Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 5 (15.5.1931)
- Date
- 1931-05-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 5 Seite 8 . Jüdische Schulzeitung. anderen im hohen Grade. Unter den Menschen ihre;.- Umganges ist kaum einer, dessen Innenleben ihr »erschlossen bliebe. Ans diesem Vermögen der Einfühlung, das sich zuweilen bis zur visionären Straft steigert, erwächst ihr soziales Wirken, 'quillt der - Strom von Freundschaft und Liebe-, entfaltet sich das, was man an ihrer Bahre den Inhalt ihres Lebens genannt hat: das Fiirandere-Sein. Nach der sachlichen Seite aber kommt aus dieser Fähigkeit die Vertrautheit mit den praktischen Bedürfnissen des Lebens. Die von Mary Marcus geleitete Schule spiegelt in ihren Leistungen die beiden Wcscnsclcmentc ihrer Leiterin wieder. .Siestattet ihre Schülerinnen mit allen Wissensstoffen und F^.tigkciten aus, die das spätere berufliche Leben benötigt, und dann wiederum gibt sie ihnen in der betonten Pflege des sittlich Guten und Wahren und des künstlerisch Schönen das notwendige Schutzmittel gegen ein Ueberwuchern eines zu realistisch eingestellten Geistes. So begegnen sich auch hier wieder Distanz und Nähe und schaffen das Bild des harmonisch abgestimmten Menschen. Gewaltig ist der Tod! Gewaltiger 'st das Leben! Die Spuren echten Wirkens bleiben trotz Tod un'ö Vergänglichkeit unverloren. M a r y Marcus war unser. Sie w' rd unser bleiben. A. N e u h a u s. Literarisches Rechenbuch für die Grundschule von Oehlmann & Ribken. Bearbeitet von B.Gerdes, Rektor in Rüstringen.— 9.Auflage. — Druck und Verlag von Gerhard Stalling in Oldenburg. 1931. Vorliegendes Rechenbuch für die Grundschule ist ein Buch, das Herz und Geist der Kinder auregt. Es entnimmt die Aufgaben dem Gedankenkreis der Kinder und ist — worauf wir besonders Hinweisen — ein Kinderbuch, das die schwere^ Ausgabe unternimmt, das Kind durch das Spiel zur Arbeit .zu führen. Der Herausgeber bedauert es selbst, das; er die Kühnelschen Hnndertertnseln nicht bringen konnte. Er basiert also auf Kühne!. Das Kiihnelsche Prinzip ist ja heute grundlegend für den Rechenunterricht. Der Verfasser gebraucht die Bornschen Zahlenbilder, die eben nur Ersatz für die Kühnelschen sein können! Die Einführung und Entwicklung des 1. Zehner ist sehr gut gelungen. Die Art und Weise, den Kindern Addition und Subtraktion beizubringen, ist sehr gut und methodisch nur zu empfehlen. Dag hierbei Dinge, Situationen und Spiele aus dem Gesichtskreise des Kindes weitgehendste Berücksichtigung gesunden, ist von bleibendem Wert. Der Uebergang zum 2. Zehner und dessen Behandlung ist allerdings zu kurz weggekommcn. Auch die übrigen Partien sind sehr gut behandelt. Im ganzen ist dieses Buch nur zu empfehlen. Die Hundertertafel und Zehntausendertafel von Kühne! sind als Ergänzung mit gutem Erfolg zu verwenden. Der Verlag hat durch guten Druck sem Möglichstes getan, um der Benutzung des Buches im weitesten Matze die Wege zu ebnen. E-e. Schrift und Schreiben. Zweimonatsschrift für alle praktischen und wissenschaftlichen Fragen der Schrift und des Schreibunterrichts.. Herausgegebcn von Professor Dr. Georg Racderscheidt, Bonn, Oberregierungs- und -Gewerbeschulrat Professor Hugo Busch. Düsseldorf, Dozent Alois Legrün, Wien, Rektor Paul Werth, Berlin. Jahrgang 1939/31, Heft 3 (Februar). Verlag F. Soennecken, Bonn. Mit dem soeben erschienenen dritten Heft des zweiten Jahrgangs der Zeitschrift liegen wieder einige sehr wertvolle Aufsätze vornüber Schulschrift, Graphologie und angewandte Kunstschrift in ihrer geschichtlichen Entwicklung wie auch über Technik unv Wesen des Blindenschreibens von den ersten Anfängen an. Getreu ihrem Grundsatz, in völliger Sachlichkeit eine allmähliche und nachdrückliche Schriftreform wirklich zu fördern, läßt sie hier auch wieder einmal andere Anschauungen zum Ausdruck kommen, die vor allem vom Lehrer mit Interesse beachtet werden dürsten. Stuart Chase: Moloch Maschine, übersetzt von Ed. A. Pfeiffer, erschienen im Verlag Dieck & Co., Stuttgart. Geheftet 4,f>9 m, geb. 6.39 Wk Ich fürchte, dieses Buch findet keinen grotzen Leserkreis. Der etwas blutrünstige deutsche