Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 7 (26.6.1934)
- Date
- 1934-06-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 7 J ü d is che Schulzeitu n g Seite 9 sowie alle sonst interessierten Persönlichkeiten und Gruppen aufgefordert, Material über ihre Arbeit (Arbeitspläne, Arbeitsberichte, sowie möglichst viele Unterlagen aus ihrer Arbeit) einzusenden und auf diese Weise einen Gedankenaustausch einzuleiten. Literarisches Mitteilungen des Forschungsinstituts für hebräische Dichtungen. Band I. 1933. Schocken-Verlag. Der Mäzen jüdischer Wissenschaft Salman Schokken hat im Jahre 1930 in Berlin ein Forschungsinstitut für Geschichte und Quellenstudium der hebräischen Dichtung gegründet, auch reiche literarische Schätze ihm zur. Verfügung gestellt und an seine Spitze Heinrich Brody berufen. Das Institut will die Quellen für die hebräische Poesie verzeichnen und sammeln, wissenschaftliche Ausgaben hebräischer Dichterwerke durchführen, öffentliche Vorlesungen und Uebungen über die hebräische Dichtkunst abhalten und Forscher auf diesem Gebiete fördern oder mit Arbeiten betrauen. In dem vorliegenden Bande erscheint die literarische Erstlingsfrucht des Instituts. Heinrich Brody, der zunächst über das Forschungsinstitut selbst spricht, veröffentlicht 48 Gürtelgedichte des Todros Abu-le Afia aus dem Manuskript Schocken Nr. 37. ■ Der Dichter lebte 1247 bis ca. 1306 in Toledo, war Beamter am Hofe Alfonsos X. wie Sanchos IV. und ist uns als Verfasser von Versgedichten (in Gan ham-Mesalim weha-Hildot) bereits bekannt. Wie dort gehören die Männej, denen die hier veröffentlichten Gedichte gewidmet sind, dem Freundes- und Gönnerkreise Todros' an, die Gedichte (Muwassah) zeigen dieselben Bilder, Redewendungen urid Besonderheiten, die auch sonst für Sprache und Stilistik Todros' bezeichnend sind, seine Vorzüge und seine Schwächen. Sie bekunden den engen Zusammenhang mit den arabischen Dichtern, denen nicht nur das Versmaß entlehnt ist. Nur das letzte Gedicht (48) scheint die Nachahmung einer altkastilischen Weise zu sein. Gehören die erstgenannten Gedichte dem silbernen Zeitalter des jüdischen Spaniens an, so ist ein weiteres Kapitel, bearbeitet von Jefim Schirmann, der hebräischen Poesie in Sizilien und Apulien gewidmet. Die apulischen Juden sind spätestens seit dem Anfang des 9. Jahrhunderts literarisch tätig gewesen. Wenn auch Süditalien nicht als das erste jüdische Kulturzentrum im Abendlande gelten kann — denn fast gleichzeitig mit ihm fängt auch Deutschland eine Rolle zu spielen an — so scheint doch die hebräische-apulische Literatur, insbesondere auch die Dichtung, eine bedeutsame Stellung eingenommen zu haben. Ans der Ahimaas-Chronik werden nun bereits im 9. Jahrhundert mehrere jüdische Dichter gemannt. Dem 10. Jahrhundert gehört z. B. Sabbetai Donnolo aus Oria an. Die apulische Stadt- Otranto beherbergt im Mittelalter eine große jüdische Gemeinde, die sich durch eifrige Pflege der Gesetzeskunde auszeichnete, aber auch durch verschiedene Dichter im Mahzor Korfu vertreten ist. Gottesdienstliche Dichtungen (Piutim) von Menahem ben Mordekai, der spätestens dem 12. Jahrhundert angehört, von Anatoli von Otranto (etwa dieselbe Zeit), von Mejuhas von Otranto (spätestens 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts), von Sabbatai von Otranto (dieselbe Zeit), werden von Schirmann veröffentlicht und wie die Gedichte des Todros' mit kurzen Erklärungen und Hinweisen auf die biblischen und talmudischen Quellen versehen. Ferner behandelt Schirmann die jüdisch-sizilianische Poesie, deren wesentliches Merkmal er darin erblickt, daß mehrere ihrer Autoren von auswärts zu- Kewanderte Juden sind. Als erster Vertreter einer autochthonen hebräischen Dichtung in Sizilien darf Anitub ben Jishaq Kelten, dessen Blütezeit von 1280—1290 