff „Prophet" zu gestalten. Ich weiß nicht, ob man ihn Kindern überhaupt klarmachen kann, ohne sie — in reiferem Alter — an das echte Bibelwort zu führen. Aber ist da nicht bei Jesaia manches, das Kindern durch Erzählung schon zu vermitteln wäre außer dem wenigen hier Gebrachten, das nur als Beiwerk zu den 'Königsgeschichten wirkt? Auch das Buch. Hiob fehlt. Es darf natürlich nicht vergessen werden, daß das Werk von Prinz nicht als Schulbuch gedacht ist, trotzdem— oder gerade deshalb — läßt die Auswahl zu wünschen übrig. Esther: Ein Buch, das in der Bibel enthalten ist, sollte nian nicht mit „es war einmal" anfangen. Kinder eines gewissen Alters wollen das nicht, sie lieben Märchen, sie lieben biblische Geschichten, aber sie machen einen scharfen Trennungsstrich. Die Darstellung des Buches ist treffend wie viele andere. Hie und da sind allerdings nicht kindertümliche Ausdrücke oder seltsame Redewendungen gewählt ... „der Wind malte tiefe Figuren in das Aehrenmeer ... Es dürfte vielleicht im Verzeichnis oder an anderer Stelle vermerkt sein, daß diesen „Geschichten der Bibel" einige Erzählungen aus anderem Schrifttum hinzugefügt sind. Sehr gut ist die Illustrierung von Wallenberg, die figürliche Darstellung des Werdegangs der Reiche, ausgezeichnet gewählt sind Szenen wie Elia neben dem Wagen Ahabs, die Flucht Elias' als Skizze, die Erstürmung einer Stadt, der Hämmerer und viele andere, das Titelbild. Cilli Marx. Heinrich 'Kurt zig: Liebes- und Irrfahrten nach Homers Odyssee. Wieder einmal etwas Heiteres. Gustav Engel Verlag, Leipzig. - Die mit einem Vorwort des bekannten Homerforschers Thassilo von Scheffer versehene Travestie überträgt das klassische Epos in zwölf lustige Gesänge, ohne auch nur im geringsten den Respekt vor« der homerischen Muse außer acht zu lassen. Die liebenswürdige Parodie, verbindet die schaurigen Irrfahrten des listenreichen Odysseus mit Begriffen unserer Tage: Zionismus und Palästina, Flugzeug und Rundfunk versöhnen alle, die in ihrer Jugend mit der Lektüre der Odyssee sich mühen mußten. Wer immer in unserer an wahrem Humor so armen Zeit sich einen, heitern Genuß verschaffen will, der greife zu diesem Büchlein. Dr. 1. inu. Ausland. Ehe- Arrangements. Frau Else Hess, Karlsruhe L Kaiserstr.1831. Sprachst, v. 10-12 u. 15-17 Uhr. Bestellen Sie Ihre Drucksachen beim Verlag der JOd. Schulzeitung Ludwigshafen a. Rh., Schulstr. 14 Verantwortlich für den redakt. Teil: Dr. Siegfried Braun, Hauptschriftleiter, Köln-Sölz, Unkelerstraße 17. Für die Anzeigen verantwortlich: Fritz Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. — D.-A. l.Vj. 831 Exemplare. — Druck und Verlag: Gebr. Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Gültige Anzeigenpreisliste Nr. 3 vom 1. Januar 1936.

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