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Jüdische Schulzeitung · 1935-01-02 · 1 (2.1.1935) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
11 (1935)
Issue
1 (2.1.1935)
Date
1935-01-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Jüdische Schulzeitung 11. Jahrgang 25. November, vormittags in der Aula des Philanthropins. Der schöne Festsaal ist dicht gefüllt. Oberstudiendirektor Dr. Driesen leitet die Arbeit ein. Ernst und mahnend sind seine Worte von „Kraft, Zucht und Tiefe". Bildungsideale jüdischer Jugend, die „Kinder sind von Simson, David, Bar Kochba und Juda Makkabi und weiter leben werden." In diesem Saal feierlicher Ueberlieferung erfaßt uns der echte Sinn für Tradition, die sich nicht damit begnügt, daß irgendwann ein Wert lebendig in der Welt stand, und daß man ihn verehrt, sondern, daß man sich an diesem Erleben die Kraft zur Gegenwartsgestaltung holen kann. — Mein Blick geht zu dem Bild des Gründers dieser Schule, Geisenheimer, der einst in jugendlicher Begeisterung, im echt Pestalozzischen Geist, diese Schule für arme Kinder gründete. — Und nun stehen im Raum die Worte von Justizrat Dr. Blau: „Jüdisches Frankfurt in Not, weite Hände und Herzen, lasse dich leiten von dem nicht zu brechenden Willen, dich trotz allem zu erhalten. Harre aus, um den Geist zu erhalten, ist die Forderung auch weiterhin." — Ein Band schlingt sich um den, der diese Worte prägte, und jenen jungen Gründer. Im Namen der Reichsvertretung ruft Ministerialrat a- D. Dr. Hirsch den Versammelten als Losungswort für die „Pädagogische Woche" das Goethesche „Sinn auf" zu. Chorgesang beschließt die Feier: „Wir halten, wir tragen im Wandel der Zeiten das Erbe der Väter, das ewige Gut. Wir schöpfen aus Glauben, aus Leiden und Streiten, die dauernde Jugend, den schaffenden Mut Anschließend folgt ein Referat von Dr. Siegmund Hirsch: Der Geist des Philanthropins im Lichte der Schriften seiner Lehrer. Ein gemeinsamer Imbiß vereinigt uns. Mit dem schönen jüdischen Wunsch „Gut. Woch" läßt uns Professor Weil die Nachmittagsarbeit beginnen. Dringende Fragen in der jüdischen Lehrerschaft werden besprochen. — Der Tag klingt aus im Kunstabend: Jüdisches Erleben im deutschen Kulturkreis. (Frank-Rothschild.) Die Tage, die nun folgen, sind geboren aus der Gesamtschau auf Sinn, Wesen und Aufgabe des deutsch-jüdischen Menschen. In der Form der gemeinschaftlichen Diskussion gehen wir vom Unterricht aus und suchen den Zusammenhang mit den brennenden jüdischen Fragen herzustellen. Das kommt schon zum Ausdruck in der Einteilung des Arbeitsplanes. 1- Tag: Deutschkunde. 2. Tag: Lebende Sprachen. * 3. Tag: Jüdische Bildung. 4. Tag: Erziehung zur Freude als sittliche Grundhaltung. 5. Tag: Natur und Wirtschaft. „Heimat, Glaube, Menschheit" sind das Leitmotiv für die folgenden Arbeitstage. 1. Tag. Besonders zeigt sich das Ringen jüdischer Menschen im deutschen Kulturkreis bei der Behandlung jüdischer Stoffe im Deutschunterricht. In der Diskussion, die sich der Lehrprobe: jüdische Stoffe im Deutschunterricht (Dr. Hans Epstein) — ein Herdersches Gedicht wird in Verbindung gebracht mit Midrasch und Bibel — anschließt, zeigte sich, daß es uns an geeigneten Lesestoffen fehlt und es wünschenswert wäre, von einer zentralen Stelle aus, Leseproben herauszugeben, an deren Schaffung alle Kollegen mitarbeiten müssen. Eine Forderung, die besonders stark von Rektor Dr- Stern, Berlin, betont wird. Im Anschluß an das Referat Maurer: Kind und Kunst, legt Kollege Reis die erzieherische und praktische Bedeutung des an der Schule eingeführten Werkunterrichts für die jüdische Jugend dar. Die Linie setzt sich fort: synagogale Motive in der Musik (F r a n k - R o t h s c h i 1 d) und gipfelt am Abend in einem wundervollen Lichtbildervortrag (Dr. G a 11 i n e r), in dem gezeigt wird, wie jüdische Stoffe von Künstlern durch Jahrhunderte gestaltet wurden (Höhepunkt: Analyse Rembrandtscher Bilder) wie jüdische Menschen von ihrer Umwelt gesehen wurden, und wie andererseits jüdische