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Jüdische Schulzeitung · 1935-04-01 · 4 (1.4.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
11 (1935)
Issue
4 (1.4.1935)
Date
1935-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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11. lahrgang Nummer 4 üdische Schülzeitung Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, Kaiserstraße 29) Die „Jüdische Schülzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats Postbezugspreis'. 0.45 pro Quartal. Mannheim, den i. April 1935 Druck und Verlag: Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Hauptschriftleiter: Dr.SiegfriedBraun Köln, Lüt$owstr<tße 39 Tagung des Preußischen Landesverbandes Am 10. März 1935 trat der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden nach einer Pause von etwa 3/4 Jahren in Berlin zu einer Sitzung zusammen. Der Präsident, Kammergerichtsrat i. R. Leo Wolff, teilte mit, daß Landesverbände der an Preußen angrenzenden deutschen Länder sich dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden angeschlossen haben. Er begrüßte erstmalig Rabbiner Dr. de Haas (Oldenburg) und Herrn Vollmann (Meiningen), ferner die Herren Dt. Isserlin und Rabbiner Dr. Rothschild (Saarbrücken) als Vertreter der saarländischen Gemeinden- Rabbiner Dr. Galliner berichtete ausführlich über Schaffung neuer Bezirksrabbinate, Lehrerbildung und Lehrerfortbildung, Rechtsanwalt Dr. Klee über die Betreuung von Kleingemeinden. In der Debatte wurde vor allem die Frage behandelt, ob bei der beständigen Bevölkerungsabnahme der deutschen Juden eine weitere Ausbildung von Lehrern verantwortet werden könne, da vorliegende Statistiken bereits jetzt einen Ueberschuß an jüdischen Lehrkräften erkennen lassen. Von der übergroßen Mehrheit der Versammlung wurde aber der Standpunkt vertreten, daß bei der jetzt und zukünftig zu vollbringenden jüdischen Lehrertätigkeit gerade Menschen aus der heutigen Jugendgeneration nicht fehlen dürften. Die Berücksichtigung der Statistik könne wohl zu einer Einschränkung der Lehrerausbildung führen, nicht aber zu ihrer völligen Einstellung. Im Mittelpunkt der Ratstagung stand die Durchberatung und Verabschiedung des vom Dezernentenkollegium vorgelegten Haushaltsplanes für das Geschäftsjahr 1935/36. Der Etat sieht für die Betreuung der Gemeinden und ihrer Beamten einen Betrag von 365 000 RM vor; für Kulturarbeit sind insgesamt 123 000 RM ausgeworfen. Der Finanzdezernent, Dipl.- Ing. Bruno Woyda, betonte einleitend, daß es dem Landesverband im vergangenen Jahre durch Anspannung aller Kräfte gelungen sei, trotz Fortfall der in früheren Jahren erhaltenen Staatsbeihilfen seine Aufgaben durchzuführen. Es könne aber nicht verkannt werden, daß in Zukunft eine Einschränkung eintreten müsse, und da diese sich auf lebenswichtige wirtschaftliche oder geistige Gebiete nicht erstrecken dürfe, so sei vor allen Dingen eine zweckmäßige Um Organisation der großen jüdischen Körperschaften und zum Teil auch der Gemeinden notwendig. Es stehe fest, daß die deutsche Judenheit zahlenmäßig auf den Stand von 1890 zurückgegangen sei; wenn unter diesen Umständen alle in den letzten Jahrzehnten und Jahren entstandenen .Organisationen unverändert fortbestehen, so bedeutet das, daß die deutsche Judenheit ein Kleid trägt, das ihrem heutigen Umfange nicht mehr entspricht. Es müsse deshalb neben die Einschränkung aller Verwaltungen auch eine wirtschaftliche Planung des gesamten Gemeindelebens treten, als deren Vorarbeiten die überall .vorzunehmenden Revisionen anzusehen seien. Der Haushaltsplan wurde von. der Rats Versammlung eh bloc angenommen;. Demgemäß wurden die Beiträge der Ge- „meinden• für das-Geschäftsjahr 1935/36 wie folgt festgesetzt: für den Landesverband 1,25% der Reichseinkommensteuer bzw. 3% der Reichsvermögensteuer, ferner für Reichszwecke 2 RM pro Kopf der jüdischen Bevölkerung. Das Dezernentenkollegium wurde einstimmig ermächtigt, wie im Vorjahre auch für das Geschäftsjahr 1935/36 von einer Vorlage des Haushaltsplanes an den Verbandstag abzusehen und den Verbandstag nur dann einzuberufen, wenn besondere Verhältnisse dies notwendig erscheinen lassen. Was beim Uebersetzen verloren geht Von Isaak Heinemann-ßresiau1) Die Einsicht in die Bedeutung des Hebräischen für der, Jugendunterricht ist heute allgemein. Auch eine Schule unter liberaler Leitung, wie das Philanthropin in Frankfurt am Main, legt großes Gewicht auf die Pflege der Bibelsprache wie des Hebräischen der Gegenwart, wie die „Pädagogische Woche" bewies. Immerhin sind die Gegenstimmen noch nicht ganz verstummt. Ein Aufsatz in der Jüdischen Schulzeitung vom 1. Oktober 1934 bezieht sich auf das Wort S. Maybaums, daß „die Aneignung der ethischen und religiösen Weltanschauung der Bibel in jeder Sprache erfolgen kann." Zum Beweis für diese — in der vorigen Generation nur zu verbreitete — Anschauung berief man sich auf den jüdischen Hellenismus vor 2000 Jahren. Die damaligen Juden lasen die Bibel in griechischer Uebersetzung, der sog. Septuaginta. Und doch hielten sie tre'i am Judentum fest und wußten sogar für es zu werben- Also, sagte man, kann man ein sehr guter Jude sein, ohne Hebräisch zu verstehen. Nun haben allerdings die hellenistischen Juden, zum großen Teile wenigstens, eine der Sprachen des Judentums verstanden und gesprochen: die wortlose Sprache jüdischer Gesetze. Sie hielten fast sämtlich den Sabbat und die biblischen Speisegesetze. Und diese wortlose Sprache, zumal ^die Begehung der Feste, vermittelte ihnen manches vom Gehalt des Judentums. Wieviel ihnen aber dadurch verloren ging, daß sie die Worte der Bibel nicht mehr kannten, läßt sich leicht erkennen. Im Mittelpunkte des Judentums steht nach unserer Auffassung — seit Hillel — das Gebot der „Nächstenliebe"2), wie wir es meist ausdrücken. Philon, der alexandrinische Philosoph, war ein begeisterter Verkünder der Humanität; er hat ihr sogar eine besondere Schrift gewidmet und den humanen Charakter des Thoragesetzes nachzuweisen gesucht. Aber auf jenen biblischen Vers beruft er sich weder in dieser Schrift noch in einer anderen. Wie kam das? Ganz einfach daher, daß x) In .ähnlicher Form auch erschienen in der Festschrift zum 50jährigen Bestehen der Lessingloge in Breslau. 2) Zum folgenden vgl. meinen Aufsatz „Die Liebe zum Nächsten", Israelitisches Familienblatt vom 27. April 1933, S. 9.

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