Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 2 (1.2.1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ILlahrgang -Nummer 2 Jüdische Schulzeitung Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, Kaiserstraße 29) Die „Jüdische Schulzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats Posthezugspreis: 0.45 pro Quartal. Mannheim, den i. Februar 1935 Druck und Verlagt Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Schriftleitung: Dr.SiegfriedBraun Köln, Lüfcowstraße 39 Die jüdische Presse hat im allgemeinen wenig besagende Berichte über die Berliner Tagung unseres Verbandes gebracht. Wir möchten deshalb mit der Herausgabe der Februarnummer unseres Blattes nicht bis zum letztmöglichen Termin warten. Sie bringt nicht nur einen ausführlichen Bericht über die Verbandstagung, sondern auch eine Reihe andrer Sitzungsprotokolle. Mehrere Artikel, die ihrer Natur und ihrer Bedeutung entsprechend in der Februarausgabe hätten erscheinen sollen, müssen so zurückgestellt werden. Die Schriftleitung. Von der Arbeit im Verband und in den Vereinen S. B. In dieser Nummer unserer Schulzeitung wird — entgegen der Gepflogenheit im letzten Jahre — einmal wieder ausführlich über Lehrerversammlungen berichtet. Es geschieht ohne Präjudiz und nur deshalb, weil die Leserschaft einen Einblick erhalten soll in die Art und Weise, in der die Lehrerorganisatiohen auf die Geschehnisse der Zeit reagieren und ihrer in praktischer Arbeit Herr zu werden gedenken. Immer noch wie früher wird das Schwergewicht der Tagungen auf das Geistige gelegt, aber auch das Materielle nicht hintangestellt. Gewandelt nur haben sich die Voraussetzungen, von denen her sonst zu Zeiten den Problemen zu Leibe gerückt wurde. Niemals waren die allgemeinen und innerjüdischen Verhältnisse der jüdischen Schule und der jüdischen Erziehung günstiger als heute; nie auch war uns Lehrern das Feld unserer Berufsarbeit so wohl bereitet wie in diesem Augenblick. Und dennoch scheint es zuweilen, als ob sich Kräfte hemmend in den Weg stellten, die aus dem schier undurchdringlichen Dickicht menschlicher Unzulänglichkeiten herandrängen und vermeidbare Erschwernisse hervorrufen- Niemand hat es seinerzeit mehr begrüßt als wir Lehrer, daß an die Spitze der deutschen Judenheit weitblickende und tatfreudige Männer gestellt wurden, die gesonnen waren, die völlig neuartige und schwierige Situation zu meistern, in die hinein wir plötzlich gestellt worden waren. Umsomehr muß es bedauert werden, daß von jenen Spitzengremien der Weg zu unserm Verband nicht gehnden wird, wenn es sich um die Bewältigung von Problemen handelt, die den Lehrerstand und die Schule angehen. Die Fragen der.Lehrerbildung und -fortbildung, der äußern und innern Ausgestaltung unserer Schulen, der Lehr- und Lernmittel können nicht zweckentsprechend gelöst werden ohne die Mithilfe der Lehrerschaft, und es heißt eine verhängnisvolle Politik treiben, wenn man sie geflissentlich ausschaltet. Es erübrigt sich, hier deutlicher zu werden; wer die weiter unten stehenden Berichte liest, wird wissen, welche Sachverhalte gemeint sind. Es:'besteht innerhalb der gesamten Lehrerschaft der dringende Wunsch nach einer grundlegenden Aenderung der Methoden höherer jüdischer Stellen. Dieser Wunsch regt sich nicht etwa aus Motiven, die aus dem Bezirk des Geltungstriebes herrühren, sondern aus der Sorge um die Zukunft jüdischer Bildungsarbeit und jüdischer Existenz überhaupt. — Die Berichte orientieren auch über die Stimmung innerhalb der Lehrerschaft, die hervorgerufen wird durch die Art der Anstellung, der Besoldung und der Sicherung, wie sie vielerorts neuerdings beliebt wird. Es bedarf nicht der Feststellung, daß die jüdischen Beamten nicht blind sind gegenüber der finanziellen Notlage unserer Gemeinden. Sie wissen es sehr wohl, welch ungeahnte Anforderungen an diejenigen gestellt werden, die die Lasten zu tragen haben; sie wissen es auch, daß sie selber Opfer bringen müssen und auf manche Errungenschaft zu verzichten gezwungen sind, um die sie und frühere Generationen zäh und lange gekämpft haben. Absurd wäre es, glaubten sie etwa, angesichts der katastrophalen materteilen Lage und wirtschaftlichen Unsicherheit' weitester Bevölkerungskreise Forderungen vertreten zu müssen, die — vielleicht — nach Dezennien erst einmal wieder erfüllt werden können. Und dennoch darf es. nicht verschwiegen werden, daß es manche Gemeinde gibt, die ihre Pflicht nicht so erfüllt, wie es ihrer Kraft entspräche. Es ist in den verflossenen Monaten mancher Notruf an uns gekommen, und mehr als einmal waren wir versucht, anklagend an die Oeffentlichkeit zu treten. Wir haben es aus begreiflichen Gründen unterlassen, und wir wollen auch heute Zurückhaltung üben und es uns versagen, Einzelheiten aufzuführen. Hinweisen aber möchten wir mit allem Nachdruck auf dve Mißstände, die mancherorts Platz gegriffen!»:•■ ben, und zugleich die maßgeblichen Instanzen ermahnen, der vornehmsten Aufgabe, die ihnen zugeteilt ist, der Erhaltung und Förderung > h r e r Schule und aller andern Gemeindeeinrichtungon nach Maßgabe der ihnen zur Verfügung stehenden Kraft zu dienen. — Läßt man die verschiedenen Verhandlungsberichte auf sich wirken und vergegenwärtigt man sich noch einmal rückschauend die Eindrücke, die die Sitzungen selber hinterlassen haben, so darf mit Genugtuung festgestellt werden, daß die Lehrerschaft innerlich stark geblieben und ungebrochenen Mutes an die mannigfachen neuartigen Aufgaben heranzugehen gewillt ist. Die Entschließungen, die nach eingehender Aussprache gefaßt wurden, werden nicht auf dem Papier stehen bleiben; es wird versucht werden, Folgerungen aus ihnen zu ziehen und die Ziele zu erreichen, die in ihnen aufgestellt wurden. Der Verband selber und seine Unterglieder haben sich keineswegs als überflüssige Reste entschwundener Zeiten erwiesen. Ihr Dasein ist notwendiger als je, und wenn auch die Form der Arbeit nicht unbeeinflußt bleiben konnte durch den Charakter Zur Beachtung! Alle Zuschriften, die die Preußische Hilfskasse angehen, sind an Kollegen Silberberg, Berlin-Zehlendorf, Les- - singstraße 23, zu richten.