Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 10 (15.10.1931)
- Date
- 1931-10-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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! 1 j 4 Nummer 1ü 7. Jahrgang Monatsschrift für Pädagogik und Schulpolitik WM Heransqegeben vom „Neichsverband der jüdischen Lehrervereine" Die „Jüd. Schulzeituilg" erscheint uinden 15. eines jcdenMonalsundwird allen Mitgliedern der dem „Reichsverband der jüdischen Lehrervereine" angeschlossenen Vereine kostenlos zugestellt. — Post-Bezugspreis für Nichtmitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg» 15. Oktober 1931 Druck, Vertag und Geschäftsstelle: M. Leßmann, Hamburg, ABC-Straße 57. Fernruf: Sammelnummer Hamburg 34 0737 Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt- Magdeburg, für den Inseratenteil: L.Kn n dsen,Hambnrg. Anzeigenpreis 40 für die Kgefpaltene Nonpareille-Zeile. Inhalt dieser Nummer: „Das Erundaxiom des Bildungsprozesses und' seine Folgerungen für die Schulorganisation" von Dr. I. Bamberger, Nürnberg. „Der hebräische Unterricht in der Grundschule" von Heinrich Lichtenstein und Jakob Strauß, Offenbach a. M. „Personalfragen und Berufsberatung" von Anselm Bing. Literarisches. Bei der Schriftlcitung eingegangene Bücher. Notizen. „Das Grundaxiom des Bildungsprozeffes und seine Folgerungen für die Schulorgamfatlori"*> Von Dr. I. Bamberger, Nürnberg. Seit fünfzig Jahren währt der Kampf der drei Schulorganisationen gegeneinander: der German i st en, der R e a l i st e n ' und der H u m a n i st e n. Um diesen Kampf zu entscheiden, wendet Kerschen st einer in dieser Arbeit eine Waffe an. die noch nicht versucht worden ist, eine wissenschaftliche Grundlegung der Bildungsorganisation überhaupt, die nur von einem wissenschaftlichen Einblick in das Bildungsverfahren geleistet werden kann. Entscheidend freilich wirkt diese Waffe nur solchen Gegnern gegenüber, die einer objektiven wissenschaftlichen Behandlung der Bildungssragen zugänglich sind. V. beschäftigt sich nun in dieser Arbeit mit der Ausstellung eines solchen Axiömes des Bildungsverfahrens, dem eine unbestreitbare Evidenz zukommt. Er stellt den Fundamentalsatz d; auf: „AIler Bildungsprozeß ist ja nichts anderes a l s. e ineWiederverlebendigung des'objektiven Geistesin immerneuenJndividuen." In ihm liegt das Grundaxiom des Bildungsverfahrens: „damit ein Kulturgut Bildungsgut für eine Individualität werden kann, muß die geistige Struktur dieses Kulturgutes ganz oder teilweise der geistigen Struktur der Individualität adäquat sein." Im ersten Teile dieser Untersuchung beschäftigt sich K. mit den beiden Kardinalfragen: Was aber ist Struktur des Kulturgutes? Was ist Struktur der. Individualität? Für die Wissenschaft haben Sigwart, Windelband, Wundt, Nickert, Dilthey ihre eigentümliche Struktur nachgewiesen. Worin aber besteht die Struktur der Kunstgüter, der religiösen Güter, der sozialen und technischen Güter? Hierüber kann uns nur die Philosophie und Psychologie dieser Kultursysteme Aufschluß geberr; hier liegt die Stelle, wo die Pädagogik für immer im Reiche der Philosophie verankert ist. In diesem Sinne hat K. lange Jahrzehnte das Schulwesen der Stadt München zu gestalte^ gesucht und in diesem Axiom liegt der Kern seines Begriffes: Arbeitsschule: Alle Bildung ist *)• Georg Kersche nft einer. - Das Erundaxiom des Bildungsprozesses und seine Folgerungen für die Schulorganisation. ' 5. Ausl. Berlin. Union Deutsche Verlagsgesellschaft. nichts anderes als die Wiederverlebendigung des objektiven Geistes eines Kulturgutes. (Objektiver Geist im Diltheyfchen, nicht im Hegelschen Sinne genommen.) K. gibt sich der Hoffnung hin, daß wenigstens die wissenschaftlichen Kreise sich auf dem Boden dieses Grundaxiomes und einiger weiteren Axiome, die aus dem Begriffe der Bildung sich von selbst ergeben, einigen. Es wird darüber noch einige Zeit verstreichen. Nach einem Worte von Ludwig Otto, daß ein richtiger Gedanke hundert Jahre braucht, bis er in vollendeter Form ausgestellt, hundert Jahre bis er verstanden, hundert Jahre, bis er verwirklicht wird, hofft K., daß unsere Nachkommen in hundert Jahren das Grund- . axiom des Bildungsverfahrens respektieren werden trotz aller Doktrinäre, Wichtigtuer, Dogmatiker und Fanatiker, die es immer geben wird. Nachdem K. in diesem Sinne den Widerstreit im Bildungswesen, die Struktur des Bildungsgutes im allgemeinen, die Struktur der naturgegebenen Individualität und der aus ihr entwickelten Lebensform dargestellt hat, formuliert er das Grundaxiom des Vildungsprozesses in dem Satze: „Die Bildung des Individuums wird nur durch jene Kulturgüter-ermöglicht, deren geistige Struktur ganz oder teilweise der Struktur der jeweiligen Entwicklungsstufe der individuellen Lebensform adäquat ist." Diesem Satze folgt dann eine Darstellung der Genesis der geistigen Strukturen und der Probleme der Bildungstheorie. Und am Ende dieses ersten Teiles führt K. die Einwände auf gegen das Grundaxiom des Bildungsprozesses, wie sie von Jonas Cohn, Eduard Spranger, Georg Simmel, Ernst Trölfch. Frischeisen-Koehler erhoben worden sind, zum Teil in grundsätzlicher Ablehnung, zum Teil in erweiterter Beweisführung und Formulierung. K. wendet sich gegen diese Einwände und resümiert: „ . . . Der theoretische wie der ästhetische» der religiöse wie der soziale, der wirtschaftlich-ökonomische wie der imperialistische Mensch, sie alle können in den Gütern einer „Einheitlichen Kultur" — sofern eben eine solche gegeben ist — nach Maßgabe ihrer naturgegebenen Individualität bis zu deren tiefstem einheitlich in ihnen verflochtenen Sinn Vordringen. ... Ist aber keine einheitliche Kultur gegeben — wie wohl in allen modernen, sogenannten Kulturvölkern — so kann das Bildungsverfahren zunächst lediglich das eine anstreben, möglichst viele Volksgenossen durch die ihrem Sinngesüge adäquaten Kulturgüter, wenigstens zum Erlebnis ihres tiefsten Sinnes zu bringen, und damit zum Erlebnis zeitloser Werte. Solange der Sinn für diese nicht verloren geht, besteht immer die Hoffnung auf Entwicklung einer neuen einheitlichen die ganze Volksgemeinschaft umfassenden Kultur." Im zweiten Teil dieser Untersuchung zieht K. die Folgerungen aus dieser mehr theoretischen Grundlegung des ersten Teiles. Er fetzt sich zuerst auseinander mit der alten Forderung der Individualisierung, für die das ausgestellte Axiom eigentlich m die wissenschaftliche Formulierung bedeutet, aber jenes Axiom \ ■ ' , ■ - 1« ■