Titel, die zuviel fachtechnische deutsche Uebcrsetzung, die Herausbringung durch einen mehr technisch als weltanschaulich gekennzeichneten Verlag, der fragmentarische Zuschnitt der Erörterungen und eine rauhe Stilistik werden viele Leser von dem Buche fernhalten. Die Einbandzeichnung vollends wirkt Misstrauen erweckend. Sehr schade! Denn hier ist ein pionierhaftes Werk, das millionenfache Verbreitung verdient. Heute noch von Außenseitern ventiliert, werden die Fragen dieses Buches morgen alles andere Denken in den Schatten stellen uns sich antwortheischcnd vor die Verantwortlichen, vor alle Denkenden hinstellen, vor die, welche 29 Millionen Arbeitslose in aller Welt immer noch nicht nachdcnkcnd gemacht haben. Technik ohne menschliche, soziale und politische Zielsetzung bleibt ein Golem, der heute dient — dient er wirklich noch heute? — und morgen schon im blinden Spiel seiner entfeyeltcn Strafte zertrümmert. Wer noch immer anbetend vor der Maschine kniet, der wird unsanft aus seiner Exaltation gerissen. Hohe Produktionsziffern besagen noch gar nichts, solange uns die Arbeit nicht zur Mutze verhilft. solange Arbeit immer nur neue Arbeit gebärt und „ihre eigenen Kinder frißt". Tatsächlich, nicht was gearbeitet, sondern was erarbeitet wird, das ist entscheidend. Sölange wir nur in technischer Vollendung dasteyen. aber ohne die adäquate Organisationskunst, sind wir „Zauberlehrlinge". Nicht etwa.> daß wir die Geister, die wir gerufen, wieder los werden möchten. Wir wollen sie nur bändigen, nur im Zaum halten. „Die Maschine ist, weiß Gott, willig genug. Uns aber fehlt bis heute die einfache Vernunft, ihr den Willen zu lassen." Nicht in den Parlamenten und nicht in den Kabinetten, sondern hier, in den Organisationsstuben der Wirtschaft wird das Schicksal der Kulturmenschheit entschieden, wird die Wahl getroffen zwischen Chaos und sinnvoller Ordnung. Ein Wegweiser zur Ordnung darf dieses Buch genannt werden. Es ist höchst aufschlußreich und bedeutsam. Jeder sollte es lesen. -I s s i B a y e r. Leo V a e ck : Geist und Blut. Philo-Verlpg Berlin. Preis broschiert 69 Pf. Der bedeutende Vortrag Baecks auf der Iuküläumstagung der Gesellschaft für Freie Philosophie, Darmstadt, erschien neben seiner Veröffentlichung in der Nr. 6 des 6. Jahrgangs der Zeitschrift „Der Morgen" als Sonderheft im Philo-Verlag Berlin.— Abgelöst von Alltäglichkeiten und dennoch von stärkster Aktualität dringt der Verfasser in die brennenden Fragen der Zeit bis zu einer erstaunlichen Tiefe vor. Das Problem ist ganz umfasseno gestellt und läuft darauf hinaus, „die Polarität, die Spannung einerseits zum Schicksalhaften, zum Blute, zurVergangenheit, anderseits zu dem nur Geltenden, Momentanen, zu dem nur Geleisteten. Erreichten" zu schildern. Geist wird .bestimmt als die ».Fähigkeit der Distanz", wird dem Blute, das „Tatsache unseres gegebenen Daseins" ist, gcgenübergestellt als schöpferisches Prinzip. das die Kultur und die Gemeinschaft erst schafft. .jGeist ist Jugend... ist Ebenbild Gottes... die Geistlosigkeit führt immer entweder unter den Bann der Vergangenheit und des Traumes oder in den Zwang des Fortschritts und der Hast." In langen kulturkritischen Auseinandersetzungen, in scharfer Ablehnung der Leistung, die „reine Gegenwart" meint, und 8er Industrialisierung. die eine „Entformung der Psyche" zur Folge hat, dringt Baeck zur Forderung der sittlichen Tat und einer wahren Frömmigkeit vor: „Geist und Frömmigkeit sind oft nichts anderes als: Zeit haben für sich und damit wahrhaft Gegenwart haben." Briefkasten der Schriftleitunst Ich komme erst gegen Mitte Juni von einer weiteren Erholungsreise zurück. Dringliche Korrespondenzen — aber auch nur solche — werden mir nachgesandt: im übrigen bitte ich bis zu meiner Rückkehr um möglichste Rücksichtnahme.; M. Steinhardt. gy»; » »/.V* i y>, ii --»\ ■ Miesen! Ulerbt für die usrüremmg der «Jüdischen Schulzeitung Probonuininern In beschrUnkter Zahl stehen bei der ScUriftleitung’ zur Vertilgung. Wir suchen an allen Orten nebenberufliche Vermittler Victoria zu Berlin Allgemeine Vers. - A.-G. Sobdlreklion: Hamburg I, flermannstr. 14 Günstigste Tarife. I < r I I )■