Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 1 (16.1.1933)
- Date
- 1933-01-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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T Seite 6 Jüdische Schulzeitung Nummer 1 Literarisches Das Spinoza-Heft des „Morgen". Jahrgang 8, Dezember 1982, Nr. 5. Philo-Verlag, Berlin. Preis 2,25 01&. Die von Julius Goldstein begründete Zeitschrift ist ihren Höhenpfad unter der neuen Leitung weitergegangen und erhebt sich zu besonderer Höhe in dem Dezemberheft, dein Andenken Spinozas gewidmet. Ernst Cassirer behandelt „Spinozas Stellung in der allgemeinen Geiftesgofchichte". David Baumgardts Ausführungen über „Spinozas Bild im deutschen und jüdischen Denken" verfolgen die Wirkung und Würdigung des Philosophen durch die Zeiten hin, und der dritte Aufsatz, „Motive in Spinozas Leben" von Leo Baeck, ist geführt von dem Grundgedanken: „In jeder Philosophie, die mehr ist als bloße Spekulation, will der Mensch auch sich selbst und sein Leben erweisen; sie soll nicht zuletzt Lebensantwort sein." Bon größter Wichtigkeit ist neben der Spinoza-Huldigung der Aufsatz Martin Bubers über „Die Brennpunkte der jüdischen Seele". Buber sieht die zwei Brennpunkte der jüdischen Seele in der Unmittelbarkeit zum Dasein und im Wirken der versöhnenden Kraft in einer unversöhnten Welt. Erwähnt sei noch Jakob Wassermanns „Ansprache an die europäische Jugend", in der ein Leid und eine Hoffnung herzbewegende Worte finden. K r i e cf, Ernst: Grundlegende Erziehung. Heft 25 der erziehungswissenschaftlichen Veröffentlichungen der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt. Verlag Kurt Stenger, Erfurt 192». Preis kart. 2,25 m Nur schwer kann man heute ohne Voreingenommenheit an das Studium, wie an die Besprechung einer Schrift von Professor Krieck gehen, der sich durch seine Veröffentlichungen in letzter Zeit offen zum Nationalsozialismus bekannt hat. Er ist ein scharfer Gegner des „Weimarer Systems", und in seinem Buch „Nationalpolitische Erziehung" .hat er ein Vildungs- und Erziehungsprogramm des Nationalsozialismus ausgestellt. Kriecks Wendung zu diesem politischen Standpunkt hat sich in den letzten Jahren vollzogen. In der vorliegenden — 192» erschienenen — Schrift finden sich nur erst leise Andeutungen; an einzelnen Stellen merkt man das Hinneigen zu Gedankengängen des Nationalsozialismus. Das braucht uns aber keineswegs abzuhalten, die Schrift zu lesen. Es ist eine tiefgründige Arbeit, die uns mitten hineinführt in die Fragen der reinen Erziehungswissenschaft. In drei Vorlesungen werden hier folgende Probleme behandelt: 1. Der soziale Begriff der Erziehung, 2. Volk als Träger der Erziehung, 2. Staat und Erziehung. Im ersten Kapitel wird der Begriff der Gemeinschaft und ihre Bedeutung für die Erziehung des Menschen erörtert. „Für den Einzelnen gibt cs kein Wachsen, zumal kein seelisches Wachsen als unter der Voraussetzung des Lebens in der Gemeinschaft, also der beständigen Wechselwirkung." Krieck lehnt jede autonome, d. h. aus dem Eemcinschaftszusammenhang losgelöste Erziehung ab; er sicht vielmehr die Aufgabe der Erziehungswissenschaft darin, mit dem „Autonomiewahn einer auf Isolierung gestellten Pädagogik" endlich Schluß zu machen. Krieck spricht dann weiter von der Bedeutung und Wirkung der erzieherischen Funktionen der einzelnen Gesellschaftsordnungen, von denen die Wachstumsbeeinflussung ausgehen und denen der Nachwuchs eingegliedcrt wird, beginnend bei der Familie und den kindlichen Spielkameradschaften bis zum Staats- und Volksbürgertum ufw. Dabei kommt der Verfasser zu der Auffassung, daß „entscheidend für Schicksal und Werdegang des Menschentums aber nur eine Art . der Gemeinschaft sein kann, die ihre Glieder auch möglichst von allen Seiten her erfaßt, sie nach allen Richtungen hin bestimmt und formt." Und eine Gemeinschaft dieser Art ist nur: das Volk. Das Volk erzeugt alle Funktionen, die von den einzelnen Gesellschaftsgebilden uur organisiert und gepflegt werden. Wachstuin. Erziehung und Bildung sind ursprüngliche und notwendige Aeußerungen des Lebens in der Volksgemeinschaft. „Das Problem .Volk' umschließt das Wesen der Erziehung mit allen anderen Ursunktionen des Gemeinschaftslebens." „Staat" ist der unmittelbare Ausdruck des Volkswillens nach außen und innen, und jeder Staatsbürger ist Träger des Staates. Zwischen Staat und Erziehung steht eine einheitliche Aufgabe: die Erziehung ist dein Staate ebenso wesentlich aufgegeben wie der Staat der Erziehung. Sie ist von einem starken Staat bedingt