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Jüdische Schulzeitung · 1934-04-01 · 4 (1.4.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
10 (1934)
Issue
4 (1.4.1934)
Date
1934-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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K). Jahrgang JUOAiCAA) Nummer che Schulzeitung Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik .Organ des Reichs Verbandes der judischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, KaiserstraBe 29) Die „Jüdische Schulleitung" erscheint am 1. eines jeden Monats. Postbezugspreis: i,— pro Quartal. Mannheim, den 1. April 1934 Druck und Verlag: Gebrüder Heubauer, Ludwigshafen a. Rh. Verantwortlicher Schriftleiter: Dr. S.Braun,Köln,Lütjowstr.39 Aus dem Inhalt dieser Nummer: -v Julius Stern, Noch ein Wort zu den Richtlinien der Reichsvertretung. — Rabb. Dr. Caro, Zu Max Wieners Buch .Jüdische Religion im Zeitalter der Emanzipation'. — Siegfried Braun, Von jüdischen ■ Bräuchen und jüdischem Gottesdienst. — S. Müller, Wesen und Bedeutung der Riten. Noch ein Wort zu den Richtlinien der Reichsvertretung Von Julius Stern-Berlin Die Richtlinien der Reichsvertretung der deutschen Juden haben in der jüdischen Oeffentlichkeit ein lebhaftes Echo ge funden. Ueberblickt man die Presseäußerungen zu diesem Thema, so erhält man eine lebendige Anschauung der verschiedensten innerjüdischen Meinungen und empfindet um so' stärker die Notwendigkeit dieser Richtlinien, die bemüht Sinti; ein einheitliches Erziehungsziel für die jüdischen Jugendlichen festzusetzen. Schulmänner haben sich bisher nur in geringem ",- Umfang an dieser Diskussion beteiligt, um so eingehendere Be- - achtung verdient deshalb der in Nr. 3 der „Jüdischen Schul-? zeitung" erschienene Aufsatz von Eugen Jacobi-Köln „Zu den Richtlinien der Reichsvertretung", insbesondere weil er auch 1 eine stoße Reihe von Ausstellungen an den Richtlinien enthält, die vielerorts erhoben wurden.;•• . I. \ : :' v Man muß, um zu einer gerechten Wertung der Richt- ./.'• Knien zu gelangen, sie einordnen in den Gesamtkomplex der f-r> dem deutschen Judentum jetzt gestellten Aufgaben. 'lr Eine gesonderte jüdische Erziehung wurde bis vor kur- , zem von der Mehrheit der deutschen Juden als nicht erforder- Q\ Kch angesehen. Infolgedessen igibt es bisher weder ein jüdife'/sches Schulwerk in Deutschland, das den Anforderungen, die - "man heute stellt, entspricht, noch ein einheitliches Erziehungsy#5":~;iprogramm, das ohne weiteres Grundlage pädagogischer Arfjf ~ :-beit in jüdischen Schulen auch jetzt hätte sein können. Wenn |J|7:auch verschiedenste Motive jüdische Eltern heute veranlassen, Ä>C'ihr Kind der jüdischen Schule anzuvertrauen und mannigfache ^'Ursachen im jüdischen Schüler den Wunsch nach Erziehung in meiner jüdischen Umgebung bewirken, so ist doch zumindest ^>,;bei fast allen der elementare Drang nach Beziehung zu jüdischem Wissen und Geschehen vorhanden; spürbar ist auch die Byhtuitive Erkenntnis, daß Erziehung zum bewußten Judentum, g'SWissen um jüdische Dinge und Kenntnis jüdischer Vergangen- ^•heit, jüdischen Geistesgutes und Bindung an die jüdische Ge- &meinschaft eine Notwendigkeit für den heranwachsenden jungen Juden seien. Die Richtlinien bemühen sich, diesem Streben Richtunig jimd Form zu weisen; sie versuchen ein Programm aufzustel- Jiehfidas die religiös-sittlichen Ideen des Judentums zur Grundlage hat, das aber gleichzeitig den Anforderungen, die die |^3e2eriwart an den jüdischen Menschen stellt, Geltung verleiht. 