Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 10 (3.10.1935)
- Date
- 1935-10-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 J ü d i s c h e S e h tt 1 z e i t u n g Nummer. 10. dem Gebiete der öffentlichen Volksschulen eine möglichst vollständige Trennung zwischen deutschen und jüdischen Kindern durchgeführt ist." Im „Völkischen Beobachter" vom 11. September wird zu dem Erlaß ein Aufsatz der Nationalsozialistischen Partei korrespondenz veröffentlicht, in dem es heißt: „Der Aufklärungsgrundsatz, daß alle Menschen gleich seien, hat vor gut hundert Jahren auch dem deutschen Volke die sogenannte J u d e n b e f r eiung gebracht. Seitdem konnten Juden an allen Bildungsmitteln des Volkes teilnehmen und gewannen in führenden Berufen mehr und mehr Einfluß auf die Geschicke des deutschen Volkes. Da die deutsche Schule im 19. Jahrhundert mehr und mehr zu einer Stätte der rein intellektuialistischen Schulung wurde, so gelang es der bekanntlich, früher reifenden jüdischen Jugend häufig, über die Gleichstellung hinaus einen Vorrang zu gewinnen, wie dies vor allen Dingen die Nachkriegszeit in erschreckender Weise deutlich gemacht hat. Der Nationalsozialismus hat sofort nach dem Umbruch die Judenfrage auch auf dem Gebiete des Schulwesens aufgegriffen. Aus seiner rassischen Weltanschauung floß ihm die Erkenntnis, daß jedes Volk nach seiner besonderen rassischen Zusammensetzung seine eigene Kultur hat und daß daher eine gemeinsame Kulturarbeit von Deutschen und Juden eine Unmöglichkeitist. Die bisherige Nichtarier-Gesetzgebung hat bereits eine wesentliche Reinigung bewirkt, wenngleich der Begriff Jude öfter nicht reinrassisch, sondern daneben auch noch konfessionell gefaßt und gleich „mosaisch" gesetzt wurde. In den höheren Schulen hat man die. „Nichtarier" bis auf einen bestimmten Hundertsatz entfernt, der dem Hundertsatz der jüdischen Bevölkerung im Deutschen Reich entsprach. Besondere höhere jüdische Schulen wurden geschaffen. Die in Verbindung mit dem Rassenpolitischen Amt erlassenen Bestimmungen für höhere Schulen führen unter bewußter Anwendung rein rassischer Begriffe zu einer weiteren Klärung und scheiden scharf zwischen den Rechten deutscher und jüdischer Schüier. Auf dem Gebiete der Volksschule fehlte es jedoch bisher an einschneidenden Maßnahmen. Diesem Uebelstand will eine Verordnung abhelfen, die der Reichserziehungsminister Rust jetzt an die ihm unterstellten Schulbehörden erlassen hat und in denen er die Zusammenfassung der jüdischen Kinder in besonderen jüdischen Volksschulen für den 1. April 1936 ankündigt. Diese Maßnahme ist ein Gebot deutschvölkischer S e 1 b s t e r h a 11 u n g. Sie beseitigt die emp- I Porto 3 Pfg. i >tßllSCfa.ßiD;Marke2ukreHand, j unfrankiert in! den Postkasten; i werfen! Porto; : trägt dann Hn den; Empfänger. \ Verlag der JQdischen Schulzeitung Ludwigshafen a. Rh. SchulstraSe 14. Vom Verlag der Jüdischen Schulzeitnug Ludwigshafen a. Rh.. Schulstraße 14, bestelle ich ..............Exempl. S. Müller, Der Weg in die Jüdische Neuzeit, 306 S., brosch. RM. 260, Leinen geb. 3.40, Luxusband 4.00. (Gewünschte Ausführung unterstreichen) Ort und Datum:.............................................................................................. Genaue Adresse;.