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Jüdische Schulzeitung · 1934-02-01 · 2 (1.2.1934) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
10 (1934)
Issue
2 (1.2.1934)
Date
1934-02-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 " J ü d is ch e Sch ul ze;i t u ng- - Nummer 2 nigin Isabella, nach und forderte durch ein Dekret die Verwirklichung: dessen, was Torquemada als das höchste Ideal vorschwebte: die Herstellung und Sicherung der Einheit der christlichen Religion auf der ganzen Halbinsel. Von der Beugung unter diese Forderung hing für die Juden Spaniens Verbleiben und Existenz ab. Sie zogen die Treue " zum Glauben der Väter und der Lehre vom Sinai, damit das Elend der Ruhe und Sorglosigkeit vor. — 1492 verließen 300 000 Juden unter zwangsweiser Zurücklassung ihres festen und beweglichen Besitzes, aber innerlich ungebeugt und stolz im Besitze ihres Glaubens, ihrer Ueberzeugung und ihres reinen Gewissens, den Boden Spaniens, der vielen Geschlechtern vor ihnen eine geliebte Heimat gewesen und ihnen zuletzt zur Hölle geworden war. XIII. Aehnlichen Schicksalswechsel erfuhren unsere Vorfahren fast in jedem europäischen Lande und von fast jedem Volke oder dessen Herrscher, ausgenommen die beiden nordischen Staaten. Meist war ihnen nur eine kurze, hin und wieder — glücklicherweise — auch eine längere friedliche Rast gegönnt, während deren die Feindseligkeit der Umgebung schlummerte oder zurückgehalten wurde. Dann aber, als war' es ein unentrinnbares Verhängnis, brach sie doch durch und los — aus irgendeinem Anlaß, der absolut nicht in den Opfern lag, seien es die Kreuzzüge oder der sog. schwarze Tod., sei es irgendeine unsinnige Verleumdung oder Ausgeburt des Aberglaubens. Durch diese schrecklichen Erfahrungen wurden unsere Ahnen — wie sollte es auch anders sein — in ihrer Existenz aufs heftigste erschüttert und in ihrer Seele aufs tiefste bekümmert, aber sie zerbrachen nicht in ihrem Unglück und verzweifelten nicht ob ihres Leides, denn es hielt sie ihre Religäon und ihr unzerstörbarer Optimismus. XIV. Beschränken wir uns jetzt — am Schlüsse unserer Betrachtung — auf das Land, das unserem Empfinden am nächsten liegt. Da will uns das Auf und Ab des Geschehens und Erlebens sym/bolisiert erscheinen im Blinkfeuer eines Leuchtturms. Aufstrahlend kündet es den Schiffbrüchigen und Umherirrenden Ziel und Rettung, schenkt ihnen neuen Mut und neue Hoffnung, verlöschend stößt es hinein in Finsternis und Grauen und mehrt die Ratlosigkeit in dem wilden Spiel der Wellen und Winde. Auf den relativen Hochstand unter Karl dem Großen und besonders seinem Sohne Ludwig dem Frommen, also von 768 bis 840, als man die Juden schätzte als die geeignetsten Vermittler des Welthandels und die Nachkommen der ehrwürdigen biblischen Stammväter, auf diesen Zeitraum, in welchem die Juden Grund und Boden besaßen, Aecker und Weinberge bearbeiteten, folgte — nach Vorwehen — die schlimmielangwährende Periode der Kreuzzüge, in welcher sie als Ungläubige, als Feinde Christi betrachtet und-behandelt wurden. Damals und im weiteren Verlaufe wurden sie Menschen minderen Rechtes und geschmälerter Freiheit und Selbstbestimmung, wurden sie Kammerknechte des Heiligen Römischer. Reiches deutscher Nation mit immer erneut sich steigernden Steuerlasten und Abgaben. Damals wurden sie von der Erdscholle entfernt und ihr entfremdet, vom Erlernen und Ausüben der Handwerke gehindert und auf die Bahn gezwungen, welche zu gehen ihnen dann zum Vorwurf gemacht wurde, nämlich: dem Handel und nur dem Handel sich zu ergeben und nach Geldgewinn zu streben. Damals wurde der Geist gezüchtet, welcher den gelben Fleck, die Verleumdung des Ritualmordes, der Hostienschändung, der Brunnenvergiftung, des Landesverrats ausgebrütet hat. Einen besonderen Tiefstand für alle aktiv und passiv Beteiligten bildet das Jahr 1348, als die Pest, der „schwarze Tod" genannt, in Mittel-Europa wütete. Das Auftreten Luthers und seine Reformation bezeichnet man gewöhnlich als das Ende des „finsteren Mittelalters'4. Für die Juden bestand das Mittelalter noch weit, weit länger und für sie hat es ganz noch nicht aufgehört. 