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Jüdische Schulzeitung · 1931-07-15 · 7 (15.7.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
7 (1931)
Issue
7 (15.7.1931)
Date
1931-07-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Nummer 7 7. Jahrgang f; NtU Monatsschrisl sür Pädagogik und Schulpolitik Heransqegebcn vom „Neichsverband der jüdischen Lehrervereine^ .. H Die „Jüd. Schulleitung" erscheint um den 15. einessedenMouats undwird allen Mitgliedern der dem „Reichsverband der jüdischen Lehrervereine" angeschlagenen Vereine kostenlos zugestellt. — Post - Bezugspreis für Nichtmitglicdcr: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, 15.3uli1931 Druck, Vertag und Geschäftsstelle: M. Letzmann, Hamburg, ABC-Stratze 57. Tel.: Sammelnummer C4 Dammtor 0737 Verantwortlich für den redaktionellen Teil. M. Steinhardt -Magdeburg, für den Inseratenteil: L.K n n d s e n, Hamburg. Anzeigenpreis 40 für die lkgespaltene Nonpareille-Zeile. Inhalt dieser Nummer: Erziehung zur Persönlichkeit und zur Essmeinschaft von Cläre Königshöfer (Schlug). Eheformen im alten Israel von A n s e l m B i n g. Neuerscheinungen auf dem Gebiet der Psychoanalyse von Studienrat Simon, Tilsit. Notizen. Literarisches. Bei der Schriftleitung eingegangene Bücher. Erziehung zur Persönlichkeit und zur Gemeinschaft. Von Cläre Königshöfer, Fürth i. V. i (Schluß.) i I :r) Eruppenbildung. } So leben in den Kindern selbst schon zusammenschlietzende s Tcudcuzen. Die erste Phase des Zusammenschlusses ist die! Grnppenbildnng. Die gruppenbildende Motive können sehr ver- > schicdener Art sein. Zunächst sind es wohl meist Beweggründe j äußerer Art. die eine Gruppe von Kindern zum Zusammenschluß! veranlassen. Gemeinsamer Schulweg, gleiche Gegend des Wohn- ’i vrres, die die Kinder auch außerhalb der Schule beim Spiel j zusammensührt, Bekanntschaft der Eltern untereinander, die die! liinder heranzicht, derartige Umstände bilden oft schon das! Motiv zur Gruppenbildung. Solange sich diese Gruppen nicht \ ausschließen von der Gesamtheit der Klasse und sich dieser gegcn-! über ablehnend verhalten, besteht für den Lehrer keinerlei Ver-! anlassung, ihnen cntgegenzuarbeiten. Diese durch äußere An-! lässe gebildeten Gruppen sind meist labil, sie überdauern gewöhn-! lich nur die ersten Schuljahre. Von ähnlicher Struktur ist die! Gruppe der Schutz- und Hilfsbedürftigen, die sich bildet zur ' gemeinsamen Abwehr gegen die Angriffe der physisch Ueberj legenen. Körperliche Gebrechen oder allgemeine Schwäche führen > . diese Kinder zusammen, die eben den anderen nicht standhalten; können und auch oftmals nicht fähig sind, sich an den Spielen der! Klasse zu beteiligen. Ein gruppenbildendes Motiv ist auch häufig;• die Stellung der Kinder innerhalb der Klasse. Die Begabten; und Flinken schließen sich gerne zusammen und dieser Zusammenschluß ist insofern besonders zu begrüßen, als die Klassenersten selten indifferent nebeneinander bestehen, sondern sich, wenn sie j sich nicht in Gruppen vereinigen, durch Rivalität aufreiben und! seelischen Schaden davontragen. Dieser Gruppe wohnt auch schon, i bei jüngeren Schülern der Mittelstufe etwa, eine Solidarität der j Interessen inne. Jedenfalls haben sie eine gewisse Geistigkeit j gemein, die sowohl für die Gruppe als auch für die Klasfenj gemeinschaft fruchtbar gemacht werden kann. Die entsprechende j Gruppe auf der Gegenseite wäre die der