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Jüdische Schulzeitung · 1934-10-01 · 10 (1.10.1934) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
10 (1934)
Issue
10 (1.10.1934)
Date
1934-10-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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t'Nummer 10 J üd ische Schulz ei tung Seite 9 >; : , 'Persönlichem , : Unser lieber S t e i n h a rät und seine Gatthr siedeln am 1. Oktober in unser Lehrerheim vnäch Ba d E m s über. Wirsprechen gewiß in aller-Freunde und Kollegen Namen, wenn wir'den beiden eine sorgenlose Zukunft in der schönen Lahnstadt wünschen. Ruhelehrer Benjamin Wolff, Anrieb s. A. Einen schweren Verlust hat die Gemeinde Aurich erlitten. Plötzlich aiud iünerwartet, ist,vbis zumletzten Tage seines. Lebens körperlich rüstig und geistig frisch, Ruhelehrer B. W o,l f f im 81. Lebensjahre verschieden. Mehr als ein halbes Jahrhundert hat er in seiner Heimatgemeinde als Lehrer, Prediger;ünd,-religiöser. Führer".gewirkt. .Was.,er. seiner. Gemeinde und weit darüber hinaus seiner religiösen Gemeinschaft gewesen ist, kam ergreifend bei der Trauerfeier zum Ausdruck, die die Gemeinde Aurich ihrem verewigten Führer veranstaltete.' In der überfüllten Synagoge, in der sich mit den Mitgliedern der Gemeinde Aurich sämtliche Lehrer der Umgegend und viele Freunde und Verehrer des Heimgegangenen vor. nah und fern versammelt hatten, entwarf Lehrer Moses, der Amtsnachfolger des Verstorbenen, ein wohlabgerundetes Lehensbild des Heimgegangenen. L.-Rabb. Dr. Blum schilderte den Heimgegangenen als den glaubensstarken Führer der Gemeinde, •den treuen Hüter der Tradition und der alten Minhpgim, ,de.n verantwortungsbewußten Wächter der Heiligung des Schab- Tdos; als den großen jüdischen Gelehrten, der schon vor Jahrzehnten mit dem Maureinu-Titel geschmückt wurde, den durch "klare Logik und pädagogische Meisterschaft erfolgreichem. Lehrer und Förderer jüdischen Wissens, namentlich in dem Talmud-Thora-Verein; als den bis in die letzten Tage seines gesegneten Alters von jugendlicher Begeisterung beseelten J'hudi, den die heiße Liebe zur Lehre des Ewigen über alles Widrige des Lebens und alle herben Schicksalsschläge des Daseins zu erheben vermochte; als den umfassend gebildeten, geschickten und erfolgreichen Erzieher, der Generationen von Schülern ausgebildet hat; als den edlen Menschen, der eine ländlich reine Seele sich bis zu seinem Lebensende bewahrt liat. Sodann sprachen noch Dankesworte Herr Lehrer Lachmann, der zweite Beamte der Gemeinde Aurich, und der 1. Vorsteher, Herr Jakob Wolff. Eingerahmt wurden die Reden durch stimmungsvolle Gesänge und Rezitationen. Ein unübersehbarer Zug setzte sich sodann nach dem Friedhofe in Bewegung, wo Herr Lehrer Hartog, Wilhelmshaven, für die ehemaligenvSchüler, Herr Lehrer Klein, Norden für den Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer und die Freie Vereinigung und Herr Lehrer Popper , Leer für den Verein der Lehrer Ostfrieslands und Emslands Worte herzlichen Dankes und ehrenden Nachrufes sprachen. | Lion Wolff | Der greise Lehrerveteran Lion Wolff hat im 90. Lebensjahr das "Zeitliche gesegnet. Ein reichbewegtes Leben, reich an Sorgen und Entbehrungen, an Kämpfen aller Art, aber auch an tatsächlichen Erfolgen, liegt abgeschlossen vor uns. In einer, umfangreichen Schrift „5.0 Jahre Lebenserfahrungen eines jüdischen Lehrers und Schriftstellers" (Leipzig, 1919, Gustav Engel), hat.er uns.ein Bild seines Lebens hinterlassen. Als armer Knabe groß geworden, fürs Handwerk ausgebildet, gelangt er durch einen Zufall, wenn es einen solchen gibt, in den Beruf des jüdischen Kultusbeamten, für welchen er zunächst vollständig unvorbereitet dasteht. Noch dürftiger mit jüdisch religiösem und auch weltlichem Wissen ausgebildet, hat wohl noch nie ein Mann diesen Beruf ergriffen. Und hat es verstanden, sich als seif made man in des Wortes bester Bedeutung ein reiches Wissen anzueignen und zu einer führenden- Persönlichkeit emporzuarbeiten., dessen Werke, wie; z. B..