1574 aus der Mark Brandenburg vertrieben, 1671 in kleiner Zahl wieder zugelassen, wurden sie von denpreußischen Regierungen mit Mißtrauen und ohne Wohlwollen behandelt. Erst das Eindringen der französischen Revolutions- und Menschheitsideen und die dringende Notwendigkeit, dem durch Napoleon völlig niedergebeugten Staate alle brauchbaren und nützlichen Kräfte dienstbar zu machen, brachte den preußischen Juden durch das sog. Emanzipationsedikt vom 11. März 1812 endlich, endlich die Erfüllung ihrer heißen Sehnsucht und des unermüdlichen Strebens ihrer Vorkämpfer: daß sie zu „Einländern und Preußischen Staatsbürgern" erklärt wurden. Freilich, das volle, gleiche und tatsächliche Recht erlangten sie damit nicht, aber es war doch ein gewaltiger Fortschritt; sie konnten nicht mehr Knall und Fall ohne Angabe eines Grundes ausgewiesen werden. - XV. Es hatte vorher nicht der Emanzipation bedurft, daß die Juden, wo immer sie weilten, also auch in Preußen- Deutschland, mit ganzem Herzen und in aufrichtiger Gesinnung das Wort des Propheten Jeremia befolgten: Such das Wohl der Stadt und des Staates, wohin ich euch geführt habe, denn ihr Wohl ist auch euer Wohl." Nun nach der Emanzipation konnten sie in ihrem Streben, dem Lande, das ihnen eine Heimat geworden war, mit allen Kräften zu dienen, nur noch angeeifert werden. Was die deutschen Juden in diesen 120 Jahren seit der Einbürgerung auf allen Gebieten edler Betätigung zum Heile und Ruhme des Vaterlandes geleistet haben, das ist in die Geschichte eingeschrieben, das haben von Fall zu Fall ehrliche und begeisterte Berichte gemeldet und das wurde auch in Deutschland anerkannt. Wir dürfen das Bewußtsein haben, daß wir unsere Pflicht gegen Staat und Volk, auch in der Hingabe von Gesundheit und Leben, in vollem Maße erfüllt haben. Mit tiefem Schmerz stehen wir an einer Wende von schier unfaßbarer Schwere". Wir könen sie noch nicht überschauen. Vielleicht auch, daß sie sich eben wegen ihrer Größe und weitgreifenden Verzweigthe^t zu einer Wende für die gesamtjüdische Geschichte auswächst, deren harte Probleme nur von der Gesamtheit der Völker gelöst werden können. Was können wir in dieser Lage tun? Unsere Führer, die Männer, die wir als Führer gewählt haben oder die als unsere Führer auftreten, müssen mit heißem Herzen und kühlem Verstände Mittel und Wege eines Modus vivendi, einer Lebensmöglichkeit, suchen. Den schlichten einzelnen unter uns bleibt nichts anderes übrig, als weiter unentwegt und treu unsere tägliche Pflicht„zu erfüllen. Bewahren aber müssen wir alle uns das felsenfeste gläubige Vertrauen'unserer Vorfahren, die in aller Not beteten und wußten: Ad heno asorunu rachamecho w'lau asowunu chassodecho w'ai titscbenu lonezach- Bis hierher hat uns deine Barmherzigkeit, o Gott, beigestanden und hat uns deine- Gnade nicht verlassen, so wirst du uns auch in aller Zukunft nicht preisgeben. Damit müssen wir uns abfinden: einzelne, ach zu vieleeinzelne werden fallen und zugrunde gehen, aber, was das Höhere ist: das Judentum wird bestehen für alle Ewigkeit. Redaktionelle Vomotiz zu dem Aufsatz „Zur Frage der jüdischen Lehrerbildung"! Dieser Aufsatz lag uns bereits vor, als folgende Meldung vom Preußischen Landesverband veröffentlicht wurde: Der Preußische Landesverband hat beschlossen, zum 1. April 1934 in Berlin eine Volksschul-Lehrerbildungsanstalt liberaler Richtung zu eröffnen. Er hat ferner beschlossen, eine igleiche Anstalt konservativer Richtung in Preußen zu begründen, sofern sich diese Neugründung neben der Würzburger Lehrerbildungsanstalt als notwendig erweisen sollte. — Die folgenden Ausführungen mögen als Grundlage dienen zu einer weiteren Behandlung dieser überaus wichtigen Frage. Die Schriftleituttg;:

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