anzusetzen ist und dessen Dichtung „vom Korbe" Schirmann veröffentlicht hat Rieses poetische Werk ist eine Maqame, d. i. gereimte Prosa, eine besonders bei den spanischen Juden gepflegte Literaturgattung. Sie hat theologisch-didaktischen Zweck und will Maimunis Dogmenlehre in einen leidlichen Zusammenhang mit der Handlung bringen; und dieselbe. durch die-dichterische Einkleidung dem Leser einigermaßen schmackhaft machen. Ihr poetischer Wert ist nach Angabe des Bearbeiters selbst gering. Das Gedicht schließt mit den von Mose de Rossi bearbeiteten 13 Glaubensartikeln. Schließlich enthält das Buch eine Hanukkah-Queroba von Pinchas hak — Konen, dessen Verfasser ein Palästinenser ist und den palästinensischen Ritus zugrunde gelegt hat. Es geht jedenfalls aus dieser Veröffentlichung ernjeut hervor, daß die alten Pajtanim dem Lichterfest mehr Beachtung geschenkt haben als wir in Anbetracht der knappen zurückhaltenden Aeußerung des Talmud über Chanukka erwarten können. Der Herausgeber Menachem Zulay bringt sowohl über den Dichter der Queroba (Einschaltung in der Tefilla), wie über den ihm nahestehenden Dichterkreis und diese Art der Poesie wertvolle Ausführungen. Ein Register der Gedichtantfänge und der. Eigennamen vervollständigt dieses in jeglicher Beziehung ausgezeichnete Werk, das sowohl dem Forschungsinstitut für hebräische Dichtung und seinem Schöpfer Salman Schocken wie auch den Bearbeitern zur hohen Ehre i gereicht. Es zeigt den Reichtum unveröffentlichter jüdischer Poesie und bedeutet bei dem neuerwachten Interesse für die neuhebräische Dichtkunst eine Bereicherung der jüdischen Literatur. Auch äußerlich in bezug auf Druck und Papier stellt ' sich das Werk in einem vorteilhaften Gewände dar. Man kann daher eine baldige Fortsetzung der Arbeiten des Instituts von Herzen wünschen. Gemeinderabbiner Dr. A. Kober-Köln. Martin Salomonski: Zwei im andern Land. Benjamin-Harz-Verlag, Berlin-Wien. 1934. Bellamy — ein Rückblick — Julesverne — die Reise nach dem Mond und Bettauers Stadt ohme Juden, all das wacht ein wenig auf bei der Lektüre der „Zwei im andern Land". Als Bettauer sein fröhlich-ernstes Buch schrieb, waren die Zeiten fröhlicher, man ist heute nicht ganz eingestellt auf diese Lösung des schwersten und ernstesten aller Probleme unserer Zeit: des Judenproblems. Die Juden auf dem Mond! gewiß, es wäre mit einem Schlage jede Reibungsfläche verschwunden — wo aber bleibt der jüdisch-messianische Gedanken der Gleichschaltung aller Völker? Nun — das Buch will micht von der ernsthaften Seite genommen sein, obwohl da Zionismus und manche andere Zeitfrage berührt werden. Wir deutschen Juden gehen zuweilen zu einer heiteren Vorstellung des Kulturbundes, wir brauchen hin und wieder Ablenkung und Zerstreuung, nehmen wirdas leichte und gut geschriebene Werk Martin Salomonlskis als eine Zerstreuung, als eine Utopie, in die man manchmal gern sich hineinträumt. Die Heldin, immer stärker hineinwachend in die Gedankenwelt ihres Stammes, die sehr menschlichen Verwandten, es berührt uns doch, am meisten die starke Zuversicht der für dies jüdische Reich gewonnenen Anhängerschaft zum Göttlichen, Erlösenden. Da ist vielleicht sogar etwas von jenem starken Gefühl mittelalterlicher Juden um Reubetrti, um Sabbatai-Zwi. Im übrigen freut man sich am Humor, am ein wenig Grotesken. Cilli Marx. Zur Besprechung Hegen vor: Thomas Mann:.Der iunge Joseph. S. Fischer Verlag, Berlin. . ' Martin Buber — Franz Rosenzweig: DIo Schrift. „Das Buch der Zwölf". Schocken-Verlag, Berlin. Micha Josef Bin Gorion: Der Born Judas. Schokkeii-Verlag, Berlin. Petersen-Steiner: Meine Rechenreise. 4 Teile. Franckhsche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. GerhardSteiner: Arteigenes Rechnen, Franckhsche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. i