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Jüdische Schulzeitung · 1935-08-01 · 8 (1.8.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
11 (1935)
Issue
8 (1.8.1935)
Date
1935-08-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin G 25, Kaiserstraße 29) Die „Jüdische Schulzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats. Postbezugspreis: 0.45 pro Quartal. Mannheim, den i. August 1935 Druck und Verlag: Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Hauptschriftletter: Dr. S ie g f r ied Br ann Köln, Lütjowsttaße 39 Vom Schulwerk der Berliner Gemeinde Das Berliner Gemeindeblatt vom 26. Mai brachte unter der Ueberschrift „Gemeindearbeit zweier Jahre" den Anfang eines Rechenschaftsberichtes, aus dem wir die Darlegungen veröffentlichen möchten, die sich mit dem Sc h u 1 w e r k der Gemeinde befassen. Diese oratio pro domo will die Angriffe parieren, die gegenwärtig mit Leidenschaft gegen die Gemeindegremien vorgetragen werden. Wir fühlen uns nicht legitimiert, in diesen Streit einzugreifen, doch darf es uns nicht verwehrt sein, ein Wort der Kritik zur Schulpolitik der Gemeinde aus früherer Zeit zu sagen. Die Berichterstatterin weist darauf hin, daß Anfang 1933 außer den beiden Mittelschulen noch drei gemeindeeigene Volksschulen bestanden hätten. Sie fährt danntfort: „Es "versteht sich von selbst, daß in diesen Schulen nur^ein; verhältnismäßig kleiner Teil der jüdischen Jugend-erfaßt werden konnte. Wenn dieser Umstand heute den Gemeindebehörden vielfach zum Vorwurf gemacht wird, so verkennt man die innere Lage des deutschen Judentums, wie sie vor den Ereignissen der letzten Jahre bestand. Der Aufbau jüdischer Schulen — das weiß man heute — hätte der in der damaligen Zeit liegenden Abkehr von jüdischen Gehalten nicht entgegengewirkt, er wäre Verwaltungsakt geblieben, ohne innere Resonanz bei den Gemeindemitgliedern zu finden. Und die Entwicklung der Verhältnisse seit 1933 war damals nicht voraussehbar." Wir sind der Meinung, dieser nachträglich erfolgend© Rechtfertigkeitsversuch gehe von irrigen Voraussetzungen aus. Es gab gewiß weite Kreise der jüdischen Bevölkerung, die Gegner der jüdischen Schule waren. Auf der andern Seite aber hätten viele Eltern von Herzen gern ihre Kinder in jüdische Schulen geschickt, wenn sie dagewesen wären. Selbst mancher von denen, die grundsätzlich für die allgemeine Schule waren, hätte gewiß von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, sein Kind einer. Gemeindeschule zuzuführen. Dazu aber kommt noch ein Besonderes. Es war damals den Großgemeinden und mancher Mittel- und Kleingemeinde die Chance gegeben, in ihrem Schöße Schulen zu beherbergen, die vom Staate eingerichtet und unterhalten wurden. Nur verhältnismäßig wenige Großgemeinden — unter ihnen in erster Linie Köln mit seiner von mehr als 900 Kindern besuchten städtischen jüdischen Volksschule — wußten diese Chance zu nutzen. Auch leider die Gemeinde Berlin nicht. Es bedarf keiner großen Rechenfertigkeit, zu überschlagen, wieviel jüdische Kinder in der Reichshauptstadt von vom Staate angestellten und besoldeten Lehrkräften betreut hätten werden können, wenn die Gemeindeverwaltung eine andre Schulpolitik getrieben hätte. — In dem Bericht ist von der Einheits¬ und, von der Richtungsschule die Rede. Es ist schade, daß die Leser außerhalb Berlins nicht etwas Näheres über den Charakter dieser Richtungsschulen erfahren. In