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Jüdische Schulzeitung · 1933-06-15 · 6 (15.6.1933) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
9 (1933)
Issue
6 (15.6.1933)
Date
1933-06-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Nummer 6 Msnarsschrifk für Pädagogik und -Schulpolitik 9. Jahrgang Heransgegeben vom „Neichsverband der jüdischen Lehrervereine" Die „Jüd.Schulzeitnng" erscheint um den lü, einesjedenMonals und wird allen Mitgliedern der dem „Reichsverband der jüdischen Lehrer, vereine" angeschlossenen Vereine kostenlos zugestellt. -'Post-Bezugspreis für Nichtmitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, 15. Zuni 1933 Druck, Vertag und Geschäftsstelle: M. Letzmann, Hamburg, ABC-Stratze 57. Fernruf: Sammelnununer Hamburg 34 0737 Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt- Magdeburg, für den Inseratenteil: L.Knudsen,Hambnrg. Anzeigenpreis 40 für die (»gespaltene Nonpareille-Zeile. Inhalt dieser Nu m iner: Die Schule ist nur eine Erziehungsmacht. Welche Folgerungen find daraus abzulciten? Bon El. K. (Fortsetzung). „Zugänge zur Acsthetik" von Dr. S. Aschner. Literarisches. Bei der Schriftleituug eingegangene Bücher, Notizen. Die Schule ist nur eine Erziehungsmacht. Welche Folgerungen lind daraus adzuleite»? *) Von El. K. (Fortsetzung) II. Das grohstndtische Milieu. Während das Lnndkind in einer einheitlichen, in sich geschlossenen, natürlichen Umgebung aufwächst, ist es.das Los des Grotzstadtkindes, in einer ungeheuer vielgestaltigen, komplizierten Welt zu leben. Weiteste Landstriche und Erdteile, ja, streng genommen, die ganze Welt, stellt den Nährgrund der Grotzstadt dar. Ueberall und aus allen Gebieten herrscht hier die Häufung. Häufung der Wohnungen zu Mietskasernen, Häufung der Häuser zu Steinmassen, Häufung der Strotzen, des Verkehrs, der Passanten, der Schaulustigen vor jeder Sensation, der Parteigänger in jeder öffentlichen Versammlung. In Massen werden hier Menschen zu Arbeitsmitteln. Während die Landarbeit von einer kleinen, am Erfolg interessierten Gemeinschaft, bewältigt wird, wobei die Leistung der einzelnen Gemeinschaft unabhängig von der anderen ist, stellt die Arbeit der Grotzstadt einen unablässigen Wettkampf dar, in dein nur die Höchstleistung Wert hat. Hierbei wird die Arbeitsteilung in einem Matze dnrchgefiihrt, die den einzelnen zu höchster Einseitigkeit zwingt um der Schnelligkeit willen. Diese Art der Arbeit erfordert ein höheres Matz von Anspannung, Vielseitigkeit. Anpassnngs- und Umstellungsfähigkeit, Fertigkeit und Kenntnissen. An Stelle der Arbeitsgemeinschaft tritt die Masse. Dem Großstädter droht allenthalben Arbeitslosigkeit, Not, Wohnungsmangel. Die Verlockung, sich durch seichte und kostspielige Vergnügungen Ablenkung von seinen Sorgen zu verschaffen, verfolgt ihn aus Schritt und Tritt. Der einzelne ist ans sich selbst gestellt, die Geineinschaft tritt in der Hast des Tages zurück und gibt ihm kaum mehr einen Halt. All diese Umstände stellen grotze Anforderungen an die sittliche Kraft des Individuums. Die Verlockung ist grotz und der Halt durch die geschlossene Gemeiirschaft gering. Herkommen und Tradition spielen kaum mehr eine Nolle. Es fehlt die Harmonie, die Einheitlichkeit der Weltanschauung, der Wertbegrisfe. Dazu tritt die Masse mit ihrer psychologischen Wirkung und reitzt das Individuum in ihren *) Durch ein Versehen hat diese Arbeit in der vorigen Nummer statt der obigen Ucberschrift nur die Teilüberschrift „Worin besieht das Wesen einer Erziehnngsmacht?" erhalten. Die Schriftleitung. Vorzüge und Gefahren der G r o tz ft a d t. In all ihrem Getriebe, ihrem rasenden Tempo und ihrem Kampf birgt die Grotzstadt aber doch Werte. Mehr denn je bietet sie heute, in einer Zeit, in der sich das ganze Geistesleben um die Metropole kristallisiert, den Sitz der Kultur. Der geistige Horizont wird .erweitert, das Interesse an Volk, Staat und Menschheit geweckt. Trotzdem. spontane naive sympathetische Gefühle für den einzelnen nicht so stark znm Aufwallen kommen, erzieht doch die Grotzstadt durch die Not der Massen zu sozialem Denken und Handeln. Das ästhetische Empfinden wird angeregt durch die grotze Anzahl von ästhetischen und Stileindrücken, die durch Gebäude, Kunst und Schaufenster dem Auge geboten werden. Die Fülle der Eindrücke, die dem Grotzstadtbewohner in jedem Augenblick begegnen, erziehen ihn zur Fixigkeit und Umstellbarkeit. Er mutz sich anpassen und dabei Hemmungen überwinden und Gewohnheiten ablegen. Die Masse der Menschen und Verkehrsmittel, der unaufhörliche Wechsel der Eindrücke erziehen zur Gewandtheit und erhöhen die ZntelleNnalität. So wird die seelische Struktur labiler und differenzierter. In der Schnelligkeit der Grotzstadt geht dem Menschen Ruhe und Selbstbesinnung verloren. Die Grotzstadt stellt eine Erziehungsmacht dar, der positive und negative Kräfte zum Opfer fallen. Diese Macht kann natürlich auch gefährliche Wirkungen zeitigen. Sensationelle Reklame führen dem Passanten allenthalben Luxus vor Augen und lassen ihm diesen Luxus begehrenswert erscheinen, ohne ihm die Mittel zu geben, seine Ansprüche zu befriedigen. Die Erhöhung der Lebensansprüche, die in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Lage steht, sät Unzufriedenheit in die Seele des Menschen, Unzufriedenheit mit seinem Dasein und Neid und Hatz auf den Mitmenschen, den man in einer glücklicheren Lebenslage wähnt. Dazu ist in der Grotzstadt die ' Möglichkeit einer gesunden Entspannung in der Natur nur gering. Das Leben der breiten Masse spielt sich in grotzer räumlicher Entfernung von der Natur ab und es fehlt an Zeit und rnehr noch an Geld, -um hinauszugelangen ins Freie und' von dem natürlichen Anrecht jedes Menschen auf Luft und Licht Gebrauch machen zu können. Die Erziehung des Grotz ft adtkin des: In dieser gedrängten, hastenden Umgebung wächst nun vas Kind heran. Von frühester Jugend an wirken die verschiedenartigsten Eindrücke in einer Ueberfülle und in rascher Aufeinanderfolge auf das Kindergemiit ein und beeinflussen seine ruhige Entwicklung in stärkstem Matze. Schon die körperliche Erziehung des Grotzstadtkindes vollzieht sich im allgemeinen unter ungünstigeren Bedingungen als die des Landkindes. Das Erotzstadtkind wird wohl meist rechtzeitig unter ärztliche Aufsicht gestellt, aber die ursprünglichen Vorbedingungen für ein gesundes Wachstum fehlen in vielen Fällen. Licht, Luft und Sonne werden dem Kind meist nur in beschränktem Matze zuteil. Die Ernährung ist häufig ungenügend, denn die Nahrungs»

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