-.......................................................................................................... findliche Störung, die durch die stete Rücksichtnahme deutscher Erzieher auf jüdische Kinder bisher an den Schulen be-. stand und die ihren Ausdruck in der Anordnung der Weimarer Verfassung fand, daß „die Gefühle Andersdenkender nicht verletzt'; werden dürften. Zugleich bedeutet de Form der Durchführung — das . sei besonders dem Ausland gegenüber hervorgehoben — durchaus keine unbillige Härte gegen die Juden, denn es wird ihnen ja die Möglichkeit gegeben, ihre Kinder in besonderen jüdischen Schulen -ihrer Art gemäß zu - erziehen. Daß,diese Erziehung innerhalb des Deutschen Reiches der staatlichen Ueberwachung unterliegt, ist gleichfalls ein selbstverständliches Gebot völkischer Selbsterhaltung. Absichtlich wird in den neuen Bestimmungen nicht — wie bisher — von „Nichtariern" gesprochen, sondern von „Juden"; denn der Reichserziehungsminister denkt nicht daran, auch Kinder von anderen Nichtariern, die als Gäste in Deutschland weilen, von dem Besuch deutscher Schulen auszuschließen. Das deutsche Volk hat von jeher seine .Kulturwerte gern an andere Völker, weitergegeben und legt auch weiterhin auf die •Zusammenarbeit mit ihnen größten Wert. Bei den Juden liegt freilich ein ganz besonderer Fall vor, denn von ihrer * Seite droht dem deutschen Volkstum große Gefahr, da sie ein Volk im Volke bildeten. Wären die Juden wie andere Nichtarier irgendwo in der Welt in einem Staate, zusammengeschlossen und hielten sich nur einzelne von ihnen vorübergehend in Deutschland auf, so würde* auch bei ihnen eine Trennung nicht nlötig sein. Solange sie aber in so großer Zahl als innerlich verbundene Gruppe dauernd innerhalb des deutschen Volkes wohnen, und bei ihnen auch nur der geringste Anspruch auf Herrschen oder Mitherrschen im deutschen Volke genährt wird, solange werden sie sich einer Gesetzgebung fügen müssen, die den deutsch-völkischen Belangen gerecht wird und unser Volk vor Ueberfremdung schützt. Die Gründung besonderer jüdischer Volksschulen wird nach dem Willen des Reichserziehungsministers Rust in weiterer Zusammenarbeit mit dem Rassenpolitischen Amt der NSDAP unter Ueberwindung aller etwa entgegenstehender Schwierigkeiten zum 1. April 1936 ins Werk gesetzt werden. Es ist ein neuer großer, von besonders klarer Anwendung ras-. s;scher Weltanschauung getragener Schritt. . Darüber hinaus muß und wird bald auch eine entsprechende Regelung für die höheren Schulen erfolgen, da diese ja besonders wichtig sind für die Heranbildung der. künftigen Führerschicht des deutschen Volkes." Wie die „Deutsche A11 g. Zeitung" vom 10. September mitteilt, ist für die Regelung auf den höheren Schulen, auf denen im Reichsdurchschnitt der Anteil der jüdischen Schüler zur Zeit rund 1,5% ausmacht, ein Erlaß in Vorbereitung, der auch für das höhere Schulwesen die Rassentrennung zur Durchführung bringen wird. Als Lehrer werden in den neu einzurichtenden Judenschulen vermutlich vor allen' Dingen solche jüdischen Lehrer herangezogen werden, die in der zurückliegenden Zeit abgebaut worden sind, und die zum Teil noch Pension beziehen. Die im Aufbau begriffene jüdische Schule in Hannover sucht zu Ostern 1936 einen jüng. I>EH&E>Rmit Volksschullehrerbildung, der auch Hand* fertigkeitsunterricht erteilen kann. Ausführliche Bewerbungen mit beglaubigten Zeugnisabschriften sind an den Leiter der Schule, Herrn Studienrat i.R., Dr. Schwarz, Hannover, Lützowstraße 3, I. Etage umgehend zu richten.