Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 2 (15.2.1932)
- Date
- 1932-02-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nummer 2 8. Jahrgang {GM cbulzeitung Monaksfchrifi für Pädagogik und Schulpolitik HerauSstegebe« vom „Reichsverband de» jüdische» Lehrerverein«" Die .Jüd.Schulzeilung* erscheint um den lö. eines icdenMonats und wir d allen UiiigtieDern der dem ^Reichsverband der jüdischen Lehrer, vereineangeschlossenen Vereine kostenlos zugeslellt. - Post-Bezugspreis für Nichtmitglieder: Ml. 1.20 pro Quartal. Hamburg» 15. Februar 1932 Druck, Vertag und Geschäftsstelle: M. Lehmann, Hamburg, ABC-Straße 57. Fernruf: Sammelnummer Hamburg 340737 Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt.Magdeburg, für den Inseratenteil: L.Kn u d f e n, Hamburg. Anzeigenpreis 40 $ für die «gespaltene Nonpareille-Zeile. Inhalt dieser Nummer: Zum Tode Georg Kerschensteiners von Dr. Siegfried Braun. Begabung und Frühreife des jüdischen Kindes von Hugo Rosenthal, Berlin (Schluß) DaS Land drr Psalmen von Dr. M. Spanier, Berlin. Literarisches. Bei der Schrlftleitung eingegangene Bücher. Notizen. Aus dem Lehrer-Verbande. Zum Tode Georg Kerschensteluers von Dr. Siegfried Braun. Vor wenigen Wochen ist Georg Kerschensteiner von uns gegangen. Da ziemt es sich, auch in diesen Blättern ein Wort des Gedenkens zu sagen. Mit Kerschensteiners Namen verbindet sich uns geradezu zwangsläufig der Ausdruck „Arbeitsschule". der vor etwa einem Menschenalter ins Kreuzfeuer pädagogischer Kämpfe geruckt wurde und lange Zeit aufs heftigste umtobt war. Die Wogen glätteten sich in dem Maße, in dem Kerschensteiners Anschauungen aus dem Bezirk der Theorie in den der Praxis übergeführt wurden. Auf diesem Wege erfüllte sich das Gesetz, das für alle Grundlegungen zur Technik gilt (und Technik ist nicht die unwesentlichste Seite der Erziehung): das Brauchbare setzte sich durch und befruchtete die Schularbeit in einer Weise, die im Hinblick auf das Zeitalter, in dem Herbarts Geist die Pädagogik beherrschte, revolutionär genannt werden muß. Heute zeigt unter dem überragenden Einfluß Kerschensteinerscher Eedankengänge die Schule aller Gattungen ein ander Gesicht als das am Beginn unseres Jahrhunderts. Selbst die Anstalten, die der Pflege der „reinen Wissenschaft" dienen, die Hochschulen. sehen sich in den Strom hineingestellt, dessen Quelle das Prinzip der „Arbeit" in der von Kerschensteiner gefaßten Begriffsbestimmung ist. Die jüdisckze Lehrerschaft hat nicht gezögert, sich mit dem Werke Kerschensteiners auseinanderzusetzen und das, was ihr zweckdienlich erschien, in ihre unterrichtliche Tätigkeit hineinzunehmen. Soweit es sich hier um „Profanes" handelte, stand ihr die ungeheuer umfangreiche Literatur zur Verfügung, die sich der Arbeit des Führers ansetzte. Dagegen galt es felbstlchöpferisch zu werden, sofern das Gebiet zu bearbeiten wer, das dem jüdischen Lehrer besondere Ausgaben stellt: der Neligionsunterricht. Hier mußte der Versuch unternommen werden, in Anlehnung an Kerschensteiners Begriff der „Arbeitsschule" neue Wege zu finden, um die Selbsttätigkeit der Kinder zu fördern. Wir sind uns des Schlagwortcharakters sehr wohl bewußt, der der Formel „Von der Lernzur Arbeitsschule" anhaftet, und wir wissen es. daß kritische Zurückhaltung durchaus geboten ist. wenn angeblich Veraltetes zu verurteilen und angeblich Neues und Besseres zu empfehlen ist. (Theodor Litt war es. der uns hier den Blick durch fein klassisches Buch „Möglichkeiten und Grenzen der Pädagogik" lB. G. Teubner. Leipzig u. Berlins geschärft hat.) Aber soviel darf gesagt werden, daß auch der jüdische Religionsunterricht, namentlich der Uebersetzungsunterrkcht, feine moderne Ausgestaltung unter dem Geist Kerschensteiners erhallen hat. Gerade in dieser Zeitschrift hat im Laufe der Jahre das seinen Niederschlag gefunden, was an methodischem Denken von Kerschensteiner angeregt wurde, und ungezählt sind die Aufsätze, die um die Fruchtbarmachung des Arbeitsschulgedankens hier gekämpft haben. Nicht alles hat der prüfenden Sonde, und der im letzten Grunde allein entscheidenden Praxis, standzuhalten vermocht: das aber, was sich durchgesetzt hat. weist zurück auf den Mann, der dem Erziehergeschlecht unseres Jahrhunderts zum Führer wurde. > Kerschensteiner gehörte zu den seltenen Menschen, denen die Natur neben der Kraft systematischen Denkens die Gabe praktischer Organisationsarbeit, die bis ins Kleinste des täglichen Lebens reicht, verliehen hatte. Und wenn man ihn im Jahre 1911 in den Reichstag wählte, fo hatte das den Sinn» diese überreiche Natur auch an der Stelle wirksam werden zu lassen, an der von Staats wegen in den Ablauf der Kultur eingegriffen wird. Kerschensteiner gehörte der Freisinnigen Volkspartei an. und es ist nicht bekannt geworden, daß er seine politische Gesinnung geändert habe. Wenn das in diesem Zusammenhang erwähnt wird, so geschieht es, um die Haltung anzudeuten. die ihm in seinen Beziehungen zu unserer jüdischen Gemeinschaft zu eigen war. und die dafür Zeugnis ablegt, daß der sonst so kampflustige Feuerkopf jenem trüben Substrat fernblieb, das politische Verhetzung in unseren Tagen in wahrhaft beschämender Fülle hervorgebracht hat. Das Gedenken an Georg Kerschensteiner wird, des sind wir gewiß, dauernden Ausdruck finden auch in der jüdischen Schule, weil auch sie aus dem Born schöpfen wird, der seinem reichen Werke entsprang. Begabung und Frühreife des jüdischen Kindes Von Hugo Rosenthal, Berlin (Schluß) IV. Die differentielle Psychologie des jüdischen Kindes, wo sie auch seelische Eigenarten zu erfassen sucht, stößt immer wieder aus eine Tatsache, deren Erkenntnis erst der Schlüssel zum *) In Nr. 1 sind folgende Druckfehler zu berichtigen: Seite 1 Spalte 1, Zeile 5 von oben: mußte statt müßte. 19 von unten: Sprachgesetzen statt Sprechgesetzen. 9 von unten: Stenographie statt Monographie. 29 von oben: Psychology statt Psycholgy. 18/19 von unten: Das Jntelligenzalter statt des Zntettigenzalters. 9 von unten: Steigen statt Neigen. „ 7 von unten: Weintrob statt Weinfroh. 2 letzte Zeile: „Beginn der Pubertät" erscheint in Nr. 2 der Zeitschrift für pädagogische Psychologie, Jahrgang 1932. 1 Zeile 8v. oben: Weißenberg statt Weisenberg.