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Jüdische Schulzeitung · 1933-07-14 · 7 (14.7.1933) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
9 (1933)
Issue
7 (14.7.1933)
Date
1933-07-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Nummer 7 L 9. Jahrgang Hcrausgegeben vom „Neichsverband der jüdischen Lehrervereine" Monaksschrist für Pädagogik und Schulpolitik Die„Jüd.Schulzeilung" erscheint um den 15. einesjedenMonatsundwird allen Mitgliedern der dem „Reichsverband der indischen Lehrervereine" angeschlossenen eine kostenlos zngestellt. - Post-Bezugspreis für Nichtrnitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg» 14. Juli 1933 Druck, Verlag und Geschäftsstelle: M. Letzmann, Hamburg, ABC-Stratze 57. Fernruf: Samnrelnllnrmer Hamburg 34 0737 Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt- Magdeburg, für den Inseraten teil :L.Kn udsen,Hambnrg. Anzeigenpreis 40 für die Ogespaltene Nonpareille-Zeile. I n h a l t d i e s e r N n m rn e r: Die Schule ist nur eine Erziehungsmacht. Welche Folgen sind daraus abzuleiten? Bon Cl. Sh (Schluß). Walter Eale von Hermine Salvinon. Literarisches. Die Schule ist nur eine Erziehungsmacht. Welche Folgerungen sind daraus abzuleiten? (schlug) . Von Cl. K. Zu den uniformierenden Wirkungen der Schule gesellen sich noch differenzierende. Differenzierend wirkt die Arbeit am Vildungsstoff, wenn jeder Schiilpr sich selbsttätig, seiner Anlage entiprechend, an demselben betätigen darf. Differenzierend wirkt ferner das gesellschaftliche Leben der Schüler untereinander. Ueber- und Unterordnung, Freundschaft und Feindschaft, Gruppen- und Pnrteibildung sind Erscheinungsformen des gesellschaftlichen Zusammenlebens, denen sich der einzelne Schüler, je nach seiner sozialen Veranlagung, unterwirft und die aus seine Charakterbildung von stärkstem Einflug sind. Feder Schüler nimmt innerhalb der Klasse einen individuellen gesellschaftlichen Platz ein und unterliegt gesellschaftlichen charaktersormenden Einflüssen. An den gemeinschaftsbildenden, beziehungsweise gemeinschaftszersetzenden Tendenzen der Klasse, darf der Lehrer in keinem Falle achtlos Vorbeigehen. Zttsammenschlietzende Tendenzen müssen unterstützt und. ausgebaut werden, Tendenzen des Auseinander dagegen möglichst beseitigt werden. Will die Lehrerpersönlichkeit die Klasse zu einer hilfsbereiten werterfüllten Gemeinschaft erziehen, so muß sie allerdings die ihr so günstig gelegene Schulparole „Jeder für sich" unwirksam machen zugunsten des Leitsatzes „Alle für einen und einer für alle". Was unser Notensystem mit seinen Folgeerscheinungen.— wie Streberei, Abschreibe- und Vorsageverbot — an Neid, Egoismus und Schadenfreude züchtet, ist nicht abzusehen. Auch lassen unsere Zeugnisse gemeinschastsethische Momente völlig nutzer Bewertung. Ob ein Schüler streitsüchtig und egoistisch, ob er hilfsbereit und nachgiebig ist, dafür findet sich im Zeugnis keinerlei Ausdruck. Es bedarf eines ausgeprägten pädagogischen Taktes von seiten der Lehrerpersönlichkeit, um derartige gemeinschastshemmende Momente des Schullebens durch positive Gemeinschaftserziehung aufzuwiegen und unschädlich zu machen. Während die Schule einerseits das Gemeinschaftsleben bedroht, begünstigt sie andererseits die Masseneinwirknng. Das Bewutztsein, in eine Masse eingebettet zu sein, die den gleichen Bedingungen unterstellt ist, erhöht die Nachahmungstendenz und die Suggestibilitüt des einzelnen, steigert seine emotionelle Erregbarkeit und bringt dadurch etwaige Hemmungen