Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 10 (3.10.1935)
- Date
- 1935-10-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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oeice 4 4. Diesen vielfältigen und schwierigen Aufgaben ist eine verarmte Gemeinschaft nicht gewachsen. Die Reichsvertretung wird mit allen Mitteln versuchen, die wirtschaftliche Kraft der Juden dadurch zu sichern, daß die vorhandenen Erwerbsmöglichkeiten erhalten bleiben. Die wirtschaftlich Schwachen sind durch weitere Ausgestaltung wirtschaftlicher Hilfsmaßnahmen wie Arbeitsnachweise, Wirtschaftsberatung, sowie Personal- und Realkredithilfe zu stärken. 5. Kraft in der Gegenwart und Hoffnung für die Zukunft gibt das lebensvolle Fortschreiten im Aufbau des jüdischen Palästinas. Um das Judentum in Deutschland noch mehr als bisher in diese Entwicklung hineinzustellen, tritt die Reichsvertretung als solche dem Jüdischen Aufbauwerk e. V. (Keren Hajessod) bei und fordert die jüdischen .Gemeinden und Verbände nachdrücklichst auf, ihrem Beispiel zu folgen. Die Reichsvertretung erklärt sich bereit, die organisatorische Verbindung der Körperschaften der Judenheit in Deutschland mit dem Aufbauwerk in Palästina herzustellen. . ■ 1 , Im vollen Bewußtsein der Größe der Verantwortung und der Schwer© der Aufgabe ruft die Reichsvertretung alle jüdischen Männer und Frauen, die gesamte jüdische Jugend zur Einigkeit, zu jüdischer Haltung, strengster Selbstzucht und größter Opferbereitschaft auf. - * ■ : '" Einem im Präsidium der Reichsvertretung gestellten Antrag entsprechend, werden Reichsvertretung, Landesverbände und Gemeinden ersucht, unverzüglich in enger Zusammenarbeit die organisatorischen und personellen Maßnahmen zu treffen, die in den jüdischen Körperschaften erforderlich sind, um eine kraftvolle und konsequente Durchführung des neuen Arbeitsprogrammes durch alle jüdischen Instanzen sicherzustellen. * Den vorstehenden Entschließungen des Präsidialausschus-? ses der Reichsvertretung haben ihre ausdrückliche Zustimmung gegeben: Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden-durch Kammergerichtsrat W o 1 f f und Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, Verband Tierischer israel. Gemeinden durch Oberstlandesgerichtsrat Dr. N e u m e y e r - München, Die jüdische Schule In den letzten Wochen sind in der Tagespresse eine Reihe hochbedeutsamer _ Darlegungen erfolgt, in deren Mittelpunkt die jüdische Schule und die jüdische Schülerschaft; stehen. Welche Folgen sich aus der geplanten Neuordnung der Dinge ergeben werden, das ist in diesem.Augenblick noch nicht zu übersehen. Wir müssen uns daher vorerst einer eingehenden Betrachtung enthalten und lassen die. wichtigsten Meldungen hier im Wortlaut folgen. Der Rückgang der jüdischen Schülerzahl in Preußen Nach den neuesten Mitteilungen des preußischen Unterrichtsministeriums, die das Nachrichtenblatt des Nationalsozialistischen Deutschen Lehrerbundes, „Wirtschaft und Recht", veröffentlicht, ist die Zahl der jüdischen Schüler und Schülerinnen in Preußen ganz bedeutend zurückgegangen. Die Zahl betrug an den Volksschulen 1932 21060, 1934 dagegen nur noch 16331. Dazu kamen an den privaten Volksschulen 4865 jüdische Schüler und Schülerinnen, und an den öffentlichen und privaten Mittelschulen 2144, ferner an den Rektoratsschulen weitere 388 jüdische Schüler und Schülerinr neu. Insgesamt gab es nach der letzten offiziellen Zählung 44 öffentliche jüdische Volksschulen. An diesen unterrichteten 97 jüdische Lehrer und 25 jüdische Lehrerinnen. Hierzu kommen die 25 privaten jüdischen Volksschulen. . Einen erheblichen R ü c k g a n g hat auch die :Zab\. der; Nummer 10 Sächsischer israel. Gemeindeverband durch Wilhelm B r es - lauer- Leipzig, Landesverband der israel. Religionsgemeinden Hessens durch Kommerzienrat Mayer- Mainz, Oberrat der israel. Religionsgemeinschaft Württembergs durch Leopold L e v i - Stuttgart, . Qberrat der Israeliten in Baden durch Professor Dr. Stein- Karlsruhe, . . ■ die Gemeindevertretung der Hansestädte durch Rechtsanwalt D a v i d - Hamburg und Dr. Manasse - Altona, Oberrat der Israel. Landesgemeinde Mecklenburg-Schwerin durch Dr. J os ephy-Rostock. Jüdische Gemeinde zu Berlin durch Direktor Stahl, Jüdische Gemeinde Breslau durch Dr. L ach s, - Jüdische Gemeinde Frankfurt a. M. durch Justizrat Blau, Jüdische Gemeinde Köln durch Dr. Callmann, Jüdische Gemeinde Mannheim durch Rabb. Dr. Grünewa 1 d, Jüdische Gemeinde Essen durch Dr. H i r s c h 1 a n d, Jüdische Gemeinde Nürnberg durch Kommerzienrat Rosenzweig, , " Jüdische Gemeinde Königsberg durch „Geheimrat Falken - heim. * Zionistische Vereinigung für Deutschland durch Dr. Moses, Centraiverein der Juden in- Deutschland durch Justizrat Brodnitz, Reichsbund jüdischer Frontsoldaten durch Dr. Leo Löwenstein, Vereinigung für das religiös-liberale Judentum durch Rechtsanwalt Stern. die organisierte Gemeinde-Orthodoxie durch Rabbiner Dr. Ho ff mann, Jüdischer Frauenbund durch Frau Ottilie Schönewald, Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände durch Dr. Friedrich Brodnitz, Hilfsverein der Juden in Deutschland durch Max Warburg, Palästina-Amt der Jewish Agency durch Dr. Franz Meyerreligionslosen Schulkinde'r erfahren, während die Zahl der evangelischen und katholischen Schüler und Schülerinnen in Preußen sich nur wenig verändert hat. Zur Stellung des jüdischen Schülers In einem Erlaß des bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus heißt es: „Nichtarische Schüler und Schülerinnen sind in S c h u 11 a n d h e i m e und dergleichen nicht mehr mitzunehmen. Sie haben während der Abwesenheit ihrer Klasse nach Weisung des Schulleiters am Unterricht einer anderen Klasse teilzunehmen. Als nichtarisch gilt, wer von nichtarischen, insbesondere jüdischen Eltern oder Großeltern abstammt. Nichtarische Abstammung ist schon dann gegeben, wenn auch nur ein Eltern- oder Großelternteil nichtarisch ist." In einem Erlaß des Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung über die Abhaltung nätionalpolitischer Lehrgänge für Schüler höherer Lehranstalten heißt es, daß nichtarische Schüler von der Tei 1 - nähme an den nationalpolitischen Lehrgängen grundsätzlich ausgeschlossen sind. In einem weiteren1 preußischen Erlaß wird darauf hingewiesen, daß allen Schülerinnen und Schüler der höheren Lehranstalten der Besuch der von den Schulen veranstalteten herkömmlichen Morgenandachten und Schulfeiern religiösen Charakters, gleichviel ob diese in Schulräumen' oder außer-, halb der Schule stattfinden, freigestellt ist. Jfiidijsche. Sc h u 1 z e i t u n g