Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 5 (2.5.1936)
- Date
- 1936-05-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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12;- Jahrgang Verlagsort; Mannheim 2 Nummer 5 Schulzeitung Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichs Verbandes der jüdischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, Kaiserstraße 29) Die „Jüdische Schulzeitung" ericheint ani 1. eines jeden Monats. Postbezugspreis: 0.45 pro Quartal. Mannheim, den 2. Mai 1936 Druck und Verlag: Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Hauptschriftleiter: Dr.SiegfriedBraun K ö 1 n - S ü 1 z , Unkelerstraße 17 Das jüdische Schulwerk vor neuen Aufgaben von Dr. Hermann Weil, Frankfurt a. M. (Philahthropin) Vor dem Beginn des neuen Schuljahres ist es wichtig, einmal jenseits aller Diskussionen über Ziel und innere Gestaltung der jüdischen Schule und jenseits aller weltanschaulichen Differenzen, die über diese Fragen in der jüdischen Oeifentlichkeit in Deutschland bestehen, nur Zahlen sprechen zu lassen. In Nr. 3 der Jüdischen Schulzeitung (März 1936) habe ich an Hand einer Veröffentlichung in Heft 2 des „Amtsblattes des Reichs- und Preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung und der Unterrichtsverwaltungen der anderen Länder" vom 20. Januar 1936 die statistischen Unterlagen über jüdische Volks- und Mittelschulen in Preußen sowie die Zahlen der jüdischen Lehrer und Schüler an diesen Schulen für das zu Ende gegangene Schuljahr 1935/36 angeführt. Die. Errechnung auf Grund des vorliegenden a m t - liehen Materials ergab eine Anzahl von 2 5,0 1 5 jüdischen Schülern in öffentlichen und privaten Volks- und Mittelschulen in P r e u ß e n. Der Bericht, den die Schulabteilting der Reichsvertretung der Juden in Deutschland im Rahmen des umfangreichen Tätigkeitsberichtes von „Hilfe und Aufbau" soeben über das Jüdische Schulwerk gibt und über den zusammenfassend kurz in den verschiedensten jüdischen Zeitungen referiert wurde, enthält nun eine Reihe sehr wertvoller statistischer Angaben über die bisherige Entwicklung und den Stand sowie über die Zukunftsentwicklung des Jüdischen Schulwesens in Deutschland. Die Jüdische Schulzeitung will sich daher ausführlicher als dies in der jüdischen Tagespresse der Fall sein kann, mit diesen Dingen befassen. Es werden auch in diesem Bericht der Schulabteilung der Reichsvertretung zum erstenmal in .diesem Umfang zahlenmäßige Unterlagen, teils auf Grund genauer Berechnungen (Anzahl der Lehrer), teils auf Grund von Schätzungen (Zahl der Schüler) für Deutschland gemacht. Äti unsere Leser! Da es uns bis jetzt nicht möglich war, Änzeigen für die „Jüdische Schulzeitung" zu erhalten, aus deren Erträgen wir hätten den monatlichen Fehlbetrag herabdrücken können, sehen wir uns gezwungen, den Bezugspreis des Blattes auf 25 Pfennig pro Monat festzusetzen. Dementsprechend wird Mitte Juni der Briefträger das Zeitungsgeld für das 3. Quartal 1936 in Höhe von 75 Pfennig, zuzüglich 6 Pfennig Zustellgebühr, erheben. Wir hoffen, daß unsere geschätzten Leser für diese Maßnahme Verständnis finden, denn der Verlag kann die an ihn gestellten Anforderungen nur dann erfüllen, wenn mindestens die Selbstkosten des Blattes gedeckt sind.. Der Verlag. Diese Unterlagen sind im Augenblick um so wichtiger, als die jüdische Schulfrage die jüdischen Instanzen und Gemeindekörperschaften, vor allem aber die Schulabteilung der Reichsvertretung und nicht zuletzt die jüdische Lehrerschaft Deutschlands gerade jetzt vor Ostern 1936 vor neue Aufgaben und Forderungen stellt. Die Zahl der schulpflichtigen jüdischen Schüler und Schülerinnen in Deutschland wird zur Zeit mit 44000 geschätzt. Die Beschulung der Kinder wird durch folgende Tabelle deutlich: I. Jüdische Schulen 1) auf jüd. Volksschulen . 2) auf jüdischen mittleren und höheren Schulen . II. Allgemeine Schulen 1\ Volksschulen a) in Orten, in denen bereits eine jüdische Schule besteht . . . b) in Orten, in denen keine jüd. Schule besteht........ Großstädte Uebriges Reich Insgesamt 14000 3500 5000 2000 500 200 16000 4000 5200 2000 2) Mittlere und höhere Schulen a) in Orten, in denen bereits eine jüdische Schule besteht . . . b) in Orten, in denen keine jüd. Schule besteht........ 2500 2000 7000 300 5000 9000 2800 7000 Insgesamt: 29000 15000 44000 Nach diesem Bericht sind mithin rund 20 000 jüdische Schüler im schulpflichtigen Alter bis jetzt vom jüdischen Schulwesen erfaßt. (Fettgedruckt in der letzten senkrechten Spalte.) In den drei letzten Jahren hat sich das jüdische Schulwesen verdoppelt. Von den restlichen 24 000 schulpflichtigen Schülern, die noch allgemeine Schulen besuchen, sind etwa 14 000 in allgemeinen Volksschulen und 10 000 in allgemeinen mittleren und höheren Schulen. Es ist anzunehmen, daß bei dem Inkrafttreten der neuen Bestimmungen, die auf eine Rassentrennung, der Schüler in Volksschulen hinauslaufen, auch ein erheblicher Teil der noch in mittleren und höheren Schulen befindlichen jüdischen Schüler in jüdische Volksschulen gehen wird, besonders an solchen Orten, an denen keine mittleren und höheren jüdischen Schulen sind, d. h.. also in der Mehrzahl der Orte. Die Schulabteilung der Reichs Vertretung setzt daher die Zahl der künftig in jüdische Volksschulen gehenden Schüler auf 20 000 an, also um 6 000 höher als die noch jetzt in allgemeinen Volksschulen befindlichen Schüler.