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Jüdische Schulzeitung · 1935-12-01 · 12 (1.12.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
11 (1935)
Issue
12 (1.12.1935)
Date
1935-12-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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11. Jahrgang Verlagsort: Mannheim 2 Nummer 12 üdische Schulzeitung Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine _ (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, Kaiserstraße 29) .Die „Jüdische Schulzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats Postbezugspreis: 0.45 pro Quartal. Mannheim, den i. Dezember 1935 Druck und Verlag' Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Hauptschriftleiter: Dr.Siegfried Braun K ö 1 n - S ü 1 z, Unkelerstraße 17 Für Verminderung der Leseschwierigkeiten im Hebräischen von M Äbraham - Berlin Soweit ich sehe, sind Dr. Qoldmanns fvnns; und Dr. Kalekos ff'K bzb T)i~)2V die ersten in Deutschland gedruckten Lehrbücher des Hebräischen, welche versuchen, die Erlernung des Hebräischen, insbesondere die Erlernung des Lesens durch Fortlassen einiger Zeichen zu vereinfachen und zu erleichtern. Es betrifft das KW" , den Unterscheidimgspunkt beim v und das In Rußland ist man in dieser Beziehung seit Jährzehnten und nicht vereinzelt mit entsprechendem Beispiel vorangegangen. Welche Stellung sollen wir dazu einnehmen? Das Schwa. Vor etwa 25 Jahren habe ich in - einem Artikel in den „Blättern für Erziehung und Unterricht" dafür werben wollen, das Schwa am Ende der Silbe (rn KW' ruhendes, stummes Schwa) fortzulassen; ich weiß nicht mehr, ob aus selbständiger Erkenntnis öder auf Grund damals mir bekannt gewordener Lehrbücher. Es drang sonst kein Echo meiner Anregung zu mir. Nur mein alter, verehrter Lehrer Marcuse äußerte sich im Gespräch mit mir und zwar dahin: Die von Ihnen dargelegte Idee^ist gar nicht schlecht, aber, aber... sie richtet sich gegen die allgemein übliche Form, gegen die Schreibweise der Ueberlieferung... . Das ist, richtig. Ist es aber auch stichhaltig und ausschlaggebend? Warum mag wohl das Schwa eingeführt worden sein? Die Vokaibezeichnung mit Strichen und Punkten ist verhältnismäßig jungen Datums. Wie in der Gelehrtenwelt ununterbrochen bis auf den heutigen Tag, so schrieb man während des Bestandes des jüdischen Staates und auch lange nachher das Hebräische überhaupt nur mit Konsonanten. Man vertraute auf die lebendige und allgemeine Kenntnis der Sprache, die das richtige Lesen vokallosen Textes schon ermöglichen werde und auch wirklich ermöglicht, nicht nur im Hebräischen. Welcher Deutsche' wird nicht z. B. ohne weiteres den Satz richtig lesen: Wr hbn kn Gld. Nur bei Zweifelsfällen wandte man zur Andeutung von Vokalen Buchstaben an ("Vn'iO, und das genügte auch. Als aber den Juden in den Ländern ihrer Zerstreuung die Landessprache ihre-Umgangs- und Muttersprache wurde und zugleich die Kenntnis und sichere Beherrschung des Hebräischen zu schwinden begann, entstand die berechtigte Besorgnis, daß selbst das größte und heiligste Gut in Gefahr geraten könnte: daß nämlich die Tora nicht richtig verstanden und verstümmelt vorgetragen werden könnte. Dem mußte mit aller Sorgfalt vorgebeugt werden. Im Geiste der ,;Massoreten" rnban ^ya bemühten sich die „Punktatoren" ' den biblischen und zumal den Toratext nicht blaß im - Sinn, sondern auch in der Aussprache völlig eindeutig sicherzustellen. So entstand neben andern das in seiner Einfachheit so geniale tiberiensische Vokalsystem von Strichen und Punkten, das — etwa um 900 uns. Zeitr. vollständig ausgebildet — sich allmählich die Herrschaft erobert hat und nun bei uns üblich ist. Die Erfinder wollten verhindern, daß beim Ab- oder Niederschreiben des Textes irgendein Konsonant in bezug auf seine Ausstattung mit einem Vokal übersehen werde, desgleichen sollte der Leser die Gewißheit haben, daß kein Buchstabe übersehen worden, kein Vokal weggeblieben sei. Darum wurde jeder Buchstabe innerhalb eines Wortes, der einen Konsonanten darstellen soll (mit Ausnahme des K am Silbensehluß), wenn ihm nicht unmittelbar ein Vokal folgt, ausdrücklich als vokallos bezeichnet und zwar mit dem Doppelpunkt, der den Namen xitf bekommen hat. Ist seine Beibehaltung auch jetzt noch notwendig? Entsteht durch seine Fortlassung ein Nachteil oder wird nicht vielmehr ein Vorteil erlangt? Beträfe dieses Zeichen nur den Konsonanten am Silbene n d e und wollte es nur den Silbenschiuß anzeigen, selbst aber keinem irgendwie gearteten Laut entsprechen, so könnte man es zum wenigsten als jetzt überflüssig geworden erklären, da der Bibeltext schon seit langem vor absichtlicher und unabsichtlicher Verfälschung sichergestellt ist. Für den Leselernenden ist es aber entschieden besser, wenn ihm alles Entbehrliche ferngehalten wird. Wenn er unter dem vokallosen Endkonsonanten einer Silbe kein Zeichen erblickt, wird er um so weniger schwanken und darum eher richtig lesen; vergleiche •lain : na-ra ,wi?r: Wipr Nun kommt hinzu, daß dasselbe Schwa-Zeichen von den Punktatoren auch zur Verwendung beim vokallosen Konsonanten am Anfang einer Silbe gewählt worden ist: ^"na Hier soll es ein ganz kurzes, dumpfes, an i anklingendes e andeuten, entsprechend dem Nachklang, den wir mitertönen lassen müssen, wenn wir nur den Laut für den einzelnen Konsonanten hervorbringen wollen: b, g, d. Will man diesen Laut in der Umschrift einigermaßen zutreffend wiedergeben, so muß man: sch(e)ma, noch besser: sch'ma schreiben. Zumeist aber wird er beinahe oder wirklich wie ein deutliches e gesprochen und zumeist auch als solches umschrieben: Tefilla, Jerobeam. Dann singt wohl auch ein „Interimskantor" nach Noten mit lateinisch unterschriebenem Text: al jede Dowid, der Titel des Lehrbüchleins wird melodisch zu ::TefilIa kezara und die Organisation hört sich : Keren hajessod nennen. So wird das Schwa und se:ne Umschreibung zum Hindernis oder Beschwernis der richtigen Aussprache. Vielleicht ist der Zweifel erlaubt, ob im lebendigen Hebräisch der alten Zeit tatsächlich hinter einem vokallosen Konsonanten am Silbenanfang, wenn ihm ein anderer hörbarer Konsonant, also nicht 8 (auch??) folgte, ein e oder e-Aehnliches eingeschoben wurde. Tun wir dergleichen doch auch nicht in entsprechenden Lautverbindungen wie: Brot, schmal, Glaube, Zweig etc. und geschieht es ja auch nicht in Sprachen, denen geradezu eine Häufung unmittelbar aufeinanderfolgender Konsonanten eigen ist, wie den slawischen: Przemysl. Drzschadzynski. Vielleicht dürfen, wir einen Fingerzeig in der

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