Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 11 (1.11.1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Jüdische Schulzeitung Nummer 11 ■ Reichs Vertretung und Lehrerschaft Von Studienrat Dr. Adolf Leschnitzer, Schulreferent der Reichsvertretung der deutschen Juden Die letzten 1M> Jahre stellen den Beginn einer neuen Periode in der Geschichte des deutschen Judentums dar. Das bedeutsamste innerjüdische Ereignis in dieser Zeit war die Schaffung der Reichsvertretung der deutschen Juden, der ersten Qesamtyertretung des deutschen Judentums. Die Reichsvertretun'g hatte die schwere Aufgabe zu erfüllen, das deutsche Judentum nach außen und innen würdig und kraftvoll zu repräsentieren und die Führung zu übernehmen bei der Lösung einer großen Reihe von Einzelaufgaben, die sich aus der von Grund auf veränderten Lage des deutschen Judentums ergaben. . Unter diesen Aufgaben steht die Betreuung des jüdischen Schulwesens mit an erster Stelle. Es gilt, die bestehenden Schulen vor dem drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruch zu retten, neue Schulen zu gründen und dadurch überhaupt erst die Voraussetzung zu schaffen für die Durchführung eines Erziehungswerks, von dessen grundsatzlicher Notwendigkeit seit dem April 1933 das deutsche Judentum in seiner überwältigenden Mehrheit überzeugt war. Wie im vorigen Jahre nach kurzem Schwanken breite Schichten, die der jüdischen Schule vorher ablehnend oder gleichgültig gegenüber gestanden hatten, instinktiv erkannten, daß im Augenblick eines beispiellos schweren schicksalhaften Zusammenbruches nur die stärkste Besinnung auf die Ewigkeitswerte des Judentums Kraft und inneren Halt bringen könnte, wie dann die Erkenntnis sich durchsetzte, daß es das Gebot der Stunde war, ein Schulwerk aufzubauen, das die Jugend hinführen sollte zu jenen unerschöpflichen Kraftquellen unserer Existenz, wie endlich nahezu das gesamte deutsche Judentum einig war im Rufe nach der „jüdischen Schule" — das wird vielleicht einmal als ein Vorgang gewertet werden, der einer gewissen historischen Größe nicht entbehrt. Die erhöhte Bedeutung, die der jüdischen Schule durch die geschichtliche Entwicklung zuwuchs, hat auch dem jüdischen Lehrerstand eine neue Bedeutung gebracht, die doch im Grunde genommen uralt ist, hat dem Wort „jüdischer Lehrer" einen Klang gegeben, der nur den Ohren der letzten Generationen fremd geworden war. .,Lehre" und „Lehrer": welche gewaltigen geschichtlichen Mächte der jüdischen Vergangenheit werden in diesen beiden Worten lebendig, welche in die Zukunft weisende schöpferische Kraft ist in ihnen umschlossen! Der jüdische Lehrer erringt im Leben unserer Gegenwart und, wie wir hoffen, auch der Zukunft wieder jene schöne und so tief verpflichtende Stellung, die er immer in den großen Zeiten unserer Geschichte innegehabt hat. Die Reichsvertretung der deutschen Juden, weiß sich eins mit der jüdischen Lehrerschaft Deutschlands im Glauben an die grundsätzliche Bedeutung der jüdischen Schule, und als die berufene Hüterin der Interessen des deutschen Judentums ist sie gewillt, in engster Verbindung mit der jüdischen Lehrerschaft an die Bewältigung all der Schwierigkeiten zu gehen, die noch vor uns liegen. * Eine Erklärung des Lehrerverbandes Wir begrüßen die Ausführungen des Herrn Schulreferenten der Reichsvertretung der deutschen Juden aufs wärmste und versichern, daß wir die Bestrebungen der Reichsvertretung auf Erweiterung und Festigung des jüdischen Schulwesens tatkräfilus dem Inhalt dieser Nummer: H. Leschnitzer, Reichsvertretung