Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 1 (1.1.1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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10. jahrgang 'Hummer 1 GERMANIA D.-A.1V YjüDAlCA 1100 Exemplare chulzeitung Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichsverbandes der judischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin W 50, Spichernstraße 19) Die „jüdische Schulzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats Poitbezugspreis: i,- pro Qujrtal. Mannheim, den 1. Januar 1934 Druck und Verlag' Gebrüder Neubauer, Ludwigthafen a. Rh. Verantwortlicher Schriftleiter Dr. S. Braun, Köln, Lütowstraße 39 Aus dem Inhalt dieser Nummer: Was kommt nach der Volksschule? Wendepunkt in der jüdischen Geschichte von M. Abraham-Berlin. Rassenfragen in der jüdischen Schule von Dr. Kurt Lewin-Berlin. Gebet des Verfolgten von Dr. M. Spanier-Berlin. Sorgen um jüdische Jugend. Um Aufbau und Ziel der jüdischen Schule. Aus dem Lehrerverband. Persönliches. Literarisches. 1 Was kommt nach der Volksschule? f S.B. In der letzten Nummer dieses Blattes waren die Mög- I iklikeiten der Begründung und Aufrecliterlialtung der jüdischen I Volksschulen erwogen worden. Die Untersuchung er- | -{ab, daß es wahrscheinlich zu einer starken Zunahme jüdischer \ Volksschulen kommen werde, weil dieser Schultyp derjenige sei. der im wesentlichen für die Zukunft der deutschen Juden in Präge stehe. Noch werden die Höheren Schulen von einer 5 ins Gewicht falleimden Menge jüdischer Schüler und Schü- 1 krinnen besucht Indes kann es nicht ausbleiben, daß schon \ -ehr bald die Anzahl erheblich zusammenschrumpfen wird. I'afür sorgen, ganz abgesehen von den wirtschaftlichen und psychologischen Sachverhalten, die staatlichen.Bestimmungen. Es erhebt sich die Frage, ob denn die geistige Ausbildung der jüdischen Jugend mit dem Abschluß der Volksschule ihre Beendigung finden solle, Oder ob nach Mitteln und Wegen zu Midien wäre, die eine Weiterbildung ermöglichen würden. Ohne Zweifel sind gegenwärtig stark fühlbare Neigungen le-; bendig, körperlicher Ertüchtigung den Vorrang vor geistiger Arbeit zuzuerkennen. Man huldigt der Meinung, es werde der I Msclien Jugend in der Welt kein Raum zu Berufen bleiben, * #e auf dem Wege des Studierens gewonnen würden; statt der : Minne werde die Faust hinfort zu arbeiten haben, und da; r'Jtze eine weitgehende Schulbildung nichts. Der Begriff .,Bej nisumscliichtung" im Sinne der Hinwendung zu körperlicher ■ Arbeit beherrscht weithin die jüdischen Menschen und bringt \ zu einer Einschätzung geistiger Schulung, die eigentlich \ dem Volk des Buches fernliegen sollte. Ks kann nicht bezweifelt werden; daß in der Tat eine •tarke Abwendung von den Berufen wird erfolgen müssen, \ ^nen die deutschen Juden vorwiegend angehört haben. Das; Handwerk und die Landwirtschaft werden in Zukunft sehr viele tische Menschen beschäftigen müssen, selbst wenn Neigung 2nd Fähigkeit in andre Richtung weisen sollten. Das heißt aber •■cine.swegs. daß die Beschäftigung mit den geistigen Din- »*n der Welt in den Hintergrund treten dürfe. Abgesehen da- °n. daß es auch weiterhin bestimmte Möglichkeiten zur Er- -eitnng geistiger Berufe geben wird, etwa den des Lehrers. Rabbiners, des Kairotors, vielleicht auch des Arztes für die -■"tischen Kranken