in Fortfall, so datz die Handlung», bereitschast erhöht wird. Eine Gefahr schlietzt die Wirkung des Massengeistes jn sich: die Masse schwächt die Selbständigkeit des Urteils, ja die Urtcilsselbständigkeit steht geradezu im reziproken Verhältnis zur Stärke des Massengeistes. Diese Gefahr der Massenwirkung saßt Busemann klar in die Worte: „Das Gefühl, verantwortlich zu sein, verschwindet zugunsten eines elementaren Mitgerissenwerdens." (Busemann: „Pädagogische Milreukunde", Abschnitt: Die Schule als soziales und geistiges Milieu. S. 173.) Die Schule bedient sich dieser elementaren Wirkungen des Massengeistes, wenn es gilt, intensive emotionale Gefühle zu erzeugen, wie beispielsweise bei der emotionalen Erfassung nationaler Werte. Im allgemeinen mutz sich die Schule vor einem Zuviel der massensuggestiven Wirkung hüten. Die Masseneinstellnng verleiht der Gesellschaft durchaus kein stabiles Gepräge. Bei allen Gesellschaftsformen im Staats- und Wirtschaftsleben kommt es viel mehr auf Gruppenbildung als auf Massenwirkung an. Nicht die Masse ist Träger ethischen und geistigen Fortschritts. Dieser gründet sich vielmehr aus Kameradschaft. Freundschaft, Führerschaft, Vereinsbildung. Auch in der Schule sind schon Ansätze solcher Geineinschaftsbildungen als Träger von Ideen und Werten zu begrüßen. Es bilden sich Interessengruppen, die einen bestimmten Teilansschnitt eines klnterrichtsgebietes in intensivere Bearbeitung nehmen können, die Begabteren schließen sich zusammen und dieser Znsaininenschlutz mutz z>rr Hilfe der Schwächeren aktiviert werden. Die höheren Klassen haben auch mitunter schon Vereinsbildungen anfzuweisen. seien es Vereine sportlichen oder gar politischen Inhalts. Solche Vereinstendenzen untergraben oftmals die ethische Erziehung der Klnssengemeinschast und gerade weil sie zu einer pädagogischen Gefahr werden können, verdienen sie die besondere Beachtung und Leitung der Lehrkräfte. Bleiben die Vereinsbildungen Heranwachsender Schüler ohne die Beachtung und den Einslutz der Lehrer, so können sie leicht in Opposition zur Schule treten und die Erziehungsarbeit znin Scheitern bringen. In richtige Bahnen geleitet, kann dagegen jede Massenbewegung innerhalb der Schule positive Werte.schaffen. Lehrkräfte, die ans der Jugendbewegung hervorgegangen sind, verstehen meist das Mnfsenbedürfnis der Jugendlichen zu würdigen und in die richtigen Bahnen zu leiten. Jn jedem Falle kommt es darauf an, datz die Lehrerpersönlichkeit das volle Vertrauen ihrer Zöglinge besitzt, datz sie mit Wärme und ganzer Hingabe bestrebt ist. ihren Schutzbefohlenen zu Helsen. Der Lehrer ist der zweite soziale Partner, der dem Schüler in der Schule entgegentritt. Er soll sein Vorbild sein, der Träger geistiger und ethischer Ideen, der Strebende nach wertbetonten Zielen, der Helfende, Heilende. Ist er dagegen nur Träger der Macht und Gewalt, so reicht sein erzieherischer Erfolg über die Vermittlung von Disziplin und Gehorsam nicht hinaus. Nur der Lehrerpersönlichkeit, die ihren Schülern Führer sein kann und sein will, wird es gelingen, eine wertvolle Saat in die jungen Seelen zu pflanzen und zum Keimen zu bringen. Elternhaus und Schule sind diejenigen Milieuformen, die dadurch, datz sich ihr Einfluß über einen großen Zeitraum erstreckt, eine besonder» intOlvfU»»» Wirkung ans das Kind nusiiben. Arbeiten Elternhaus und Schule auf ein einheitliches Ziel hin. so ist diese Arbeit in säst allen Fällen von Erfolg gekrönt. Da

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