Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 1 (1.1.1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Jüdische Schulzeitung Nummer I v Eingesandt Zur Mahnung des Vorstände» den jüdischen Erholung«* und Altersheims für Lehrer und Kantoren in Bad Ems Der Mahnruf des Vorstandes in Nr. 12 unserer Schulzeitung hat mich tief erschüttert; von fast 3000 jüdischen Beamten etwa 700 Mitglieder, unter denen nur 200 im abgelaufenen Jahre ihren Beitrag entrichtet haben und aus der Reihe der Säumigen auf Anmahnung ganze fünf ihrer Pflicht nachgekommen sind! Diese Haltung ist nicht nur tief beschämend für unseren Stand, sondern muß auch lähmend auf die nicht genug anzuerkennende rege Tätigkeit des Vorstandes für die Ausgestaltung zu einem wirklich behaglichen Heim wirken. Ich habe im vergaingenen Sommer dort sechs Wochen verbracht und war nach jeder Richtung hochbefriedigt über» •die gebotene Pflege und liebevolle Betreuung, die die Oberin jedem Gaste unermüdlich erwies. In diesem Urteil waren die . zahlreichen Gäste durchaus einmütig und zeigten dies durch häufige Bekundung ihrer aufrichtigen Dankbarkeit. Darum wende ich mich als einer der Senioren der jüdischen Lehrerschaft an meine Kollegen mit der herzlichen Bitte, den Vorstand mit allen Kräften für die Erhaltung dieses gemeinnützigen Instituts durch Zahlung des Jahresbeitrags und Besuch des Heimes zu unterstützen. Ich bin überzeugt, daß jeder mir dankbar sein wird, der auf meine Anregung hin seine Ferien in Ems verbringt o<Ier im Ruhestand dort Aufnahme sucht. Liepmannssohn, Minden i. W. Literarisches Dr. Bernhard Isaak: Der Religionslibcralisinus im deutschen Judentum. Leipzig 1933. 1,80 RM.. Es ist ein sicherer Führer durch den langen Entwicklungs- . weg des jüdischen Liberalismus von den biblischen Zeiten her bis zu seinen leisesten Ausläufern in unseren Tagen. Seine Etappen werden durch den urteilsklaren Ueber- und Einblick in die Tendenzen, religiösen Gefühlswerte und den Gedankengehalt ihrer Wegbereiter gekennzeichnet. Ihre Angleichung an die herrschenden Gegebenheiten der I Vweit vor allem der europäisch weltlichen Kultur führen über die Lösung der von den Propheten geforderten Aufgaben der Menschheit zur Vervollkommnung der innerlich geistigen Persönlichkeit in mannigfaltigster Gestalt. Nur sollten nicht länger statt des unverbrüchlichen Festhaltens an dem gleich Gott selbst unveränderlichen Pol der lauteren jüdischen Gotteslehre (torat adonai) synkretistisch der religiöse Begriff des Glaubens ge- , setzt werden, der im. christologischen Sinne, nach Hab. 2, 4, an die Dogmen der Trinität, des Gottmenschen und Sakra- 1 mentsdienstes gemahnt. Im ganzen kann das praktische Handbüchlein dem Religionslehrer, aber allgemein auch dem gebildeten Juden manche wertvolle Aufklärung über aktuelle Tagesfragen .geben. , . Dr. Max Golde. * T h o m a s M a nm: Die Geschichten Jaakobs. Roman. 1933. S. Fischer Verlag, Berlin. „Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergründlich nennen?" So beginnt das Werk Thomas Manns, der Roman um biblische, um jüdische Gestalten, das Buch, das der deutsche Dichter und Schriftsteller in einem Jahre erscheinen läßt, das für uns Juden wiederum Schicksalswende — unzählige Male in der Geschichte erlebt — bedeutet. Die ungeheure Wucht der Gestalten, wie die Bibel sie formt, jener Gestalten, die Dubnow als eine „Versinnbildlichung bestimmter historischer Vorgänge" gedeutet haben will, nituß dem großen Erkenner und Deuter der Seelen. Thomas Mann, Anreiz genug gewesen sein. Und er weiß zu schöpfen im Brunnen der Vergangenheit, weiß aber auch, jeno Gestalten zeitlos zu machen, urewig und nie endend. Da ist nicht die chronologische, uns zur