dem Aufsatz „Was not tut" in der letzten Ausgabe der Jüdischen Schulzeitung versuchte deren Schriftleiter,1 einen Ausschnitt aus den Forderungen zu umreißen, die'heute'an die jüdische Schule gestellt werden müssend Die"^GemeirMeverw^tung Berlind macht sich, so geht es-aus dem Bericht hervor, seine Auffassung weitgehend zu eigen. Nach welchen Grundsätzen die sogenannten Richtungsschulen in dieser durchaus eindeutig gerichteten Zeit den Unterricht und die Erziehung in jüdischen Schulen gestalten wollen, ohne mit den Intentionen der Einheitsschule übereinzustimmen, das sich vorzustellen macht Schwierigkeiten. Vielleicht geben diese Zeilen Veranlassung dazu, daß sich einer der Wissenden aus dem Bereich der Richtungsschulen einmal in diesen Blättern äußert. Wir lassen nunmehr das Berliner Gemeind'eblatt selber sprechen: Neben der Pflege des Gottesdienstes stellt der Unterricht eine der ursprünglichsten Gemeindeaufgaben dar. R eligionsunterricht wird an 36 Religionsschulen erteilt, " welche von rund 2500 Schülern besucht werden. Ferner erteilt die Gemeinde durch eigene Lehrkräfte an rund 2300 Schüler . höherer Lehranstalten Religionsunterricht. Das Profanschulwesen der Gemeinde geht in seinen Anfängen auf das 18. Jahrhundert zurück. Außer der Knabenmittelschule, die an die Stelle der 1778 unter dem Einflüsse Moses Mendelssohns gegründeten „Freischule" trat, und der Mädchenmittelschule (beide haben den Charakter öffentlicher Schulen erhalten und sind seit einigen Jahren zu einer Anstalt vereinigt) bestanden 1933 noch drei gemeindeeigene Volksschulen ... Auf der Grundlage dessen, was in der Vergangenheit entstanden war, konnten wir in der neuen Situation weiterbauen. Für die Gemeinde entstand jetzt die Aufgabe, ein Schulwerk auszubauen, das nicht lediglich Auffangvorrichtung für jüdische Schüler, nicht jüdisch nur dem Namen nach war; sondern die Schule unserer Gemeinde sollte zu vollbewußten Juden erziehen und zu Menschen, die sich in ihrer Umwelt bewähren und vor den Forderungen! des Lebens bestehen können. Die Lehrplangestaltung hatte daher von Anfang an neben der Darbietung jüdischen Wissensgutes (unter besonderer Berücksichtigung der Gegenwartskunde, Palästinas u. dgl.) das allgemeine deutsche und europäische Kulturgut im Rahmen der staatlichen Lehrpläne zu pflegen. Der gesamte Lehrstoff war jüdisch zu durchdringen. Beides, Schaffung und Vermehrung der jüdischen Substanz und Bewahrung der in anderthalb Jahrhunderten den deutschen Juden züteilgewordenen deutschen und europäischen Bildungswerte ist in den Richtlinien für die jüdische Schule, die die Reichsvertretung der deutschen Juden im Frühjahr 1934 auf Grund des Lehrplanes der deutschen Volksschule herausgegeben hat, zu einer lebensvollen Einheit zusammengeschlossen. Den Aufbau und Ausbau dieses neuen jüdischen Schulwerks haben wir, als die Zeitumstände das zur Aufgabe machten, mit allem Nachdruck in Angriff genommen. Noch im Winter 1932/33 besuchten weniger als 2000 Kinder die damals bestehenden jüdischen Schulen der Gemeinde. Im Jahre 1933/34 wurde eine neue, im Westen liegende Volksschule begründet, die alten Schulen wurden ausgebaut, so daß sich die Zahl der Schulklassen gegenüber dem Stande vor Ostern 1933 um insgesamt 59 vermehrt hat. In den vier Volksschulen der Ge^ meinde sind jetzt rund 3300 Kinder eingeschult, das ist fasfe

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