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Jüdische Schulzeitung · 1935-10-03 · 10 (3.10.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
11 (1935)
Issue
10 (3.10.1935)
Date
1935-10-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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tm^r :: - l i lahrgang lüdis S ^^^ß^^^w^v^^-y^rwsf^^j, Verlagsort: Mannheim 2~ *• Nummer 10 S zeitung Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, Kaisersträße 29) Die „Jüdische Schulzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats Postbezugspreis: 0.45 pro Quartal. Mannheim, den 3. Oktober 1935 Druck und Verlag - Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Hduptschriftleiter: Dr. Siegfried Braun Köln, Lütjowstraße 39 Preisausschreiben der Julius-Höxter-Stiftung Gemäß Absatz 7 der Bestimmungen der Julius-Höxter- Stiftung schlägt der Wissenschaftliche Ausschuß der Stiftung folgendes Thema zur Bearbeitung vor: - Welche Verbindungen lassen sich zwischen jüdischer und allgemeiner Geschichte herstellen? . Die Arbeit, die einseitig mit der Maschine zu schreiben und mit einem Kennwort zu versehen ist, muß dem Vorsitzenden des W.A. Dr. Siegfried Braun, Köln, Lützowstr. 39, eingereicht werden. Letzter Ablieferungstermin ist der 31. März 1936. Ein Briefumschlag, der die Anschrift des Verfassers utn- , schließt, und der als Aufschrift lediglich das 'Kennwort der Arbeit trägt, ist beizufügen. 1 Es bleibt allen, die sich an dem Preisausschreiben zu beteiligen wünschen, überlassen, auch andre Themen zu bearbeiten und einzureichen. Einsendungen, die den hier angegebenen Vorschriften nicht entsprechen, werden vom W.A. nicht geprüft werden. 1. A.: Braun. Die Zeit und die Schule S. B. Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben die Juden Deutschlands Abschied nehmen heißen von einer Daseinsform, die sie mehr als ein Jahrhundert leben durften, die ihnen zur „freundlichen Gewohnheit" geworden war, weil alles Glück der Erde in ihr beschlossen schien, und von der sie jetzt doch nur mit Goethe sprechen dürfen: „Du bist nur Bild, Erinnrungstraum des Glücks, das ich so lang besessen; wo hat dich das Geschick nun hingeführt?" Noch stehen wir unter dem Eindruck der Geschehnisse; noch vermögen wir in keiner Weise zu ermessen, was das Schicksal mit uns vor hat. Wir übersehen nicht die Wege, die unsere Gemeinschaft hinfort wird gehen müssen, weil graues Gewölk über ihnen lagert und uns hindert, einen klaren Kurs zu nehmen. Dennoch beherrscht uns der Gedanke, es werde von diesem Rosch haschana ab eine über das Ganze unserer Lebensentfaltung hin sich erstreckende Umwandlung erfolgen, von deren Größe wir nur eine vage Vorstellung haben können. Es sind nicht nur die unmeßbaren seelischen Erschütterungen eines jeden einzelnen von uns, die diese Umwandlung hervorrufen, sondern auch die in Maß und Zahl zu bannenden Oberflächenbewegungen, die verursacht werden von einem Ordnungsprinzip, das eine Gewalt von außen her an uns herangetragen hat, auf daß wir uns schichten und scheiden. Unsere Gemeinschaft durchlebt - derlei im Bezirk der Gesellschaftsorganisation manifest werdende, aber in die Tiefen der Volksseele hineinreichende Prozesse nicht zum ersten Male, Dennoch ist es ein Neues, vor . das wir hingestellt sind, ein in seiner Wucht und Folgerichtigkeit und in seiner Verknüpfung mit dem unerhört präzise arbeitenden technischen Apparat unserer. Tage einzigartiges Phänomen, dem gegenüber jede Vergleichsmöglichkeit fehlt. Es ist auch nicht äussagbar, mit welcher Haltung die jüdischen Menschen im Fortgang der Entwicklung auf die Geschehnisse reagieren werden. Blickt man zurück in die letzte Vergangenheit, so spürt man etwas von dem Wunder der Struktur der Seele, die ihren Träger standhaft bleiben heißt in jedem Sturm, und die ihm die Kraft verleiht, stets einen Ausweg zu finden aus dem Niederbruch. So ergibt sich der trostreiche Aspekt, es werde auch weiterhin unsere jüdische Gemeinschaft zu innerst ungebrochen bleiben, wie immer auch die Schwere des Schicksals den Einzelnen treffen möge. * Die Bemühungen der Juden in Deutschland, die Stunde zu meistern, haben sich nach zwei Richtungen hin erstreckt. Da der Existenzraum sich stark verengt hat. trat ganz von selbst die Frage der Aus wander ungsmöglichkeit e n in den Vordergrund des Interesses. Sie konnte aus einer Reihe von Gründen nicht so beantwortet werden, daß eine völlige Lösung des Siedelungsproblems möglich gewesen wäre. Deshalb trat neben sie. die andre nach den Aussichten der Daseinssicherung - in Deutschland. Es ergab sich in der Verschlingung der Verhältnisse, daß beide Fragen nicht wie sonst zu Zeiten zur Bildung besonders leidenschaftlich miteinander kämpfender Gruppen innerhalb der Judenheit führten. Denn alle Glieder der Gemeinschaft fanden sich den Tendenzen verhaftet, die der Situation naturnotwendig mitgegeben waren; es mußte sich eine spürbare Einebnung der alten Gegensätze ergeben, eine Beruhigung der Gemüter, sofern es sich um die Austragung innerjüdisch weltanschaulicher Kämpfe handelte. Ohne Zweifel bedeutet dieses Abebben der Kampfstimmung eine Stärkung der Gesamtheit, die nunmehr in der Lage ist, in weitgehender Geschlossenheit dem Ganzen zu dienen. Ist so ein Auftrieb von Kraftströmen von innen her erfolgt, so darf doch nicht übersehen werden, daß der Anstoß von Instanzen herrührt, denen wir Juden als Objekte gegenüberstehen. Die vielfältigen Maßnahmen, die unserer Gemeinschaft galten, haben in raschem Fortgang einen Prozeß eingeleitet und weitergeführt, der nichts weniger bedeutet als eine räumliche und psychische Zusammenschweißung aller jüdischen Menschen in Deutschland. Im Fortgang dieses soziologisch außerordentlich bedeutsamen Geschehens, das die Lebenden bisher nicht erfahren haben, das ihnen lediglich vertraut ist, wenn sie die jüdische Geschichte kennen, werden auf allen Gebieten Erscheinungen heranreifen, deren Beschaffenheit wir noch gar nicht angeben können, die aber sicher den Typus des deutschen Juden stark verändern werden. * Sehen wir von der rein Ökonomischen Seite ab, die heute so unendlich schwere Sorgen auf uns gelegt hat, so ist es die Frage der jüdischen Schule und der Erziehung d e r 3 ü d i s c h e n J u g e n ddie im Mittelpunkt aller Arbeit . steht. Wenn eines uns tröstlich erscheinen darf in der Ungewißheit, die. vor unserer Zukunft lagert, so ist es die Tatsache, daß der Kampf: für und gegen die jüdische Schule be-

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