und wiederum ' für ihn bedingend' und ohne ihn hängt sie wirkungslos in der Luft. Anderseits beruht „die Lebenskraft des Staates darauf, daß die Ordnungen und Aufgaben des Staates in den Gesinnungen, in Wollen und Haltung des Staatsbürgertums ihre Entsprechung und Verwurzelung finden: Ohne diese erzieherische Leistung ist der Staat nicht lebensfähig. Zum Schluß weift Krieck noch auf die gegenwärtigen Kritischen Verhältnisse in Deutschland hin. die nach seiner Ansicht nur durch Errichtung eines „wirklichen Staates" sich beheben laffcu werden. Das ist — wie K. sich ausdriickt — eine Lebensnotwendigkeit für das deutsche Volk und eine notwendige Voraussetzung für eine Reform der Erziehung überhaupt. Es ist eine gedankenreiche Schrift, die eine Fülle voy Mkßkuusen gidk. In den drei Aufsätzen har Krieck das Ganze seiner Anschauungen über Erziehung in übersichtlicher und klarer Form dargelegt. Trotz der eingangs von mir geäußerten Bedenken möchte ich die Lektüre und das Studium dieser Schrift nur empfehlen. Schäler, Gotha. Martin Frankenburger: Rechtsstellung und Neugestaltung der bayerischen Rabbinatsbezirke. Verlag B. Heller, München." \ Wer die Verhandlungen des Verbandes bayerisch-israelitischer ' Gemeinden über die Neuordnung der Rabbinatsbezirke verfolgt hat, kennt die Schwierigkeiten, die bei Erstellung dieser Vorlage zutage traten. Der Hemnisse erstes aber ist, daß der Verband keine „innerkirchliche Stelle mit absoluter Organisationsbefugnis" ist. Sein Machtbereich ist rechtlich beschränkt. Er muß deshalb mit dem historisch Entstandenen, dem Gewohnheitsrecht und dem guten Willen der autoritären Gemeinden paktieren, wenn er die Bezirksorganisation aufbauen will. Das wird durch das vorliegende Buch deutlich gemacht, das m. W. als erstes zusammenfassend über diese Materie spricht. Es zeigt in übersichtlicher Weise die Grenzen rechtlicher Art. die dem Verbände gezogen sind, untersucht nach einem, den schwierigen Stoff hierdurch vorzüglich klärenden geschichtlichen Rückblick die Formen, in welche sich die Rabbinatsbezirke fassen lassen, nach ihren Vorzügen und Nachteilen. Das Buch stellt sich damit den beschließenden Gremien des Verbandes als eine wertvolle Hilfe dar bei den ihnen noch bevorstehenden Arbeiten. Trotz genauester juristischer Beweisführung befleißigt sich der Autor zugleich einer allgemeinverständlichen Darstellung, so daß seine Abhandlung auch allen geschichtlich und jüdisch Interessierten bestens empfohlen werden kann. S. Brückheimer. H. Werne ke : 1. Der Friedensgedanke in den französischen Schulbüchern. (Lesestücke und Gedichte. Preis «>» Pf.) 2. Verständigung oder Deutschland und Frankreich Hand in Hand. Preis 50 Pf. Verlag Werneke, Kehl in Baden. Beide Heftchen dienen der pazifistischen Idee. Wir haben in Nr. 11 dieser Zeitschrift und in Nr. 115 der „Blätter für Erz. und Unterricht" auf den hohen erzieherischen Wert im Sinne des pazifistischen Gedankens des ersten Heftchens hingewiesen und können auch die beiden vorliegenden nur angelegentlichst empfehlen. M. St. Rudolf M a n n : 1. Friedrich List, der Schöpfer des deutschen Eisenbahnwesens. 2. Robert Mayer, Ein Begründer neuzeitlicher Raturerkcnntnis. Berlin W 9 und Leipzig. Hermann Hilger Verlag. Die uns vorliegenden Hefte -120 und 122 der vom Dürerbund hernusgegebenen Deutschen Jugendbücherei bringen in Gestalt von Monographien zwei interessante Kulturschilderungen: sie 'zeigen uns die Entwicklung neuzeitlicher Naturerkenntnis und die Entstehung des deutschen Eisenbahnwesens. Für die reifere Jugend f e h r l e s e n s w e r t. M. St. Breuer, Salomon, Belehrung und Mahnung» l. Teil, Genesis, XU u. 10S S., u. ll. Teil, Exodus, 89 S. Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1920/21. Die vorliegenden, schon ausgestatteten Werke aus dem Nachlasse des Frankfurter Rabbiners, der bekanntlich einer der größten Talmudgelehrten Deutschlands war, tragen sprachlich und inhaltlich ein eigenartiges Gepräge. Aus den hier schriftlich fixierten Reden atmet der Geist seines Schwiegervaters und Vorgängers, S. N. Hirsch, vor allem aber der Geist seines großen Meisters,, des rühmlichst bekannten Preßburger Rabbiners -Schreiber, des Verfassers der Werke „Kessuw SolVr“. Was wir hier lesen, sind eigentlich keine Predigten im modernen Sinne, sondern ist klassische Homiletik, die zu sehr an die Art des Kcssaw Sofer erinnert. Aber nicht nur der Inhalt, sondern auch die Sprache dieser Reden sind ganz dem Milieu, vor dem sie gehalten waren» angepaßt. Mit Recht sagen die Söhne des Ver- 1