Minderwertigen, die durch geistige Unfähigkeit und Mangelhaftigkeit der schulischen Leistungen zu einer Gruppe zusammenzuschließen sich genötigt; sieht, da sie sich den anderen geistig unterlegen fühlt und zurückgestoßen wird oder sich von selbst absondert von den Ueberlegenen. Diese Gruppe wird wohl am wenigsten positive Erfolge haben. Einen höheren Grad von Geistigkeit setzt die Interessensolidarität voraus, die ein wertvolles gruppenbildendes Motiv ist. Interessengruppen treten in den mittleren Jahrgängen nur selten auf, höchstens sind es sportliche Interessen, die die Kinder zu einer Gruppe zusammenführen, eine geistige Interessengemeinschaft findet nur bei reifen Schülern, also aus der Oberstufe statt. Ebenso wie die geistige, ist auch seelische Veranlagung ein gruppenbildendes Motiv.' Die empfindsameren Kinder werden sich zusammenschließen und andererseits bilden die Robusten einen Kreis für sich. Die physische Veranlagung bildet schon auf der Unterstufe die Basis für Kruppen. Alle diejenigen Gruppen, die sich auf Grund von geistiger oder seelischer Gemeinsamkeit aufbauen, müssen für die Gemeinschaftserziehung nutzbar gemacht werden. Sucht der Lehrer die Kinder zu erfassen mit der Wärme des Gemüts, dann wird ihm die Gruppenbildung innerhalb der Klasse nicht verborgen bleiben. Er wird nun zweckmäßig de;: Gruppen bestimmte Arbeiten gemäß ihrer Veranlagung zuteilen. Stellen wir uns beispielsweise eine geographische Lchreinhei: vor. Die Intellektuellen werden damit beschäftigt, irgendein Problem zu lösen, also mit spekulativem Interesse zu arbeiten, die manuell Begabten werden mit der plastischen Darstellung des Gebietes beauftragt, die stillen Arbeiter bekommen etwa eine Lektüre über Land und Leute. In dieser Weise werden alle Kinder zur selbsttätigen Arbeit herangezogen, alle arbeiten gleichmäßig mir und haben Teil an dem Ganzen. Das Bewußtsein, daß alle selbst ihr Teil für ein Ganzes beitragen, stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Die Entwicklung der Solidaritätsgefühle geht über die Gruppenzur Klassengemeinschaft. Je mehr die Lehrerpersönlichkeit vom Arbeitsschulgeist durchdrungen ist, desto mehr wird sie die Gruppenarbeit unterstützen, da dabei jeder Schüler seine Anlagen zur Auswirkung bringen kann. 1>) Freundschaften. Auf derselben Basis, auf der Gruppen beruhen, bauen sich auch die Freundschaften auf. Hierbei spielen auch ästhetische Motive eine Rolle. Auf die Frage, wem möchtest du ähnlich werden, gaben in meiner Klasse (3. gemischte Volksschulklasse) von 16 Kindern 4 die gleiche Mitschülerin an, mit der Begründung. weil sie hübsch wäre. Hierbei sind also erotische Gefühle im Sinne Dörings (gesteigerte Vitalgefühle) entscheidend. Die Wahl des Freundes wird auch häufig durch die Eltern beeinflußt. Saubere Kinder mit gutem Benehmen werden gerne im Haus gesehen und nach Möglichkeit herangezogen. Gleiche oder sich ergänzende Typen befreunden sich gerne und diese Freundschaft sollte unterstützt werden, da sie sich auf geistigem oder seelischem Gleichklang aufbaut und meist stabil ist. In der Freundschaft findet das Kind zum ersten Male die selbstgewählte Gemeinschaft. Eltern und Schule sollten dem Kind einen möglichst hohen Begriff von Freundschaft geben, es dazu anhalten, in selbstlosester Weise dem Freund auszuhelfen und ihm auch Opfer zu bringen. - tt<

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