Mannheim
Compact Memory

Jüdische Schulzeitung · 1933-12-01 · 12 (1.12.1933) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
9 (1933)
Issue
12 (1.12.1933)
Date
1933-12-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2825247-2825330-2825341--0775-2826411
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nummer ii GERMANIA I Jahrgang! U1DA1CA I 7 ., che Schulzeitung Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichs Verbandes der jüdischen Lehrervereine 1 (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin W 50, Spichernstraße 19) Die „Jüdische Schulzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats. Postbezugspreis: i,— pro Quartal. Mannheim, den 1. Dezember 1933 Druck und Verlag'. Gebrüder Heubauer, Ludwigthafen a. Rh. Verantwortlicher Schriftleiter r Dr. S. Braun, Köln, Lü^owstraße 3a. Inhalt dieser Nummer: Mitarbeiten! Um die jüdische Schule. Elia am Horeb von Rabbiner Dr. Gescheit-Berlin. Schule und Oeifentüchkeit. Vom Schulwerk in Palästina. Vorbilder. Vom Erholungs- und Altersheim in Bad Ems. Aus dem Berliner Schulleben. Persönliches. Literarisches. Mitarbeiten? Die „Jüdische Schillzeitung" ruft ihre Leser zu reger Mitarbeit auf. Dieser Mitarbeit bedarf sie gegenwärtig mehr denn je, weil ihr, dem Sprachorgan des Lehrerverbandes, die Aufgabe gestellt ist, mitzuhelfen an dem geistigen Umbruch der jüdischen Gemeinschaft. Wer immer in dem Chor aufbauwilliger Menschen seine Stimme erhebt, der bemüht sich im wesentlichen um die Jugend. Sie wird ein Erbe in die Zukunft hineintragen, das an Gütern, „die das Leben vergänglich zieren", arm sein wird. Ks kann reich an innerem Wert werden, wenn wir uns der Verantwortung nicht entziehen, die uns auferlegt wurde. Um die Fragen der Erziehuinig und des Unterrichts haben sich in geruhigen Zeiten nur wenig Menschen gekümmert. Es waren die Männer und Frauen, die sich aus Beruf und, Neigung um die heranwachsende Jugend bemühten, und die Lehrerschaft stand in der vordersten Reihe. Heute tritt die Frage der jüdischen Schule in ihrer ganzen Schwere und Tragweite an die Gesamtheit schlechthin heran. Und so gewahren wir einen lebhaften Wetteifer in allen Lagern der deutschen Judenheit, angefangen bei den führenden Spitzen bis hinab in die Kreise des privaten Familienbereiches. Die jüdischen Zeitschriften und Zeitungen aller Richtungen bringen in regelmäßiger Folge Betrachtungen, Anregungen und kritische Bemerkungen zu Erziehungs- und Unterrichtsfragen; da ist es eine Selbstverständlichkeit, daß wir Lehrer"unsere Meinung' in die Oeffentlichkeit hinein saigien, auf daß wir entscheiden den Einfluß auf die Gestaltung kommender Dinge gewinnen. Die .,Jüdische Schulzeitung" hat in vergangenen Tagen ihr Gewicht in die Waagschale der jüdisch-öffentlichen Meinung geworfen," sie will die Tradition in verstärktem Maße fortsetzen und bedarf dazu der tätigen Mithilfe aller derer, die Wesentliches zur Sache vorzubringen haben. Es ist heute nicht die Zeit, aus einer geruhsamen Lebensferne heraus der reinen "Theorie zu dienen; es bedarf vielmehr der Auseinandersetzung mit den Mächten der-Zeit, sofern sie jüdisches Schicksal gestalten wollen. Die Lehrerschaft muß sich aussprechen über .den Sinn der jüdischen Schule, über die Gestaltung der Lehr- ^ündjStiindenpläne, über Stoffauswahl und -behandlung, über 9^£DLJ^ Fortbildung und Berufswahl, über die Arbeit des Lehrers! außerhalb der Schule, über die kommende Lehrerausbildung1 und über vie.es andere, was aus der Situation unserer Zeit1 sich von selbst ergibt. Die wirtschaftliche Lage läßt es nicht , mehr zu, daß sich wie einst die Kollegen zu regelmäßig} zusammentretenden Konferenzen einfinden. Die Möglichkeit, von : Mund zu Mund Gedanken auszutauschen, ist so nicht mehr gegeben. Unsere Schulzeitung hat nach dieser Richtung ihrebesondere Aufgabe. Sie soll der Ort sein, an dem sich das sammelt, was an wertvollem Gedankengut sich dem weiten Umkreis der jüdischen Welt mitteilen! will, die Mitte aber auch, von der her in die Ferne hinein Kraft ausstrahlen soll. Dabei versteht es sich von selbst, daß wissenschaftliche Arbeit, sofern sie der Schule dienen kann, ihren Platz in der Schulzeitung finden wird. Die Schriftleitung ist willens, der ihr vom Verband anvertrauten Aufg'abe zu dienen, sie kann es in dem erforderlichen Maße nur dann, wenn sie aus einer gewissen Materialfütfe heraus das Blatt gestalten darf. Deshalb noch einmal: Mitarbeiten,! Um die jüdische Schule S. B. Die tiefgreifenden Aenderungen im Unterrichts- und Erziehungswesen Deutschlands haben die Juden zwangsläufig zu einer einheitlichen Haituns in der Schulfrage hingeführt: es gibt heute, abgesehen von einigen Außenseitern, niemand mehr, der die jüdische Schule ablehnte. Wir können es uns angesichts dieses Faktums versagen, die mannigfachen Gründe einer derartig bedeutungsvollen Wendung darzulegen. Es hat auch keinen Sinn, rückschauend die alten Freunde der jüdischen Schule zu loben und die neuen, von denen viele aus der Not eine Tugend machen, zu tadei'n; das führt nicht weiter. Was jetzt zu geschehen hat, unverzüglich und ohne Duldung eines störenden Ressentiments, das ist die Errichtung eines kulturellen Neubaus, der zum mindesten an inneremWert dem Hause gleichsteht das unserer Jugend hinfort verschlossen bleiben soll, der allgemeinen deutschen Schule. 2. Die folgenden Darlegungen werden sich darauf beschränken, einigen Gedanken zur Frage der jüdischen. Volks - schule Ausdruck zu geben; die übrigen Schulgebilde werden also unberücksichtigt bleiben mit Ausnahme der Lehrerbildungsanstalten, über die gesprochen werden muß, wenn es sich darum handelt, eine klare Sicht über die Zukunft der Grundschule zu gewinnen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.