Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 12 (1.12.1934)
- Date
- 1934-12-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite b Jüdische Schulzeitung Nummer \T von epischer Größe und köstlicher Poesie." So schreibt Aime Palliere in seinem Bekenntnisbuch über sein Kindheits-Erleben der großen Bilderbibel. Epische Größe und köstliche Poesie der Bibel; — man hat sie in Büchern den jüngeren Kindern vorenthalten, so klar und übersichtlich auch viele der Schulwerke waren. Es soll hier nicht die Frage aufgeworfen werden, ob man das Buch des Buches überhaupt in eine kindgemäße. Uebertragung bringen^ ob man nicht alles dem lebendigen "Wort des Lehrers, der Mutter, überlassen soll. Aber — wir müssen uns wohl damit abfinden: manches Kind käme zu kurz dabei/Genug: hier ist eine biblische Geschichte, hier ist ein Geschichtenfouch, das Buch eines Mannes, der hirceinzuhorchen verstand in das Kind, der seine Ausdrucksweise, die kurzen und doch meist so prägnanten Bildungen des Kindes ablauschte und sie mit sicherer Feder seinem großen Stoffe anzupassen wußte. Keine Zeit wäre besser geeignet, dies Buch zu schenken als die heutige. Menschen, die ganz abseits standen, Mütter, denen die Tradition, die Ueberlieferung Israels eine fremde Welt erschien, sie lernen in Kursen, sie lesen Bibel und biblische Geschichten. Sie lernen um ihrer selbst, um ihrer Kinder, unsrer Zukunft willen. Und gerade diesen mag neben den Kindern dies Buch ein Geschenk sein. Einfach die Sprache und doch so klar motivierend: „Esau war wenige Minuten älter als Jakob und hatte deshalb das Recht der Erstgeburt". Gut gewählt die Dialogform, die die Vorgänge beiih Betrug Isaaks so Verlebendigt; wunderbar schön die Stimmungsbilder in der Josephsgeschichte. Es greift den Kindern, die doch in ihrer Mehrzahl die Tiere lieben, fast ans Herz, wenn es von der zu Unrecht geschlagenen Eselin heißt: „Sie trabte traurig weiter". ASber da ist auch Schatten. Es heißt: „Eines Tages wurde Potiphar plötzlich nach Haus gerufen. Seine Frau stand da, weinte und schrie. Sie hielt Josephs' Mantel in ihrer Hand: „Siehst du," rief sie, „ich habe dir immer gesagt, du lobst Joseph zu sehr., und du vertraust ihm zu viel. In Wirklichkeit aber ist Joseph ein Dieb. Hier in. dieses Zimmer wollte er gehen, um aus dem Schrank die Schmucksachen zu stehlen. Ich aber habe ihn am Aermel festgehalten. Da ist er geflohen und hat seinen Mantel hier gelassen." — „Von dieser ganzen Erzählung war nichts wahr." So weit das Buch. Und siehe da, von dieser ganzen Erzählung war wirklich nichts wahr. Es ist dem Pädagogen unverständlich, daß ein Pädagoge und Lehrer hier das Wort der Bibel verändert, da es sich doch so leicht in der richtigen Weise geben läßt — die heikein Diinge zu umgehen, liegt doch unserm Jahrhundert nicht mehr. Und doch wäre die völlige U e b e r gehung besser als die Abänderung der Darstellung der Bibelereignisse. Den 9- und 10jährigen wird vielfach schon die unausgewählte hebräische Bibel in die Hand gegeben. Sollen sie dem Erzähler, dem Vorleser, dem Buche selbst Vorwürfe machen? Hoffen wir auf die zweite Auflage des im übrigen so schönen Buches, dem die plastischen Bildb'eigaben, der farbige Einband und die einfache, reliefähnliche Karte ei;n kleidsames Gewand geben. Cilli Marx. Almanach des Schocken-Verlags auf das Jahr 5695. Preis 60 Pfennig. Dieses wunderschöne Büchlein wird sich wie der Almanach vom vergangenen Jahr viele Freunde erwerben. Es bringt in prächtiger Ausstattung Perlen jüdischen Schrifttums — diesen Begriff im weitesten Sinne genommen — aus drei Jahrtausenden. Von der Bibel über Philo, Jehuda Halevy, Maimonides bis hin zu den uns vertrauten jüdischen Autoren unserer Zeit erstreckt sich die kostbare literarische Gabe. Besondere Freude wird der Freund altjüdischer Buchkunst an der Wiedergabe einiger Seiten eines deutschjüdischen Werkchens aus den Jahren 1534/36 haben. Ein eingehendes Verzeichnis der Buchproduktion des Schockenverlags beschließt den Almanach. Er sollte in keinem jüdischen Hause fehlen. Ludwig Strauß: Botschaft. Schocken-Verlag, Berlin. 