1|||4ngesichts der inneren Zerklüftung des deutschen Judentums s^-t?— gm soiches Programm nicht aus-einem Gusse sein, man mußte versuchen, eine Plattform zu finden, die weite Kreise des deutschen Judentums betreten können. Ein solches Kompromiß hat selbstverständlich Mängel verschiedenster Art, und von der Kritik wird fast allgemein gerade diese nichteinheitliche Haltung der Richtlinien angegriffen. Man übersieht aber wohl, daß die jüdische Gemeinschaft in Deutschland sich den Luxus nicht leisten kann, verschiedene „Richtungsschulen" aufzubauen und zu erhalten, daß schon rein äußere Gründe die Einheitsschule erzwingen. Abgesehen davon müssen wir aus allgemein jüdischen und pädagogischen Gründen eine jüdische Schule fordern, die in ihrer Struktur und Arbeitsweise Anerkennung bei allen Teilen des deutschen Judentums finden kann, die eine innere Aufgeschlossenheit allen innerjüdischen Anschauungen gegenüber hat. Wir wollen nicht Juden irgendwelcher Sonderrichtung erziehen, es sollen Vielmehr junge Juden herangebildet werden, die sich gestützt auf Kenntnis jüdischer Geschichte und judischer Religionsauffassung und vertraut mit den Inhalten jüdischen Kulturgutes, stolz und freudig zu ihrer Gemeinschaft bekennen. II. Ausgangspunkt der Kritik sind für Jacob! die auch sonst in der Diskussion vielfach bemängelten Worte vom „doppelten Urerlebnis, dem jüdischen und dem deutschen". Was ist denn in diesem Ausdruck Neues enthalten, das zu so scharfer Ablehnung herausfordert? Wird hier in veränderter Formulierung nicht etwas ähnliches gesagt wie mit der „Synthese zwischen Deutschtum und Judentum"? oder mit dem Begriff „deutsches Judentum"? Mit keiner Dialektik läßt es sich doch leugnen, daß die jüdische und die deutsche Komponente bestimmenden Einfluß auf die Entwicklung des in Deutschland aufwachsenden jüdischen Kindes haben; hiermit ist allerdings noch nichts über die Stärke dieser beiden Grunderlebnisse gesagt; denn diese werden in jedem Einzelfalle — eben abhängig von den individuellen Erlebnissen — graduell verschieden sein. Daß aber die jüdische Schule bemüht sein muß, neben der selbstverständlichen Entfaltung des deutschen Elementes auch das jüdische zu einer möglichst hohen Intensität zu führen, das dürfte doch wohl ohne Zweifel sein. Denn wozu sonst finden wir uns in der jüdischen Schule zusammenv wenn wir dort nicht jüdische Erziehungsarbeit leisten wollen? Wir übertragen überdies nur die Prinzipien allgemein geltender pädagogischer Auffassung auf das jüdische Schulwesen. Der christlich-nationale deutsche Staat läßt nach Aeußerungen seiner vornehmsten Vertreter sein Erziehungsbild bestimmen von christlicher und deutscher Lebensauffassung, „die deutsche Schule ist eine positiv christliche Gemeinschaftsschule". In. der jüdischen Schule muß in sinngemäßer Anwendung dieser Auffassung das jüdische Grunderlebnis richtungweisend sein. Von der Bewertung des jüdischen Bildungsgutes für den jüdischen Erziehungsprozeß hängt es auch ab, in welchem Umfang man dem Jüdischen Raum im Unterricht zuweist Es entspricht der Tendenz der Arbeit von Jacobi, wenn er sich gegen die Formulierung der Richtlinien wendet, „das Jüdische in w . rl:!!t \H •'M <1'~»^ •i^y^;. - &jTOÄa(»»äÄ2**; •*'^V*fl Jjfc.'itk-.**-' '

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