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Jüdische Schulzeitung · 1932-12-15 · 12 (15.12.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
8 (1932)
Issue
12 (15.12.1932)
Date
1932-12-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Stummer 12 Monalsschrist für Pädagogik und Schulpolitik s. Jahrgang Herausgegeben vom „Reichsverband der jüdischen Lehrervereine" Die „Jüd. Schulzeitung" erschein: um den 15. eines fedenMonals und wird allen Mitgliedern der dem „Reichsverband der jüdischen Lehrervereine" angeschlossenen Vereine kostenlos zugestellt. — Post.Bezugspreis für Nichtmitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg» 18. Dezember 1932 Druck, Vertag und Geschäftsstelle: M. Lehmann, Hamburg, ABC-Straße 57. Fernruf: Sammelnuntmer Hamburg 340737 Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt -Magdeburg, für den Inseraten teil: L.K n u d s e n, Hamburg. Anzeigenpreis 40 für die Ogespaltene Nonpareille-Zeile. Inhalt dieser Nummer: Im Kamps um die Wahrheit der Bibel, von Alfred Spier. Jüdische Fragen im neufprachlichen Unterricht von Studienrat M. Simon, Tilsit. „Exotische Juden" von I. Bayer. Literarisches. Bei der Schriftleitung eingegangene Bücher. Notizen. 3m Kampf um die Wahrheit der Bibel Bortrag von Alfred Spier, Hannover. Das Thema der letzten'Berbandsperiode lautete „Apologetik im Religionsunterricht". Das Thema war wohl so gedacht, daß wir uns darüber klar würden, ob und wie wir unsere Schüler für die Auseinandersetzung mit der judenfeindlichen Umgebung vorbereiten. Die Angelegenheit hat aber noch eine andere Seite: „Apologetik im Religionsunterricht" bedeutet auch Auseinandersetzung mit den Weltanschauungen, die dem Judentum, wie überhaupt jeder theistischen Religion feindlich gegenüberstehen. Diese im allgemeinen zu wenig berücksichtigte Seite des Problems näher zu beleuchten, habe ich mir zur Aufgabe gesetzt. Der Kampf gegen den Antisemitismus ist schon aus dem Grunde leichter zu führen als der weltanschauliche Kamps, weil er sich nur gegen äußere Feinde richtet. Der Kampf um unsere religiöse Weltanschauung muß nach außen und innen geführt werden. Und die äußeren Gegner sind nur zum kleinsten Teil diejenigen, die uns unsere Existenzberechtigung.als Juden absprechen. In bedeutend größerem Maße sind es Menschen, die uns und denen wir nicht unsympathisch gegenüberstehen. Wenn cs in dieser Frage ja auch in erster Linie darum geht, die Unseren in jüdisch-religiösem Sinne zu beeinflussen, sie für das religiöse Judentum zurückzugewinnen, bzw. als Lehrer der Jugend diese dem religiösen Judentum zu erhallen, so dürfen wir doch nicht bie; Wichtigkeit der Aufklärung nach außen verkennen. Ich erinnere an die Haltung der österreichischen Sozialdemokratie, die eine lebhafte Agitation auch für den Austritt aus der jüdischen Gemeinschaft führt. Ich erinnere weiter an die Frage. des Schächtoerbotes, bei der auch zuweilen die'Sozial- ■ demokraten mit den reaktionären Parteien stimmen. Was wir in diesem Falle erlebt haben, das kann uns natürlich auch auf anderen Gebieten blühen; siehe Rußland! Meine Ausführungen gelten also ebenso für unsere Tätigkeit als Jugenderzieher, wie für unsere Auseinandersetzung mit Nichtjuden. Der Unterschied liegt nur in den Methoden, in der Taktik. Aus welchen Quellen schöpft nun die n- resp. die antireligiöse Weltanschauung ihre Kraft? Diese Frage müssen wir stellen, wenn wir über