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Jüdische Schulzeitung · 1931-03-16 · 3 (16.3.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
7 (1931)
Issue
3 (16.3.1931)
Date
1931-03-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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0 Nummer 3 Mvuaksschrrfk für Pädagogik und Schulpolitik Heransgegeben vom „Neichsvcrband der jüdischen Lehrervereine" 7. Jahrgang Die „Jud. Schttlzeilllttg" erscheint um den 15. einesiedenMoualsuildwirdalleu Nilgliedern der dem „Reichsverband der jüdischen Lehrer, vereine" aiigeschlossenen Vereine kostenlos zugeslellt. — Post - Bezugspreis für Nichtmitglieder: Mk. 1.2» pro Quartal. Hamburg» 16. März 1931 Druck, Vertag und Geschäftsstelle: M. Lehmann, Hamburg, ABC-Straße 57. Tel.: Sammelnummer C4 Dammtor 0737 Verantwortlich für den redaktionellen Teil. M. Steinhardt. Magdeburg, für den Inseraten teil: L.K n u d s e n, Hamburg. Anzeigenpreis 4» für die »gespaltene Nonpareille-Zeile. Inhalt der Nummer: Apologetik im Neligiousuuterricht von H. Durlacher, Heidelberg. Methodisches Neuland von Jssi Bayer, Bingen (Schlug). Literarisches. Bei der Schriftleitung eingegangene Bücher. Notizen. Apologetik im Religionsunterricht. Von H. Durlacher, Heidelberg. Apologetik im Unterricht! Welchen Wandel in dem Wechsel der Zeiten! Wenn ich meine Gedanken zurück in meine eigene Schulzeit schlveisen lasse und mir ins Gedächtnis zurückzurufen strebe, was ich über den zur Behandlung stehenden Gegenstand gehört habe in jener Zeit, in der sich dem ausnahmebereiten Verstände lebhaftestes und nachhaltigstes Interesse weckende Lehrstoffe unauslöschlich eingruben, so erinnere ich mich eigentlich nur. eines einzigen Falles der bewußten und betonten Apologie. Es war um das Jahr 1000, als Werner Sombarts volks- \ wirtschaftliche Schrift „Die Juden und das Wirtschaftsleben" im Buchhandel erschienen war; eine Schrift, in der unsere Glaubensgemeinschaft — allerdings nicht vom religiösen, vielmehr vom ökonomischen Standpunkt aus — eine, wie es uns scheint, nicht immer richtige und einwandfreie Beurteilung erfahren hatte. Damals geschah es, daß unser Religionslehrer auf diese - Schrift einging und uns darlegte, daß Sombart uns Juden nicht immer gerecht wird, und er zeigte uns auf. wie sich die Zusammenhänge, von uns aus gesehen, darstellten. Ohne zur Frage, ob Sombart unseren Gegnern zuzurechnen sei oder nicht, Stellung zu nehmen, möchte ich hier noch die Bemerkung einsließen lassen, daß wir eine Darstellung von jüdischen Dingen, die uns nicht gefällt, oder die auch Unrichtigkeiten enthält, nicht einfach als antisemitisch abtun können. Ich glaube vielmehr annehmen zu können, daß wir vieles von dem, was wir vor 10, 20 Jahren als judengegnerisch bezcichneten, gemessen an dem, was heute auf diesem Gebiete geleistet wird, mit milderen Augen ansehen. Wenn aber diese Apologie mit dem Judentum, also mit der religiösen Glaubensgemeinschaft, mit der wir es im Unterricht vorzugsweise zu tun haben, nur insoweit Verbindungsfäden hat, als die Träger dieser Religion davon berührt werden, so wird sic heute bewußt um so eher erwähnt, als hieraus der in meinen Eingangsworten hervorgehobene Wandel der Zeiten klar in die Augen springt. Ja, nicht einmal oder nur sehr zaghaft wagte man sich an das Kapitel, dessen Darstellung, ohne Apologie sein zu wollen, dennoch die beste Verteidigung