-seine" ^Agende" selbst von erfahrenen Rabbinern gern benutzt werden. Ein mutiger, unerschrockener Kämpfer für die Interessen seines Standes, wiefür alles Wahre, Rechte und Gute hat er sich in weiten-Kreisen der deutschen Judenheit und in den verschiedenen Stätten seines beruflichen Wirkens auch bei der nichtjüdischen Bevölkerung eine außerordentlich geachtete Stellung errungen. Blieb sich, seinem Berufe, seinen Standesgenossen und allen, denen er im Leben näher getreten, treu bis zum letzten Atemzuge. Secher zaddik liwrocho! M. Steinhardt. Bei der Trauerfeier in Berlin-Weißensee am 23. September sprachen neben dem JRabbiner Herrn Dr. Wiener der derzeitige Vorsitzende der Gemeinde Tempelburg, in der der Verewigte das letzte Vierteljahrhundert seiner Amtstätigkeit verbracht hat, sowie der Vorsitzende des Lehrerverbandes Herr Dr. Stern Worte des Gedenkens. Literarisches Luach: Jüdischer Kalender der Gesellschaft für jüdische Volksbildung e. V. in Frankfurt a. M. auf das Jahr 5695. M. Lehrberger & Co. Dieses Vademecum jüdischer Menschen erscheint nach .vierjähriger .Unterbrechung, wieder. Als Herausgeber zeichneu Rabb. Dr. Salzberger und Prof. Dr. Werner. Prof. Werner gibt dem instruktiven Werkchen eine interessante Einleitung mit auf den Weg, die das Weltweite der Persönlichkeit des Maimonides mit dem lokalen Bereich der Volksbildungsgesellschaft verknüpft. Die Darlegungen über den jüdischen Kalender, über die Fest- und Fasttage, sowie die Hinweise auf all das, was dem jüdischen Jahr Gestalt und Rhythmus gibt, sind namentlich in der Hand des Lehrers und des Schülers von besonderem Wert. Es läßt sich im Unterricht viel Nutzbringendes aus dem Luach herausholen. Aus der Schockenbücherei Abraham Tendlaus Sprichwörter und Redensarten deiitschrjüdischer Vorzeit erschienen 1860. Das Buch enthielt mehr als 1000 Anführungen, von denen 122 in das neue Büchlein übernommen wurden. Sie geben wertvolle Aufschlüsse über die Beschaffenheit der jüdischen Volksseele und über den Sinngehalt jüdischdeutscher Sprache. Johann Jacob Schudt war ein guter Kenner jüdischen Lebens und jüdischen Brauchtums. Aus seinem Buch „Von der Frankfurter Juden Vergangenheit", das 1714 erschien, hat E f r a i m Frisch das Beste ausgewählt. Der Leser erhält ein anschauliches Bild von dem Leben im Frankfurter Ghetto nach den Stürmen des Dreißigjährigen Krieges. Köstlich ist namentlich die liebevolle Schilderung der Wahlen zur Vertretung der Frankfurter Kehilla. Martin Bubers Geschichten von Engeln, Geistern und Dämonen zeigen den Meister der Sprachformung auf seiner Höhe. Die erste Erzählung vom Engel und der Weltherrschaft ist von einer sprachlichen Vollendung seltener Art, aber auch die übrigen fünf mit ihren Themen aus der chassidischen Welt sind kostbares literarisches Gut. S. D. F. G o i t e i n von der Universität Jerusalem hat Darstellungen über das Leben der jemenitischen Juden gesammelt und zu dem Büchlein „Von den Juden Jemens" vereinigt. Es gibt uns einen interessanten Einblick in diese uns in vielem fremde Welt. Wie immer hat der Verlag auch dieses Bändchen aufs sorgfältigste und beste ausgestattet. Welch einen hervorragenden Dienst Schocken mit der Sammlung auch der jüdischen Schule unserer Zeit leistet, das möge demnächst einmal eingehend in diesen Blättern dargestellt werden.

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