Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 6 (1.6.1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 6 Jüdische Schulzeitung Seite 9 sehen Juden auszufüllen, besteht ein gewisser Mangel. Wir besitzen zwar die großen Standardwerke jüdischer Geschichte von Graetz und Dubnow; ihre ausführliche Darstellung wird aber gerade die große Masse, die ein wirkliches Bedürfnis nach Belehrung in jüdischen Dingen hat, zurückhalten, zu diesen Büchern zu greifen. Das Buch des bekannten Berliner Rabbiners Joachim Prinz, ist in besonderem Maße geeignet, diese oben skizzierte Aufgabe zu erfüllen. Frei und unbelastet von vielen Details, in lebendiger Sprache geschrieben, unter großen zusammenfassenden Gesichtspunkten dargestellt, gibt Prinz einen Ueberblick über die Geschichte des jüdischen Volkes, der der Leser von der ersten Seite bis zur letzten mit wirklichem Interesse folgt. Bei der Lektüre dieses Buches vergißt man ganz, daß es sich um ein Geschichtswerk handelt; man folgt der hier gegebenen Schilderung der Entwicklung des jüdischen Volkes mit der gleichen Spannung, die man etwa einem belletristischen Werk entgegenbringen würde. Vom Standpunkt des Wissenschaftlers aus mag dies ein Nachteil sein; der zünftige Historiker wird auch an manchen Einzelheiten und zu summarischen Ueberblicken Anstoß nehmen; als Volksbuch, als das es gedacht ist, entspricht es aber in dieser Form am besten seiner Bestimmung. „Antike", „Traditionsjudentum seit Esra" und „Ghettodämmerung" sind die drei großen Abschnitte, in die Prinz die Geschichte des jüdischen Volkes zerfallen läßt. Die neueste Zeit erfährt in diesem Buch eine ausführliche Behandlung, insbesondere findet die historische Eingliederung des gegenwärtigen Juden Schicksals - in die geschichtliche Entwicklung des jüdischen Volkes in dem Abschnitt „Der Jude im modernen Staat" ihre Würdigung. Reiches Zahlenmaterial über Verteilung der Juden auf die einzelnen Länder der Welt, ihre berufliche Gliederung, ihren altersmäßigen Aufbau vermittelt ein Verständnis für die Probleme, die sich aus dem gegenwärtigen Sein ergeben, ordnet sie aber gleichzeitig auch in den geschichtlichen Zusammenhang ein. Nach Lektüre dieses Buches werden sicher zahlreiche Menschen angeregt, sich intensiver mit jüdischen Fragen zu beschäftigen. In der dem Buch angefügten Bibliographie findet der Leser eine Auswahl von Büchern, die ihm das Rüstzeug für ein vertieftes Eindringen in Fragen der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart vermitteln. Das besonders Wertvolle dieses Buches scheint mir gerade darin zu liegen, daß es Anregung gibt für eine weitere Beschäftigung mit jüdischen Fragen, und darin liegt auch seine Bedeutung für den jüdischen Jugendlichen. Diesem wird das mit innerer Begeisterung für die Geschichte des jüdischen Volkes geschriebene Buch auch d i e Einstellung vermitteln helfen, die der junge Jude braucht, um sich freudig und stolz als Glied seiner Gemeinschaft fühlen zu können. Eine lebendige Ergänzung zum jüdischen Geschichtsunterricht, ein sehr geeignetes Buch für die Erfassung jüdischen Werdens und jüdischen Seins. Auch der jüdische Lehrer wird dieses Buch nicht ohne Nutzen für die unterrichtliche Behandlung der jüdischen Geschichte aus der Hand legen. Hervorzuheben sei noch die vorzügliche äußere Ausstattung, insbesondere das ausgezeichnete ihm beigefügte Bildmaterial J. S. Hugo Hermann: Palästinakunde I. Fiba-Verlag, Wien. 1.50 RM. — Der Verfasser, dessen Buch „Palästina, wie es wirklich ist", weite Verbreitung gefunden hat, bereitet eine Palästinakunde für Vortragende, Kurse und Schulen vor, deren erster Teil vorliegt. Er behandelt die Geographie des Landes. In den Abschnitten Allgemeines, Aufbau des Landes, Landschaften, Städte und Dörfer, Klima und- Naturgeschichtliches wird das Wissenswerte