ihre Bekämpfung uns klar werden wollen. , Die Waffen der Gegenseite find gefllhls- und vernunftmüßiger Natur. Aus rein gefühlsmäßigen Gründen, wenn auch gestützt auf die Philosophen der Aufklärung, setzte die französische Revolution an Stelle des bisher wenigstens öffentlich allgemein anerkannten Gottes die Vernunft. Die Träger der katholischen Kirche — nur sie kamen für Frankreich in Frage — hatten ihre Macht mißbraucht, also taugte die Kirche nichts; also war es ein Unding, den Gott dieser Kirche anzuerkennen. Ohne weiteres wurde dieser Gedankengang auf jeden Gott, auf jede Religion angewandt. Und auch die jüdische Religion, deren Träger doch seit zwei Jahrtausenden aller Machtmittel entäußert waren, mußte sich diese Behandlung gefallen lassen. Die Revolution war begraben, Napoleon hatte den alten Gott wieder in seine alten Rechte eingesetzt; aber die Gedanken der Revolution wühlten weiter in den Köpfen. Die Naturwissenschaft kam und versuchte, die Rätsel der Welt zu lösen. Hatte bisher die Antwort der Religion nach dem Ursprung der Welt und der Entstehung des Lebens gelautet: ..Gott hat die Welt erschaffen!". jo begnügte sich die Naturwissenschaft nicht damit. „Gott als Schöpfer des Alls", so sagte und so sagt sie. „das ist fciiiu Antwort, sondern eine neue Frage. Wir suchen eine klare und deutliche Lösung des Lebcnsproblems überhaupt!" Sie suchten und . . . fanden! Wenigstens glaubten sie gefunden zu haben. Darwin stellte die Lehre von der Entwicklung der Arten und dem Kampf ums Dasein auf. Er läßt in seiner Lehre allerdings das Dasein Gottes noch gelten. Haeckel entwickelte den Darwinismus fort zuin Monisnuts. Die „Welträtse!" waren „gelöst". Was die Bibel lehrte, mußte als unwahr bekämpft werden: Die Bibel lehrt die Erschaffung der Welt durch einen Gott. „Stimmt nicht"; die Welt, d. h. die Himmelskörper und das organische Leben sind durch Urzeugung, dieses aus der Urzelle. jene aus dem Urnebel entstanden. Die Bibel lehrt: Die Schöpfung war in 0 Tagen erledigt. „Kindlich naive Anschauung! Der fortgeschrittene, wissenschaftlich geschulte Mensch weiß, daß die Welt, wie sie sich uns heute darbietet, nicht in Tagen, nicht in Jahren, sondern in Jahrmillionen sich entwickelt hat und auch heute noch nicht vollendet ist. sondern sich in steter Fortentwicklung befindet." Nach dem biblischen Bericht hat Gott alle Weltenkörper, alle Lebewesen aus dem Nichts erschaffen. Die Naturwissenschaft sagt: „Eine Erschaffung aus dem Nichts ist unmöglich." Die Bibel lehrt: Als letztes und höchstes Wesen wurde der Mensch erschaffen; er steht über allen Geschöpfen durch die Seele, die ihm der göttliche Schöpfer eingehaucht hat. Die Naturwissenschaft sagt: „Gewiß, der Mensch ist — bisher — das höchstentwickelte Wesen, aber nicht, weil nur er mit einer Seele ausgestattet ist. Beseelt war schon die ttrzelle, aus der alles Leben entstanden ist." Und der Monismus sagt: „Eine Trennung von Körper und Seele, Stoff und Geist, Welt und Gott ist einfach unmöglich. Die Welt ist Gott; das was die Menschen Seele nennen, sind nur Ausdruckserscheinungen des lebenden Körpers, alle geistig-seelischen Vorgänge sind auf körperliche, materielle Vorgänge zurttckzustthren." Und nicht nur die Schöpfungsgeschichte, die ganze Bibel wurde danach beurteilt, ob sie mit der modernen Forschung übereinstimme, und da sich natürlich häufig

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