1.25 RM. Ludwig Strauß, dessen prächtige Novelle „Der Reiter" seinerzeit in diesen Blättern besprochen wurde, erzählt uns zwölf Geschichten erlesener Art. In einer edlen urkräftig gefügten Sprache voller Plastik und Schönheit läßt der Autor Menschenschicksale lebendig werden, und gibt dem Leser Botschaft von Vorgängen in der Tiefe der Seele, in einer eindringlichen Weise, wie sie nur dem Künstler zu eigen ist. Jede der zwölf Erzählungen ist ein Meisterwerk psychologischer Feinarbeit. — Das Buch Agnons, das bereits iL der Sonderausgabe besprochen war, sowohl als auch das von Str ..iß eignen sich hervorragend zur Klassenlektüre, das letzte allerdings nur für reifere Schüler. * - Hugo Herrmann: Palästinakunde, II. Teil. Fiba- Verlag, Wien. Dem ersten Teil, der sich mit der Geographie Palästinas befaßte, folgt jetzt als Doppellieferung die Bürgerkunde des Landes. Wer über die Zusammensetzung der Bevölkerung, über das geltende Recht, die Verwaltung und Wirtschaft und schließlich über die Altertümer und den Fremdenverkehr unterrichtet sein will, der vertraue sich Hugo Herrmann an. Viele Tabellen und Uebersichten zeichnen auch diesen Teil des¬ Werkes aus. Allerdings teilt das Buch mit allen derartigen, Publikationen das Schicksal, in vielen Angaben, Gestriges zu berichten, weil keine Möglichkeit besteht, dem raschen Tempo der Entwicklung des Aufbauwerkes auf längere Sicht hin gültigen Ausdruck zu geben. Alfred Kupferberg: Deutsche Juden im jüdischen Land* Palästinaberichte eines jüdischen Journalisten!. Hamburg. M. Leßmann Verlag. 1934. Wenn ein Journalist Berichte über ein Land schreibt, so kommt er nicht vorgefaßter Meinung, er sieht nichts in di-- Dinge hinein, er gibt uns ein Bild, ein wahrhaftes Bild dessen, was ist. Diesen Eindruck hat man auf jeder Seite dieses interessanten Buches, es ist ein treues Abbild des wirklichen wahren Palästina- Kupferberg ist ein gewissenhafter, fleißiger Journalist. In den drei Wochen seines Aufenthaltes in Palästina hat er das Land in allen Richtungen durchquert; er ist hingefahren, um das Schicksal seiner Brüder aus Deutschland zu studieren, aber alle Probleme in diesem Lande, jede Schwierigkeit, alle Großtaten, die Schönheit des Landes und seine ungeahnte Entwicklung, alles, was das Land dem aufmerksamen wissenden Beobachter darbietet, das . kam ihm zu Bewußtsein und fand seinen Niederschlag in seinen Berichten. Und diese Berichte sind keine theoretischen Betrachtungen und Darlegungen, sondern in ihnen tritt uns das Leben selbst so wie es gelebt wird in Palästina, entgegen. Ein Hauch des warmen pulsierenden "Lebens weht uns entgegen. Und bei aller Objektivität, eine innere Anteilnahme, ein Erfaßtsein von dem, was Juden in wenigen Jahren geleistet haben, ist auf jedem Blatte zu spüren. Den Niederschlag eines großen, starken, einmaligen jüdischen Erlebnisses, so nennt der Verfasser selbst sein Buch, und ein Abglanz dieses Erlebnisses wird jedem zuteil, der es mit Hingabe liest. Abr. Reinhardt, Köln. Zur Besprechung liegen vor: Ger s on S ter n: Weg ohne Ende« Ein jüdischer Roman. Erich Reiss Verlag, Berlin. Die Heilige Schrift: Auf Veranlassung der Jüdischen Gemeinde Berlin herausgegeben von Harry Torczyner. Erster Band: Tora-Fünfbuch. J. Kauffmann Verlag, Frankfurt am Main. Buber-Rosen zweig: Die Schrift Billige Neuausgabe. Band I: Die Bücher der Weisung. Band II: Die Bücher der Geschichte. Band III: Die Bücher der Kündung. Schocken Verlag, Berlin. Philo-Lexikon, Handbuch des jüdischen Wissens. Philo- Verlag, Berlin. Für die Anzeigen verantwortlich: Fritz Neubauer, Ludwigshafen a.Rh; — D.-A. IIL.Vj. 1180 Exemplare.