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Jüdische Schulzeitung · 1934-10-01 · 10 (1.10.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
10 (1934)
Issue
10 (1.10.1934)
Date
1934-10-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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io. läKrgemg - 1CERM4NIA I JUDAICA I Nummer lfr .^|^^ - I JUJUAIW* | Schulzeitung Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, Kaiserstraße 29) Die „Jüdische Schulzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats. Postbezugspreis : 0.45 pro Quartal. Mannheim, den i. Oktober 1934 Druck und Verlag: Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Verantwortlich für den redakt.Teil Dr. Siegfried Braun Köln, Lötjowstraße 59 Äus dem Inhalt dieser Nummer: Zur Einrichtung von Kursen für Lehrerfortbildung. — üdolf Löwenberg*Berlin: »Religionsunterricht-Judentumskunde— Martin Reich, Berlin: Die Gestaltung des Erdkunde-Unterrichts in der jüdischen Volksschule. — Siegfried Braun: Von der Arbeit am jüdischen Gesetz. — Das jüdische Schulwerk. Zur Einrichtung von Kursen für Lehrerfortbildung Aus Berlin wird gemeldet: „Die jüdische Volksschule hat heute für unser Erziehungswesen eine Bedeutung gewonnen, die neue und besondere Anforderungen an unsern Lehrerstand stellt. Deshalb haben der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden und die Reichsvertretung der deutschen Juden beschlossen, unter Federführung des Preußischen Landesverbandes eine Einrichtung zu schaffen, die der Lehrerfortbildung dienen soll. Mit dieser Einrichtung soll auch vielfachen Wünschen und Anregungen unserer Lehrerschaft Rechnung getragen werden.- Von dieser Lehrerfortbildung sollen sowohl der neu in den Schuldienst übernommene akademisch gebildete Lehrer als auch die bisherigen Volksschullehrer erfaßt werden. Es wird eine Fortbildung angestrebt, die den verschiedenen Notwendigkeiten gerecht werden soll. Sie soll jüdisches Wissen vermitteln, in die besondere Methodik des Yolksschulunterrichts einführen, die Ergebnisse der modernen Pädagogik darbieten und überhaupt den Lehrer in Zusammenhang mit den Fortschritten der Wissenschaft halten." Iii dieser Meldung, die durch die jüdische Presse verbreitet wird, sei folgendes bemerkt: Wir sahen uns schon einmal veranlaßt, gegen die Art und Weise "Stellung zu nehmen, in der die beiden Körperschaften Schulfragen zu behandeln beabsichtigten. Das war anfangs Juni dieses Jahres, als in .einem Bericht des Landesverbandes das umständliche Verfahren bei der Verteilung der Kompetenzen zwischen Reichsvertretung und Landesverband dargelegt worden war. Warnend schrieben wir in unserer Betrachtung in Nr. 6 der Jüdischen Schulzeitung den Satz nieder: „Uns will scheinen, als sei es an der Zeit, endlich einmal menschliche, allzumenschliche Schwächen abzutun und den Notwendigkeiten unserer Tage zu entsprechen, auf daß es nicht so komme, daß ein edler Aufwand schmählich vertan werde." Mittlerweise sind vier Monate dahingegangen, und es scheint, als ob die Dinge noch ebenso verworren seien wie damals; als habe die Not der Zeit es noch immer nicht zuwege gebracht, daß das wichtigste Gebiet jüdisch-kultureller Aufgaben nach zweckmäßigen Grundsätzen und unter Ausschaltung jeglichen ungesunden Geltungsbedürfnisses verwaltet werde. Wir'fühlten uns verpflichtet, der Kollegenschaft im Reich ein zutreffendes Bild vom gegenwärtigen Stand der Lehrerbildungs- und -fortbildungsarbeit zu geben. Deshalb wandten wir uns an den Vorsitzenden unseres Verbandes, an Rektor Dr. Stern, und baten ihn um nähere Informationen. Als Antwort erhielten wir die seltsame Mitteilung, daß Dr. Stern selber erst durch die Zeitungen von dem Plan Kenntnis erhalten habe. Soweit wir die Sachlage übersehen, sind gegenwärtig mit der Angelegenheit befaßt der Schulreferent in der Reichsvertretung Dr. Leschnitzer, der Dezernent des Landesverbandes Dr. Galline'r und der Schuldezernent der Berliner Gemeinde Dr. Alexander. Ob auch der Leiter der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung Prof. Martin Buber noch irgendwie mit den Dingen befaßt wird, das entzieht sich unserer Kenntnis. Mit einer sachlichen Kritik des Fragenkomplexes wollen wir heute noch zurückhalten, da uns der klare Einblick fehlt. Das aber muß einmal mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß die Lehrerschaft in den sie unmittelbar angehenden Angelegenheiten kein bloßes Objekt der Reichsvertretung und des Landesverbandes ist, also vor allem nicht in der geistigen und materiellen Fürsorge. Unser Lehrerverband ist in der Judenheit das, was die staatlich organisierten Fachschaften im Reich smd. Sein Sitz ist in Berlin und seine Leiter sind die Männer unseres Vertrauens. Wir fordern nachdrücklich, daß diese Männer als gleichberechtigte Mitarbeiter zugezogen werden, wenn es s?ch um Erziehungs-, Schul- und Lehrerfragen handelt. „Religionsunterricht—Judentumskunde"*) Bemerkungen zu J B. Levys Aufsatz von Adolf Löwenberg, Berlin Die jüdische Schule, die nicht gegenwartsfremd neben oder hinter ihrer Zeit bleibt, sondern die Jugend in das. Verständnis dieser Zeit und zu verantwortungsvoller Mitarbeit an deren Aufgaben erziehen will, muß sich neu orientieren. Sie muß den tiefen Wandlungen Rechnung tragen, die das Leben um uns und in uns genommen hat. Darum dürfen wir an der Arbeit Levys nicht vorübergehen, der nach langjähriger Lehrtätigkeit sich nicht zu alt dünkt, noch umzulernen und anderen neue Wege zu weisen. Prüfen wir deshalb zunächst den Leitsatz, den er seinen Ausführungen vorangestellt hat: der „Religionsunterricht" muß schwinden — „Judentumskunde" muß an seine Stelle treten. Was ist Judentumskunde, und wie unterscheidet sie sich von jüdischem Religionsunterricht? Judentum ist nach herrschendem Sprachgebrauch jüdische Religion, wie Christentum christliche Religion bedeutet. Wie kann also Judentumskunde jüdischen Religionsunterricht ersetzen sollen? Wollen wir nicht an einen Scherz glauben, dann muß Judentumskunde hier etwas anderes bedeuten, als der Wortsinn vermuten läßt. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir annehmen, daß der Begriff Judentumskunde der Bezeichnung Deutschkunde nachgebildet ist, die in der Pädagogik längst Heimatrecht besitzt. Ueber Deutschkunde urteilt einer der geistigen Führer im *) Siehe Nummer 8 der Jüdischen Schulzeitung.

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