Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 12 (15.12.1930)
- Date
- 1930-12-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Lreitc 8 Jüdische Schulzeitung. Literarisches. Jüdischer Kinderkalender 5691, 3. Jahrgang, herausgeaeben von E in K i Bernhardt-Cohn, Jüdischer Verlag Berlin. Der. jüdische Kinderkalender, der uns zuin dritten Male beschert ist, wird Wohl von den Kindern, die seine Vorgänger kannten, mit Spannung erwartet worden sein. Ihnen und >.llen neuen Freunden wird er rechte Freude bringen — den Kindern und dem kritischen Pädagogen. Die kleinen psychischen und physischen Mängel, die ihm in seinen „Kinderjahren" anhasteten, sind überwunden und geschwunden: Schön ist der Inhalt uno schön sind Ausstattung und Bildwerk: Ein jüdischer Kinderkalender, wie man ihn erwartet und wie er sein mutz. Allen hat er zu schenken: denen, die gern ihr Wisien bereichern, den reiferen und ganz jugendlichen Forschern, den Ernsten und Lustigen, den Nachdenklichen und den Bastlern. Mit seinen biographischen Darstellungen „Emil Berliner" von Fritz Levysohn, '.Was aus einem Schneider wird" von L. Herzfeld, seinen geschichtlichen Erzählungen vom „Schinderhannes" vom Herausgeber selbst, „Jsack" von N. Brodner. seiner Betrachtung „Der Jude im öffentlichen Leben" von W. Bernauer ist der Kalender dazu angetan, Achtung vor dem schaffenden und verantwortungsbewußten jüdischen Menschen zu erwecken. „Josef das Kind" von Emil Bernhard, „Macmer" von Susanne Auerbach und anderes mehr, sprechen das Gefühl, das gute jüdische Herz an. Recht humorvoll ist „der gute Rat", der neben dem Spatzigen einen tiefen Sinn enthält. Die Rätselrater und die geschickten Bastler kommen mit vielen Fragen. Rätseln, mit Spiel und Laubhüttenentwurf zu ihrem Recht. Die Bilder zu Kalendarium und Literarischem sind schön gewählt und gut ausgeführt. — Ein Buch für Kinder und viel der Anregung für Eltern und Lehrer! Cilli Marx-Köln, im Auftrag des Jugendschriftenausschufses des Verbandes der jüdischen Lehrervereine. Schrift und Schreiben. Zweimonatsschrift für alle praktischen und wissenschaftlichen Fragen der Schrift und des Schreibunterrichts. Bonn. F. Soennecken. Preis für den Jahrgang 3.00 Jl. Man muh es unfern grotzen Federfabriken zugcstehen. sie sind nicht nur auf den Absatz ihrer Produkte bedacht, sondern sie nehmen auch an der Förderung der Schreibkunft und Schreib^ künstler recht tatkräftigen Anteil. Durch die Fabrikation neuer und verbesserter Werkzeuge, sowie besonders durch Herausgabe von Fachschriften verdienen sie unfern Dank. Mir liegt die letzte Nummer des 1. Jahrgangs des Zweimonatsheftes „Schrift und Schreiben" vor, das Soennecken verlegt, und an denc. hervorragende Pädagogen und Schriftkünstler Mitarbeiten. Schmidt-Kiel stellt unter Beigabe von Beispielen Betrachtungen an über die interessante Beobachtung, datz schwachbegabte Kinder sich oft durch sorgsame Schriftpflege einen Ausgleich zu schaffen suchen, während talentierte und aufgeweckte Kinder wieder manchmal nur mangelhaft schreiben. Learün- Wicn behandelt graphologisch mit wisienschaftlicher Gründlichkeit die Schrift eines selbstmörderischen Kindes, während Fritz Vogt systematische Untersuchungen anstellt über die, allen Schriften gemeinsamen Urbestandteile. Er kommt zu dem Schlutz, das; alle 'Schriftzüge stets nur drei Elemente aufwcisen. Es würde zu weit führen, auf die interesianten Untersuchungen einzugehen, doch möchte Ich mir die Bemerkung erlauben, daß Vogt das Schreibmaterial außer acht gelassen hat. So z. V. stimmt es nicht, datz „im Althebräischen die formvollendetsten Flammenlinien in kursivem Zuge gemacht wurden", denn die althebräifche Schrift wurde meist auf Stein oder Metall eingegraben, wodurch steife Linien mit scharfen Ecken entstanden sind, und erst in späterer Zeit hat man Scherben verwendet, wodurch aber kaum der Charakter der Schrift sich verändert hat. Nur beim Tet, Ajin und Koph kommen kreisförmige Rundungen vor. Von einer andern Dreiheit in der Handschrift plaudert Elise Kurzmann, woran sich die Umschau im In- und Auslande anschlietzt. Möge der 2. Jahrgang ebenso tiefgründig und interessant werden. Otto Geismar, Berlin. Roth, Joseph: Hiob. Der Roman eines einfachen Mannes. Berlin. Kcepenheuer. 1930. 