und Lehrerschaft. — Stegried Braun, Die ersten Versuche zur Gestaltung des freien Sc»>abbat. —, Bruno Woyda, Die Pensionseinrichtung des Preußischen Landesverbandes, und I^elMrersdiaf t tig unterstützen werden. Wir erwarten aber auch von der Reichsvertretung, daß sie über der Sorge um die Schule nicht die Fürsorge für die Lehrer vergessen wird. Eine leistungsfähige Schule setzt eine entsprechende Lehrerschaft voraus, und eine Lehrerschaft ist nur dann leistungsfähig, wenn ihr die ihrem Werte und ihren Aufgaben entsprechenden Lebensbedingungen gewährt werden. Da wir wissen, daß die Reichsvertretung diese Aufgaben nur dann lösen1 kann, wenn ihrer Gesamtarbeit das gebührende Interesse und das notwendige Vertrauen im deutschen Judentum entgegengebracht wird, wollen wir der Reichsvertretung das Versprechen geben, daß die Lehrerschaft nach Kräften mithelfen wird, einer segensreichen Tätigkeit der Gesamtvertretung der deutschen Juden den Boden zu bereiten. Der Vorstand des Reichs Verbandes der jüdischen Lehrer vereine: Dr. Stern, Vorsitzender. Gründung eines Ausschusses für Lehrerfortbildung Wir haben im Leitartikel der Oktoberausgabe unseres Blattes auf die bedenkliche Situation hingewiesen, die sich auf. dem Gebiet der Lehrerfortbildung entwickelt hat. Insbesondre warnten wir die maßgebenden Berliner Instanzen davor, ohne die Mitarbeit des Lehrerverbandes in Fragen der Schule und der Lehrerschaft entscheidende Schritte zu unternehmen. Mittlerweile haben sich die Dinge so gestaltet, wie es von uns gewünscht wurde. Es ist jüngst ein Ausschult für Lehrerfortbildung konstituiert worden, der sich zunächst aus Vertretern der Reichsvertretung und des Preußischen Landesverbandes zusammensetzte, in den aber dann auch Dr. Stern als Vertreter des Letirerverbaudes mneingewählt wurde. Dem Ausschuß gehören an Dr. Alexander, Dr. Bamberger, Professor Elbogen. Rabb. Dr. Galliner, Landgerichtsrat Dr. Lilicnthal und Mittelschulrektor Dr. Stern. Er sieht seine Hauptaufgabe darin. Lehrern, die bisher an nichtjüdischen Schulen tätig waren, das erforderliche Maß jüdischen Wissens zu vermitteln und sie mit der Methodik des Volksschulunterrichts vertraut zu machen. Auf diese Weise soll ihnen der Uebergang zur jüdischen Schule ermöglicht werden. Die praktische Arbeit des Ausschusses wird sich, so ist es der Wille aller Beteiligten, in engstem Zusammenwirken der verschiedenen Organisationen mit der Lehrerschaft vollziehen. Wir geben unserer Genugtuung darüber Ausdruck, daß dieses Abkommen getroffen wurde, und wir dürfen hoffen, daß zukünftig fruchtbare Arbeit geleistet werden wird. Da wohl auch außerhalb Berlins die Einrichtung vor» Fortbildungskursen erforderlich sein dürfte, so erscheint es zweckmäßig, wenn die Landesverbände der jüdischen Lehrer rechtzeitig die Initiative ergreifen und ihre Wünsche und Anregungen bald zur Geltung bringen. Vom Lehrerbildungsausschuß Am 15. Oktober tagte in Berlin der Lehrerbildungsausschuß des Preußischen Landesverbandes unter dem Vorsitz des Rabbiners Dr. Vogelstein aus Breslau. Der Schuldezernent des Preußischen Landesverbandes, Rabbiner Dr. Galliner, referierte über die Arbeit des Ausschusses, insbesondere aber über die Einrichtung des ersten Kurses für Lehrerausbildung. Der Leiter dieses Kurses, Dr. Fritz Bamberger, schilderte die innere Einrichtung der Lehrerbildungsanstalt und gab einen Ueberblick über die Pläne zu ihrer weiteren Ausgestaltung. Als Vertreter der Lehrerschaft waren der Vorsitzende des Verbandes, sowie Steinhardt und .J, B. Levy anwesend. Dr.