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Jüdische Schulzeitung · 1933-02-15 · 2 (15.2.1933) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
9 (1933)
Issue
2 (15.2.1933)
Date
1933-02-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nummer 2 9. Jahrgang Monalsschrisl für Pädagogikl und Schulpvliiik Herausgegeben vom „Neichsverband der jüdischen Lehrervereine" Monalsschrifl für Pädagogik und Schulpolitik Die „Jüd. Schulzeirung" erscheint um den 15. einesjedenMouals und wird allen Mitgliedern der dem „Neichsverband der jüdischen Lehrer, vereine" angeschlossenen Vereine kostenlos zuqefteflt. — Post - Bezugspreis für Nichtmitglicder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg» IS. Februar 1933 Druck, Vertag und Geschäftsstelle: M. Lehmann, Hamburg, ABC-Straße 57. Fernruf: Sammelnummer Hamburg 34 0737 Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt -Magdeburg, für den Inseratenteil: L.K n u d s e n, Hamburg. Anzeigenpreis 40 für die 6gefpaltene Nonpareille-Zeile. Inhalt dieser Nummer: Psychoanalyse im Neligionsunterricht von S. Lilienthal (Fort, setzimg). Aus dem Bericht über die Vorstands- und Ausschußsitzung des Neichsverbandes der jüdischen Lehrervereine. Literarisches. Bei dev Schriftleitung eingegangene Bücher. Notizen. für dis Hilfskaffs des Lirdischen Lehrerverbandes in Preußen! Kollegen! Ar»ch in unseren Reihen wächst die Not von Tag zu Tag. Kollegen werden stellungslos, und soweit sie noch im Amt sind, sinken ihre Gehälter unter das bescheidenste Existenziiiimimtm. Da ist es nicht nur sittliche Pflicht, sondertt natürliche Aufgabe einer auf Selbsterhaltung bedachten Gemeinschaft» alle Kräfte anzuspannen, um der^Not entgegenzutreten. Wir richten daher an unsere Kollegen den Appell zur Selbsthilfe! Unsere Hilfskasfe ist erschöpft; die laufenden Beiträge genügen nicht einmal zur Abwendung des krassesten Notstandes. Darum fordern wir alle Kollegen, die heute noch so glücklich sind, Stellung und Einkommen zu haben, zu einer recht baldigen außerordentlichen Spende auf. Niemand weiß, ob er nicht selbst einst noch wird bitten müssen! Spenden bitten wir einzuzahlen auf das Postscheckkonto 83030 M. Abraham, Berlin. Der Borstand des Jüdischen Lehrerverbandes in Preußen Stern Steinhardt Peritz Abraham "■ . ....— - Psychoanalyse im Religions-Unterricht? Von S. Lilienthal-Wiesbaden. (Bortrag, gehalten in der Jahresversammlung des Vereins jüdischer Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau am 20. Mai 1932 im Hotel „Preußischer Hof" in Limburg a. L.) (Fortsetzung) Wir haben es zunächst mit dem Lebens trieb des Kindes zu tun. Er konzentriert sich anfangs ganz allein auf die Mutter, die ihrerseits allein dem Trieb Erfüllung gewährt. Ihre Wärme, Weichheit, Nahrung erregen Lustgefühle im Kind und locken es. Die ersten Erinnerungen des Kindes werden wahrscheinlich durch den Geruchs- und den Tastsinn vermittelt. Was der Vater daneben geben kann, ist anfangs nichts, lange Zeit wenig. ' Dagegen nimmt er dem Kind die Mutter zeitweilig. Je mehr das Kind beobachten lernt, desto klarer wird es ihm, daß fein noch immer einziges Liebesobjekt auch das des Vaters ist, und zwar in einer besonderen Weise, die es vorläufig nur irgendwie dunkel ahnt, aber durchaus mißbilligt. So ergibt sich ein erster Gegensatz zwischen Vater und Sohn, der dadurch verschärft wird, daß der Vater als Exponent der Umwelt vieles verbieten und verhindern muß, was, dem Lebenswillen des Kindes entstammend, mit dem Lebenswillen der Umwelt kollidiert, ihn stört oder beeinträchtigt. Der Wunscherfülle rin Mutter steht also der grundsätzliche Wunschversager Vater gegenüber. Haßgesühle gegen ihn entstehen. Sie werden normalerweise schon sehr bald, allerdings nur größtenteils, verdrängt, weil, je älter es wird.es um so eindringlicher dieWohltaten des Vaters und seinen Schutz erfährt, weil das Ich im Vater den für es mächtigsten Vertreter der zensurierenden Instanzen erkennt, ihn in vielen Fällen geradezu als das Jch-Jdeal anerkennt, dem gleichzuwerden es wünscht. Die Haßregungen, die ja, grob gesagt, Konkurrenzgründe haben, wirken aber noch verfeinert, veredelt, „sublimiert", wie man in der Psychoanalyse sagt, weiter in dem Wunsch, es weiter zu bringen als der Vater, d. h. ihn zu übertreffen, den vielfachen Sieger endlich zu besiegen, um schließlich auch die Mutter wieder ganz für sich zu gewinnen. Nicht umsonst sagt das Volk, daß jeder Mann sich eine' Frau sucht, die seiner Mutter ähnlich sieht, bei der er nicht nur Wärme, Weichheit und Nahrung findet, sondern auch jene nicht bekannte, aber geahnte Art von Liebe, die einst dem Vater allein von der Mutter erwiesen wurde. Ist aber der auswachsende Knabe sicher, seinen . Vater nicht erreichen, geschweige Übertressen zu können, so entsteht jene Art müder Charaktere, die wir an den Söhnen großer Männer oft kennen lernen: an den Söhnen Goethes und Schillers, etwa auch Moses, Napoleons. Ihr Lebenswille ist geschwächt, sie leisten nichts, sterben früh. Im Verhältnis zwischen Mutter und Tochter herrscht dasselbe Prinzip mit gewissen naturgegebenen Abwandlungen. Die Schroffheit der Gegensätze ist geringer, die Hingezogenheit zum Vater von einer gewissen Scheu gehemmt, aber ihrem Wesen nach sehr bestimmt und aus-

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