299 S. 6 Mi. Das Leben des einfachen Mannes, des unscheinbaren Lehrers Mendel Singer in Zuchnow wird uns mit biblischer Einfachheit und biblischer Erötze erzählt. Das Heldentum des Alltags findet in dem Buche durch selten ergreifende Worte, durch liebevolles Sichversenken seinen Interpreten. In Armut und Enge lebt Mendel Singer mit seinem Weibe Deborah und seinen Kindern. Sein jüngstes Kind, Menuchim, ist Epileptiker. Aber Deborah geht zum Rabbi, ihn über die Zukunft des Kindes zu befragen. Es wird ihr gesagt: ,/Oer Schmerz wird ihn weise machen, die Häßlichkeit gütig, die Bitternis milde, die Krank¬ N ummer 12 heit stark." Das Wort ist ihnen Hoffnung. Mendel ist Hiob, ergeben nimmt er die Schläge des Geschickes hin. Sein ältester Sohn Jonas wird Soldat im Heere des Zaren, ein Kosak, bleibt verschollen, sein zweiter Sohn Schemarjah geht nach Amerika, nennt sich Sam und wird ein wohlhabender Mann. Mendel und sein Weib folgen ihm. um die Tochter Mirjam vor den Kosaken zu schützen. Ihren Menuchim lassen sie daheim, mit schwerem Herzen trennen sie sich von ihm. aber das Wort des Rabbc bleibt ihnen Hoffnung. Echt, wie Roth die Fahrt nach Amerika im Zwischendeck schildert, echt, wie Mendel zuerst nichts von dem brausenden Leben Amerikas kennen lernen will; er wohnt im Armenviertel, so arm und so beengt wie daheim, und sein Weib klagt wie daheim; „die Hühner werden magerer, die Enten sind wenig, die Gänse sind ein Nichts, Hechte sieht man nicht." Aber Mendel-Hiob hat mehr Prüfungen zu bestehen: Sam fällt im Weltkrieg, fein Weib Deborah stirbt, Mirjam redet eines Tages irre und wird als unheilbar einer Anstalt überwiesen. von Menuchim hört man nichts. „Da verfluchte Hiob den Tag seiner Geburt, und er lästerte Gott." Mendel Singer will seinen Gott verbrennen, schon errichtet er für die Tefillin einen Scheiterhaufen. Es bleibt dabei. Aber er will Gott versuchen, er legt nicht Tefillin, entheiligt den Sabbath. Erst an dem Tage, an welchem er Menuchim. Alexei Kossas nennt er sich, den grotzen Künstler, den gesunden Menschen, das geliebte Kind wiedersieht, „preist er Gott". Menuchim führt den alten Vater in seine Wohnung; bevor er sein ärmliches Zimmer verläßt, nimmt er den verstaubten Tenllinbeutel vom Schrank, trägt ihn unter dem Arm und hält so seinen Einzug ins Broadway-Viertel. Ein Buch ohne jedes Problem — nicht Eheproblem, nicht Jugendproblem, nicht Nationalproblem — und gerade deshalb ist es so vollendet schön, weil es das verherrlicht, wovon Kompert sagt, datz es jedem von uns eignet, er fei. wer er wolle, das jüdische Herz. E. M. Bei der Schriftleitung eingegangene Bücher. Dr. Julius Höxter: Quellenbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur. 1. Teil. Altertum und frühes Mittelalter. Frankfurt a. M. 1930. I. Kauffmann. Vau und Leben des menschlichen Körpers. Von Dr. Paul D. V e r n o u l l i, Dr. Fritz V o e n h e i m, Dr. Karl August F i e ß l e r und Dr. Otto Kern. Band I, 36 S., 15 z. T. farbige Tafeln; Band II, 18 S., 10 z. T. farbige Tafeln; Band IN, 37 S., 18 z. T. farbige Tafeln. Je 3 Ml. Hippokrates-Verlag G. m. b. H., Stuttgart und Leipzig, 1930. Die Naturheilanwendungen für den Hausgebrauch. Von Dr. med. Hans Graaz. 116 S.. 21 Abb. Brosch. 4.80 Mt. Hippokrates-Verlag E. m. b. H., Stuttgart und Leipzig, 1930. Juden in der deutschen Wirtschaft von Kurt Z i e l e n z i g e r. 288 S. Eroßoktav. Acht Bildnisse auf Tafeln. Echtes Älfapapier. In Ganzleinen gebunden. — Der Heine-Bund, eine jüdische Buchgemeinde, Berlin W 57, Palaßstraße 10/11 (Mitgliedsbeitrag jährlich 12 Ml, wofür die Mitglieder drei Bände jährlich nach freier Wahl erhalten; Interessenten erhalten kostenlos ausführliche Prospekte). Eine Parallelausgabe des Buches für Nichtmitglieder ist in» Welt-Verlag-Berlin erschienen und durch jede Buchhandlung zu beziehen. Preis 7 Ml; in gleicher Ausstattung wie oben. Denkwürdigkeiten des Aron Jfak (1730—1817). Herausgegeben und eingeleitet von Z. Holm. 208 Seiten Großoktav, 8 Tafel- und 2 Textbilder, holzfreies Papier. 2n Ganzleinen gebunden. Preis 6 Jl. H. Werneke: Lesebuch und Montesquieu in Uebersetzungen. Kehl (Baden). Verlag: U. Werneke. 150 S. Preis 2 Jl. Langenscheidts fremdsprachliche Lektüre. Band 15: Langh and be merry! Berlin-Schöneberg. Langenscheidtsche Verlagsbuchhandlung. Wem W fcieMteiüina MMWliWlzeijilng" Probe nummern in beschränkter Zahl stehen bei der Schriftleitung zur Verfügung Wer ohne Schaden Wohnhaus hauen will.dcr lese vorher „Der HnuKat, unparteiisch.“ 500 Warnungen, Winke und Weisungen (mit Finanzierung) für Bauherren. Preis 4.50 UM portofrei. Bauzeitung Köln KamekeatraUo 18 C EZZZI=3