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Jüdische Schulzeitung · 1934-08-31 · 9 (31.8.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
10 (1934)
Issue
9 (31.8.1934)
Date
1934-08-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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lü. »ahrgahg Nummer 9 1 Bff chulzeitung Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, Kaiserstraße 29) Die „Jüdische Schulzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats Postbezugspreis: 0.45 pro Quartal. Mannheim, den 31. August 1934 Druck und Verlagt Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Verantwortlich für den redakt.Teil; Dr.Siegfried Braun Köln, Lü^owstraße 39 Aus dem Inhalt dieser Nummer: S. B., Der Schabbat und die jüdischen Schüler — Johannes Wolff, Der dritte Erziehungsfaktor. — Grenzen erkennen l — J. Popper, Von den Selichoth. — Hilde Ottenheimer, Ein jüdischer Erzieher des 19. Jahrhunderts. Der Schabbat und die jüdischen Schüler S. B. Das vor wenigen Wochen veröffentlichte Abkommen zwischen dem Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Unterricht und dem Jugendführer des deutschen Reiches über die Erziehung der Schuljugend im nationalsozialistischen Staat bestimmt den Sonnabend als schulfreien Tag für die der Reichsjugendführung unterstellten Schüler. Im Punkt 6 des Abkommens heißt es: .,Die nicht der Hitlerjugendbewegung angehörigen Schüler und Schülerinnen haben am Sonnabend pflichtmäßigen Unterricht. Dieser Unterricht soll nach einem festzulegenden Lehrplan in mindestens zwei Unterrichtsstunden den Schülern und Schülerinnen das nationalsozialistische Gedankengut nahebringen. Die n ich t a r i seh e'n Schüler sind von diesen Stunden befreit. Die Schulaufsichtsbeamten haben bei ihren Besuchen der An-, stalten diesem Unterricht besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden." . Der durch Sperrdruck von uns hervorgehobene Satz erinnert uns an den Erlaß des Reichsministers, den wir* in der Aprilausgabe unseres Blattes veröffentlicht haben, und dessen letzten Absatz wir noch einmal im Wortlaut hierhersetzen: „An den gewöhnlichen Samstagen können die jüdischen und adventistischen Schüler auf Ansuchen der Erziehungsberechtigten ganz oder für die Stunde des Gottesdienstes vom Schulbesuch befreit werden. Wer hiervon keinen* Gebrauch macht, muß am gesamten lehrplanmäßigen Unterricht, auch im Zeichnen, Schreiben, Handarbeit und Werkunterricht teilnehmen. Für die aus derartigen Versäumnissen entstehenden Folgen kann die Schule keine Verantwortung übernehmen." . Es liegt keine Uebersicht darüber vor, in welchem Ausmaß bisher, von der Möglichkeit des Dispenses am Schabbat Gebrauch gemacht wurde. Es ist anzunehmen, daß vielfach davon abgesehen wurde, die Schüler dem Ünterricht fernzuhalten. Die Elternschaft fürchtete wohl, die Kinder könnten hinter dem Stand der Klasse zurückbleiben, wenn sie allwöchentlich einen vollen Tag Unterricht versäumten; sie wünschten aber auch nicht, die jüdischen Schüler in eine Ausnahmestellung 'hineinzubringen dadurch, daß sie an einem Tag der Woche aus der Klassengemeinschaft herausgenommen würden. Nach der neuen Ordnung der Dinge ergibt es sich, daß hinfort die jüdischen Knaben und Mädchen am Schabbat zwei Stunden vom Unterricht befreit sein werden. Diese Regelung Kewinnt insofern besondre Bedeutung für uns, als die Elternschaft s'"ch jetzt leichter entschließen wird, die Befreiung vom Unterricht am Samstag zu beantragen. So dürfte es sich ergeben, daß in naher Zukunft unsere jüdische Jugend am Schabbat frei sein wird, und es erhebt sich die Frage, welche Möglichkeiten sich darbieten, diese Wandlung im jüdischen Sinne fruchtbar werden zu lassen. Es liegt nahe, zunächst an den Morgengottesdienst zu denken, an dem bisher unsere Jugend mir in Ausnahmefällen teilnehmen konnte. Wollte man von dem Besuch des Freitagabendgottesdienstes, der ja immer möglich war, auf die Aussichten schließen, die sich für den Schabbatmorgen ergeben, so wäre eine optimistische Auffassung nicht am Platze; denn das Gros der Jugen'd hat es abgelehnt, an dem Gottesdienst teilzunehmen. Diese Ablehnung erfolgte aus einer areligiösen Haltung heraus, die vielfach auch heute noch nicht geschwunden ist, und die es mit sich bringen dürfte, daß die Jugend nicht in größerem Umfang zu den Gotteshäusern hineilen wird. Immerhin sind Anzeichen dafür vorhanden, daß sich eine Wandlung vorbereitet, und wenn es den Erziehern gelingt, die Jugend zu einer jüdisch religiösen Haltung hinzuführen, so werden auch die Bemühungen erfolgreich sein, sie wieder in die Synagogen zu bringen. Es ist erwogen worden, ob nicht besondere Jugendgottesdienste am Schabbat vormittag eingerichtet werden sollten. Wir sind der Meinung, daß davon abgesehen werden, müsse. Der Kreis derer, die lebendigen Anteil nehmen an dem üblichen Gottesdienst, wird immer kleiner; die Jugend ist gar nicht mehr mit seinem Inhalt und Ablauf vertraut, una er bedarf dringend der Neubelebung. Sie kann nicht erfolgen, wenn die Jugend abgesondert von dem Gesamt der betenden Gemeinde im eigenen Kreise Gottesdienst abhält. Es fehlt da jene Mischung von Alt und Jung, jenes Beisammensein der Generationen, d;e gerade unserm Gottesdienst von je sein eigenes Gepräge gaben. Ob es gelingen wird, die jungen Menschen in einer ins Gewicht fallenden Menge dem Besuch der Synagogen geneigt zu machen, das hängt — sieht man von den Lehrern ab — nicht zum wenigsten1 von der Haltung ihrer Führer ab. Welch großes Maß von Einfluß gerade sie gegenwärtig ausüben, das weiß jeder, der die in den Bünden geltenden Grundsätze kennt. Hier wird nicht selten jede Beeinflussung durch die Eltern- und Lehrerschaft entschieden abgelehnt und das Wort Autonomie spielt eine sehr erhebliche Rolle in dem Vocabular unserer Bünde. Sie versuchen seit langem, ihren Weg durchs Leben selbständig zu gehen, und keinem Erzieher wird Einfluß zugestanden, der nicht irgendwie aus dieser bündischen Jugend oder mit ihr gewachsen ist. Dieser Sachverhalt muß wohl beachtet werden, wenn man Ueberlegungen darüber anstellt, wie der freie Schabbat demnächst auszugestalten wäre. Es könnte sonst böse Enttäuschungen geben. — , ' ' Sehen wir einmal von der Frage der Beteiligung an dem Morgengottesdienst ab, so bleibt zu erwägen übrig, wie die weitere Zeit des Schabbat jüdisch gestaltet werden könnte. Sie muß zu einem „Oneg Schabbat" werden, aber zu einem, der dieser Institution wesensgemäß ist. Es ist der Sinn des Schab-

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