Gewohnheit, gewordene Reihung, Ursache und Wirkung vertauschen hie und da scheinbar die Plätze, aber mehr und mehr fesselnd und packend wirkt die gegebene Folge der Geschehnisse in diesem überaus weiten Rahmen, der die kulturhistorische Entwicklung ganzer Völker und StHmmo spiegelt, die enge Verknüpfung von Mensch und Erde, die Furcht und Ehrfurcht vor den geheimen Kräften der Gestirne, ihrem ewigen gleichen Kreislauf, das Suchen der Primitivem wie der schon ihre Zeit Ueberragenden — Jaakob — Joseph — nach dem Urgrund der Dinge, nach dem Göttlichen, wiedergibt. Mythologisch-Mystisches — die Bibel läßt es uns nur ahnen — hier ist es hineinverflochten in das Leben der Urväter, eben jener Gestalten, die Sinnbilder, Beispiel wurden dem Volk der Religion. Gerade die Verwirrung, die Verknüpfung der Kulterscheinungen, der Lebensauffassung jener Seßhaften und Nomaden im großen Umkreis Uruschalims läßt stärker die Gestalten hervortreten in ihrer einheitlichen Linie, die Vorläufer wurden dem Volk des Eingottgedankens. Plastisch dieser Joseph in seiner überragenden Intelligenz, jedes Wort erwägend, dieser Jaakob, unruhig bis zu den spätesten Jahren, gehetzt, geprüft, suchend und grüblerisch, seiner Fehler bewußt und doch so menschlich, der „Erdenkloß'4 Laban, philisterhaft, berechnend, ganz und gar noch in niederem Kult lebend, die beiden Schwestern, die „Gehaßte" und die „Geliebte" selbst wahrhaft Liebende, die einzige, die Verstehen zeigt dem Gottsucher: „Ohne Rahel mußt du's nun sinnend ausmachen, wer Gott ist-'* Wenig kann man wiedergeben im Rahmen einer kurzen Besprechung; aber dem Forscher ist ein weites Feld gegeben, unendlich viel s^oten vom Uralten, alles Ueberdauernden, gesehen mit den Augen des modernen Philosophen und Psychologen, niedergelegt mit -der Kraft und Klarheit des Dichters. Cilli Marx. * Rabbiner Dr. A. A11 n? a nm: Was ist jüdische Theologie? Hermonverlag Frankfurt a. M. Der Verfasser setzt sich mit den Vertretern der dialektischen Theologie, insbesondere auch mit dem jungen jüdischen Theologen Schoeps auseinander. Im Mittelpunkt seiner Untersuchungen stehen die Begriffe Volkstum und Offenbarung als konstituierende Elemente einer möglichen jüdischen Theologie. Das Judentum kennt keine Kirche als autoritäre Mittlerin der Offenbarung. An ihrer Stelle steht das Volk, das durch den Bundesschluß am Sinai unaufhebharer Theokratie anheimgegeben worden ist. Im Zentrtlfh jüdisch-theologischer Arbeit steht die Halacha und damit die Entfaltung ihres Sinnes in fortdauernder Forschung. Religiöse Entscheidungen werden von menschlichen Instanzen getroffen, die Rezeption durch das Volksbewußtsein spielt dabei eine wesentliche Rolle. Ani gesichts der gegenwärtigen jüdischen Situation gilt es, von neuem die Prinzipien halachischer Arbeit zu sichten, so z. B. im Hinblick auf die Schwierigkeiten der Sabbatruhe in Erez Israel. Der Jude unserer Zeit, der weithin* vom Gesetz entfernt ist, kann erst dann wieder in dje Kontinuität seines Seins einbezogen werden, wenn er sich dem jüdischen Volke einfügt. So gesehen gewinnt der Wiederaufbau Palästinas seine besondere Bedeutung. Das Büchlein Altma-nns enthält sehr wertvolle Darlegungen in gedrängter Form, und man darf ihm viele Leser wünschen. S. B. Zur Besprechung liegen vor: S. Schachnowitz: Licht aus dem Westen. Roman. Hermon-Verlag, Frankfurt a. M. 1933. Bücherei des S c h o c k e n - V e r 1 a g s 1 bis 5. I Beschwerden über unpünktliche Zustellung oder Nichtlieferung der Jüdischen Schulzeitung bitten wir nur an die zuständige Postanstalt oder an den Briefträger zu richten. Die Jüdische Schulzeitung ist durch die Post eingewiesen und nur diese ist daher für Beschwerden zuständig.