Menschen ihre Umwelt und sich selber darstellend gestalten (Lesser Ury, Liebermann). Der zweite Tag, beginnend mit Hebräisch (Kollege Speyer, Dr. Neuhaus) zeigt, wie Sprachen lebendig nach 'verschieden möglichen Methoden unterrichtet werden können (Französisch, Englisch; Rothschild, Plaut). In der Nachmittagsdiskussion kommt klar zum Ausdruck, daß eine Einmütigkeit bezüglich der Forderung einer Intensivierung des Hebräischen und einer vollendeteren Ausbildung der Lehrkräfte, die den gesteigerten Anforderungen der Jetztzeit Rechnung trägt, in allen Kollegenkreisen besteht. Bildungsendziel wird veranschaulicht durch ein umfassendes Referat von Dr. Salomon: Abends hören wir ein groß angelegtes Referat (S e e 1 i g) zur Soziologie der Juden der Gegenwart, in dem versucht wird, jüdisches Wesen und jüdische Eigenart aus der Geschichte und aus der jeweiligen Lage der Juden zu erklären. Am 3. Tag, jüdische Bildung, sehen wir, wie man biblische Geschichte (Betty Schleifer), Palästinäkunde (S. Rothschild), religiöse Fragen (L e m 1 e), aktuelle Probleme des Judentums (Driesen) und wie man Chumasch (I. B. L'ev y) übersetzt 'und interpretiert- Abends bringt die Spielschar (Quartaner und Quintaner) ihr neues Spiel, den König Suul (Leitung Hans Epstein). 11- bis 13jährige Jungen haben sich das Spiel in fast einjähriger Arbeit im Deutsch- und Religionsunterricht selbst geschrieben. Man sieht hier, wie diese Jungen jüdische Geschichte erlebt und gestaltet haben. Der 4. Tag beginnt mit dem „freien" Gesamtunterricht (Driesen), der nach Berthold Otto, ausgehend von der Initiative des Kindes auf das Fragerecht der Kinder aufbaut, und in dem bezeichnenderweise von Schülern Fragen nach der „Pädagogischen Woche" gestellt werden. Es folgt das Referat Weil zur Psychologie der jugendlichen Aussage, in dem die Problematik der jugendlichen Aussage mit Mitteln der experimentellen und der geisteswissenschaftlichen Psychologie sehr instruktiv dargestellt wird, und in dem es deutlich wird, daß man zur Wahrhaftigkeit weniger durch Strafen als durch „Mutmachen" und „In die Gemeinschaft stellen" erzieht. In der Stunde der Jugendbünde berichten zwei Primaner über Gemeinschaft und Verschiedenheit der Jugendbünde. Nach zwei Referaten über Schulhygiene und soziale Schuljugendarbeit (Dr. Albert Hirsch, Dr. Tilli Epstein) wird der Vormittagsunterricht geschlossen durch turnerische und sportliche Vorführungen der Schülerschaft und des Sportvereins „Philanthropin" (mit anschließender Preisverteilung durch den Direktor). — Ein sehr gelungenes, gemütliches Beisammensein (Speyer, Bankdirektor Josef Meier), an dem die Gäste und viele frühere Schüler des Philanthropins teilnehmen, beschließt diesen Tag; es verstärkt den Konnex zwischen Frankfurter und auswärtigen Kollegen, denen sich endlich Gelegenheit bietet, frei von allen pädagogischen Sorgen, ein paar schöne Stunden miteinander zu verleben. Der letzte Tag bringt ein Referat mit Lichtbildern (B a - r o n): die rassische Gliederung der Juden, eine Stunde über die Chemie des Haushaltes (W e i 1), eine Arbeitsgemeinschaft über das Radio (Schaumberge r) und eine wirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft (Stern). Frohsinn und Arbeit waren es, die dieser Woche das Gepräge gaben und allen Teilnehmern die Ueberzeugung abgewannen, daß sie ein Erfolg war. Sechs Tage pädagogischer Arbeit gingen dahin- Sie waren getragen von dem Gedanken Heimat, Glaube, Menschheit. Studiendirektor Dr. Driesen schließt diesen Kreis, indem er auf feinsinnige Art die Embleme in den Fenstern der Aula (Flamme, Wappen, Schild Davids. Bienenkorb, Globus) deutet: Möge unsere Kraft, die in der Heimat wurzelt, sich entzünden an der heiligen Flamme der Ueberlieferung und mit Bienenfleiß Werte gestalten zum Segen der Menschheit. Dann kam der Abschied: Eine Freitagabendfeier (L e m 1 e), die Schülerschaft und Gäste noch einmal vereinigte-; sie; leitete den wohlverdienten Ruhetag ein.-

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