knapp und doch eingehend behandelt. Zahlreiche Kartenskizzen, Diagramme und Tabellen machen das Dargebotene anschaulich. Das Buch wird der Lehrerschaft ein gediegener Führer sein. Jesaias Press: Neues Palästinahandbuch, Führer durch Palästina. Fiba-Verlag, Wien. Ein klassischer „Baedeker" für das Land, in prächtigem Leinwandeinband, mit einer ungeheuren. Stoffülle, die so recht die Reiselust anregt, Honnungen weckt, das Wissen aus der Ferne mehrt, so daß man oft und gern nach dem handlichen Buch mit seinen 552 Seiten greifen mag. Auch hier Statistiken, Karten, Stadtpläne, Skizzen aller Art, die der Lektüre Plastik verleihen, und die vor allem dem eigentlichen Zweck dienen, den Reisenden ein zuverlässiger Freund und Führer zu sein. Das Palästinahandbuch ist verlegerisch und drucktechnisch ein Meisterwerk und dürfte hinfort unentbehrlich sein jedem, der ins heilige Land reist. Bücherei des Schockenverlags Berlin. Jedes Bändchen kart 1.25 RM. — Wir haben schon einmal darauf hingewiesen, daß es geradezu wie ein Akt der Vorsehung anmute, wenn heute ein jüdischer Verleger mit einer bewundernswerten Hingabe jüdisches Kulturgut im Schriftwerk pflege und sich um dessen Mehrung und Verbreitung mühe. Diese acht prächtig ausgestatteten Bändchen, die im Aeußern an die Bücher des Inselverlages erinnern, umfassen edelste Geistesschätze aus ferner Vergangenheit und naher Gegenwart. Es genügt, hier die Titel aufzuführen, um das Verlangen zu wecken, die Bücher zu besitzen. Bisher sind erschienen: Die Tröstung Israels aus Jeschajahu. Kap. 40—55 in der Buber-Rosenzweigschen Verdeutschung; Jehuda Haie vi, Zionsliecler in der Rosenzweigschen Verdeutschung; Joseph und seine Brüder, Deutsch von Micha Josef ibn Gorion; Martin Buber, Hundert chassidische Geschichten; S. J. Agnon, In der Gemeinschaft der Frommen, Erzählungen; Leo Baeck, Die Pharisäer; Aron Bernstein, Vögele der Maggid; David Koigen, Das Haus Israels; Das Leben des Flavius Josephus. Weitere Bändchen sind in Vorbereitung. Biblische Geschichte von S. Rosenfelder, Lehrer in Ladenburg a. N. 1934, im Selbstverlag des Verfassers. Vor mir liegt der 3. Bogen einer kurzgefaßten biblischen Geschichte, deren erste Bogen „Schöpfung" und „Stammväter" 1932 und 1933 erschienen sind. Wenn ich auch den Standpunkt vertrete, daß man im 1. und 2. Schuljahr des Wiederholungsbuches durchaus nicht bedarf — die Fassungsmöglichkeit der Kleinen ist noch so groß, daß sie fast wörtlich das Erzählte wiederzugeben vermögen — Land und Leute können auch die besten Bilder dieser Stufe nicht greifbar vermitteln, und es empfiehlt sich weit mehr, der Phantasie weitesten Raum zu belassen, die Kindervorstellung und Kinderzeichnung geschickt in die Tafelzeichnung, die die Lehrererzählung begleitet und gestaltend vertieft, hineinzuverweben — so erscheint mir doch das Buch für das III. und IV. Schuljahr durchaus angebracht. Diese Stufe ist im Deutschunterricht, durch Heimatkunde etc. mehr belastet, ihr Interesse für die wirkliche Beschaffenheit vergangener Zeiten ist intensiver, sie versetzt die Geschehnisse nicht mehr in die nächste Umwelt — all das macht ihnen ein Wiederholungsbüchlein wie das vorliegende von Rosenfelder lieb und wert und leitet tatsächlich zum größeren Lehrbuch oder zur Quelle hinüber. Der 3.* Bogen umfaßt die Mosesgeschichte. Die Einleitung über Aegypten, die Bilder dazu von C. L. Fortner-München unterstützen die Ausführungen des Lehrers. Die Geschichten verlassen nicht ganz den Klang des Bibeltextes, passen sich aber doch dem kindlichen Erzählungston an, den „Zwiegesprächen" fehlt es nicht an Dramatik. Die eingefügten Beschreibungen der Wüste, des Stiftszeltes, die schon erwähnte über Aegypten, die kleine Karte dürften durchaus ihren Zweck erfüllen. Dem kleinen Büchlein ist Verbreitung zu wünschen. Cilli Marx.