des Judentums ist, nämlich das Kapitel von „Iefchu hanozri". Vielleicht bestand damals wirklich keine Notwendigkeit für eine absichtliche Apologetik, vielleicht auch schienen unseren Lehrern diese Dinge zu heikel, vielle.cht auch wurde die Ansicht des großen'Denkers und Begründers der Völkerpsychologie, Moritz Lazarus, allgemein von der deutschen Judenheit übernommen, die dahin ging, man solle jüdische Ethik ohne jede Apologetik lehren, da eine objektive Darstellung dieser Ethik die beste Apologetik sei. Diese Ansicht könnte ich auch heute noch für den Fall gutheißen, daß die Erörterungen über das zuletzt genannte Thema, das vom Nazarener, rein akademischer Natur wären, und wenn sie nicht längst die engen Wände der Studierstuben gesprengt und die durch Takt und noch mehr durch Gerechtigkeit gezogenen Grenzen überschritten und dadurch nicht die geringste Aussicht auf Erfolg hätten. Eine solche Ansicht, geboren aus einem gläubigen Optimismus, konnte ' am Beginn der antisemitischen Bewegung in den achtziger Jahren entstehen; doch die Entwicklung hat ihre.Erfolglosigkeit erwiesen. Es war doch nicht so, als Hütte es in Deutschland und anderwärts vor und nach der Jahrhundertwende keinen heftigen Antisemitismus gegeben. Die Namen Stöcker und Ahlwardt, Dreyfus. Könitz und Polna sind zu tief in unser aller Erinnerung verankert, als daß wir sie vergessen könnten. Allerdings war jene Art der Judengegnerschast ihrem ganzen Wesen nach eine andere, als die unserer Tage. Dort entsprang die Feindschaft gegen unsere Glaubensgemeinschaft häufig den Jntensionen hoher und höchster Regierungsstellen. die zur Ablenkung für begangene Fehler uno Ungeschicklichkeiten einen Sündenbock bequem in der jüdischen Minderheit fanden. Diesen Antisemitismus möchte ich den staatspolitischen nennen. Zweitens gab es — wie zu allen Zeiten — einen solchen aus wirtschaftlichen Gründen, der aber nicht imstande war, sich wirkungsvollen Anhang zu erwerben; der jedenfalls nicht hindern konnte, daß sich in jener Zeit nicht nur eine kleine reiche Oberschicht, sondern auch fast der ganze jüdische Mittelstand ganz ansehnlich entwickelte. Drittens entstand eine Judengegnerschaft, die in der nationalsozialen Bewegung Stöckers ihren Ausdruck fand. Sie vertrat ideologische nationale und soziale Tendenzen, wurde aber sehr bald von den Hauptmitarbeitern Stöckers: Friedrich Naumann, Adolf Damaschke und H. v. Eerlach wegen ihrer antisemitischen Einstellung verlassen, und damit wurde der Zusammenbruch jener Bewegung herbeigeführt. Das Wichtigste und Wesentlichste aber bei all den soeben bezcichneten Spielarten des Antisemitismus vor drei, vier Jahrzehnten ist das, daß die große, weit überwiegende Mehrzahl des deutschen Volkes sich nicht mit ihnen identifizierte, sie nur in geringem Umfange förderte. Gerade dadurch konnte keine der erwähnten Richtungen sich unheilvoll gegen die Angegriffenen auswirken. Wie so ganz anders ist das heute! Nicht mehr haben wir zwar den von den Regierungen oder von höchsten Regierungsstellen inszenierten Antisemitismus, dafür gibt es nun aber kein Gebiet des menschlichen Lebens, sei es Politik, fei es Wirtschaft, sei es Religion oder Rechtswesen, das nicht von der antisemitischen Welle ergriffen ist. Und das Betrüblichste und auch Gefährlichste für uns ist das, daß heute hinter allen Sparten der

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