u. a. m., abgesehen davon müssen Einrichten getroffen werden, die eine über das in der Volksschule Erreichte hinausgehende Bildung zu vermitteln in der Lage •nü. Es darf unter keinen Umständen dahin .kommen, daß in en*rer. Mitte demnächst die geistige Armut zuhause, ist, das sind wir unserer Geschichte und unsern Nachkommen schuldig, ja, wir dürfen sagen, das wäre ein Zustand, den wir gar nicht ertragen könnten. Wie sieht es mit Fortbildungsmöglichkeiten aus? Was hat zu geschehen, um sie zu fördern und zu vermehren? Wir haben in Deutschland eine Anzahl höherer j ii d i s eher Schulen, so in Berlin, Breslau, Leipzig, Frankfurt, Hamburg und Köln. Es darf angenommen werden, daß die Zahl der sie besuchenden Schüler sehr stark anwachsen wird, es hat sich bereits in diesem Jahre ein lebhafter Zuzug zu ihnen bemerkbar gemacht. Air» geeigneten Lehrkräften fehlt es nicht; der normale Abgang kann ohne Schwierigkeit ersetzt werden, weil eine große Reihe jüdischer Akademiker an den allgemeinen höhern Schulen nicht mehr tätig sein dürfen. Wie diese jüdischen Schulen ihren Lehrplan umzugestalten hätten, das zu untersuchen gehört nicht in den Rahmen dieser Betrachtung; es soll ein. andermal darüber gesprochen werden. Eines muß allerdings schon jetzt angedeutet werden, weil es wichtig erscheint im Hinblick auf die Sonderaufgaben, die möglicherweise diese oder jene jüdische höhere Schule haben wird. Gegenwärtig liegen die Dinge wohl so, daß keine der bestehenden Anstalten, das Recht hat, die Reifeprüfung vorzunehmen. Es ist auch nicht bekannt geworden, daß sich eine bemühe, das Recht zu erhalten. Und dennoch wäre es zweckmäßig, wenigstens die Möglichkeit, die Reifeprüfung abhalten zu dürfen, durch Verhandlungen mit den Schulbehördört sicherzustellen. Denn außer den verschwindend wenigen Abiturienten, die zukünftig von den christlichen Schulen kommen werden, dürfte eine Anzahl weiterer Schüler mit Reifezeugnis nötig sein. um. die Berufe aufzufüllen, zu denen uns Juden der Zugang aus naheliegenden Gründen idicht versperrt werden wird. Sehen wir von diesen wenigen höheren Schulen, die da sind, ab, so bleibt wenig organisch Gewachsenes auf dem Gebiet der über den Rahmen der Volksschule hinausreichenden Fortbildungseinrichtungen übrig. In den verflossenen Monaten sind zwar Lehrhäuser und K irr s e wie die Pilze aus der Erde hervorgeschossen; ihre Schöpfer und Leiter geben ihr Bestes her, um fruchtbar zu wirken, aber es ist doch noch viel Fragwürdiges in dem durchaus ehrlichen Bemühen vorhanden, und es wird die vornehmste Aufgabe sein, an eine solide, sachlich und fachlich gut unterbaute Aufbauarbeit bald heranzutreten. Dabei wird zweierlei zu beachten sein: einmal die Form, die der „Fortbildungsschule4' zu geben ist, sodann der L c Ii r - plan, der der Arbeit zugrunde liegen soll. So wünschenswert die Begründung weiterer höherer Schulen auch wäre, so wenig aussichtsvoll bliebe ein solches Planen, weil die Geldmittel und die Kräfte fehlen, abgesehen ganz davon, daß im Augenblick wenigstens die Behörde die Neuschaffung jüdischer höherer Schulen nicht gestatten würde. Es bleibt demnach nichts tfrtdres übrig, als die Form der Fortbildungskurse und Arbeitsgemeinschaften zu wählen, so wie sie unvollkommen schon jetzt vorhanden sind. Dabei ließe sich auch an eine organische*