Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 4 (15.4.1930)
- Date
- 1930-04-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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i . -Dr- /- cj n ^7 z^-; <"*> fi <n > v^s^ii^nni ' c?;j y vxj j/ ix> t MsuaLsschrist für Pädagogik rmö Schulpolitik HerarrSgegeberr vom „Neichsverbcnrd bev jüdische» Lehrervereine" I JUD S. Tahrgau-g^ >>sjsm np'vi/^v'? <2- A (7TJ Die „Iüdiscl'.e Schulzeining" erscheint am 15. eines ZedeuMünais und wird allen Mitgliedern der dem „Neichsverband der jüdischen Lehrer» vcieine" angeschlossenen Vereine kostenlos zugestellt. — Post - Bezugspreis für Nichtmitglicder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, 15. April 1880 Druck, Verlag und Geschäftsstelle: M. Letzmann, Hamburg, AVC-Stratze 57. Tel.: Sammelnummer C 4 Dammtor 0737 Verantwortlich sür den redaktionellen Teil. M. Steinhardt -Magdeburg, für den Inseraten teil: L.K n u d se n, Hamburg. Anzeigenpreis 40 für die Ogespaltene Nonparcillc-Zcilc. Inhalt dieser Nummer: Eiitige Gedanken zur Methodik des Religionsunterrichts von 2ssi Bayer. Eine hebräische Wortfamilie, von Hauvtlehrer H. Uni ko wer. Leitgedanken bei meinem UttterriÄt, von M. Abraham. Literarisches. Zeitschriftenschall. Bei btt Schristlcitnttg eingegangene Bücher. Nochrnaliger Appell an die Kollegen. Notizen. Einige GebKukerr Zur Methodik bes UeLigioKsuuteLLichLs. Von 2ssi Bayer, Bingen. I. Das Schreiben: Die Anregung für diesen Aussatz empfing ich von dem wertvollen Artikel des Kollegen Neich hardt in der Nr. 8 (Jahrgang V) dieser Zeitung. Es sei niir gestattet, die Gedanken jener -Arbeit weiterzusührcn und zu sagen: wir wollen das Schreiben nicht nur dulden, oder auch pflegen, sondern sogar zum Fundament machen, zur Grundlage insbesondere des Anfangs - NeligionLunterrichts. Z. B.l Die Kinder besuchen erstmals im 2. Erundschuljahr den Religionsunterricht. Die Fibel wird — bestellt, aber noch nicht ausgehändigt. Den Anfang macht nicht eine biblische Geschichte uiit „happy end", sondern eine Unterhaltung. Ungefähr so: „Ihr könnt doch schon ganz out deutsch lesen?" Ooohh gewiß! Habt ihr wirklich schon alle Buchstaben gelernt?. Allemal! So, dann mach mal ein schönes „i"! — Schaut, das iist im Hebräischen viel. einfacher. Punkt und fertig ist die Laube. Mach mal ein „a"! — Mache ich alles viel einfacher, Strich und fertig ist's. Und so gehts weiter, und im Nu. kennen wir die Vokale. 2etzt kommt einer, der ist rrrrund, toie heißt der wohl? (Ne, resch -j). Und der ist ganz Mang! Der heißt? 'IIII)?). 9ia, und welcher Schüler kennt nicht das Wort N o s ch? Schon sind wir mitten in Vuchstabenformen und Namen, ich möchte sagen, schon hat der kombinierte Schreiblcsc- und Uebersetzungsunterricht begonnen. Wenn ich will, sticht der Säbel > des Sajin uns schon mitten hinein in die Geographie und Geschichte des Orients, will sagen der Juden. Wozu dies alles und schon am Anfang? Nein- Hardt hat die eine negative Antwort gegeben, daß, die Kinder ja schon vorgebildct zu uns kommen und wir nicht mehr nötig haben, nach Schwierigkeiten, zur Anwendung vieler methodischen Künste, zu suchen. Die positive, vorwärts gewendete Antwort ist: wir müssen bald Ausgangspunkte gewinnen. Aus den Buchstaben, ihren Urformen und Namen ergeben sich die ersten Wörter, die ersten geschichtlichen Begriffe und Daten. Lesen heißt Inhalt gewinnen. Dem stimme ich zu. Und jedes Schreiben i st ja zugleich ein Lesen, zmnal wenn es tausend .Beziehungen anknüpft und so jegliche Mechanik überwindet und vergessen läßt. So gibt uns die erste, fast nur mit Schreiben ausgefüllte Stunde schon einen Stammschatz an Wörtern und Begriffen, der von Stunde zu Stunde mühelos, schreibend, erweitert wird. „Lesen heißt Inhalt gewinnen", und Schreibfertigkeit bedeutet Lesefertigkeit und Lesefreudigkeit. Deshalb ist es keine „überflüssige Belastung", wenn die Kinder in den ersten Stunden auch deutsche Wörter mit hebräischen Lettern schreiben. Wenn auf einmal aus dem Kof, Waw, Nesch und Teth ein „Kurt" wird, und aus dem Peh, Nesch, Jod, Teth, Zadeh ein „Fritz", so ist das weit mehr als nur ein amüsanter Spatz. So wächst das Gefühl im Kinde, „ich kann schon was" und ferner: „das Hebräische ist leicht und schön". Das Kind lernt hierbei so schnell, datz es niemals das Gefühl bekommt, zu lernen oder zu üben, sondern zu können. Fazit: das Schreiben ist kein Umweg, sondern ein Weg der Abkürzung, bei gleichzeitiger Intensivierung, vertiefter Durchdringung des Stoffes. II. Der Beginn des llebersetzens? Der Beginn des Unterrichts ist der Anfang .des Schreibens, Lesens, der Geschichte, der Geographie, des Neligionsunterrichts und selbstverständlich auch des Uebersetzens. Sobald das Kind sich dessen recht bewusst wird, datz es sich mit einer anderen, als der Muttersprache beschäftigt, hat es' bereits einen „Fundus" an Sprachkönncn, auf dem sich weiterbauen Mt, ein bekanntes Gebiet, eine Art Kern zelle, einen Vorrat, aus dem es schöpfen kann, der nicht zuletzt das sprachliche Grund- und Vergleichsmaterial liefert. (Ich kann also hier mit Neinhardt, dem der Uebersetzungsunterricht eine sehr späte Stufe ist, gar nicht einig gehen.) Dieses Fundament findet der Anfänger dann fixiert — und er begrützt vertraut einen alten Bekannten, wenn er die Fibel nun ausschlägt. (Das bedeutet jedoch nicht, datz diese Fibel und dieser „Vorrat" sich genau decken. Unten wird davon stoch die Rede sein.) So benützt, gefällt mir nun z. B. die Abrahamsche Fibel „Lilodenu" ganz gut und ich möchte nicht wie Reinhardt behaupten, datz in bezug aus das Wort „Lesen heißt Inhalt gewinnen" „alle Verfasser der hebräischen Fibeln versagt" hätten. (Das bedeutet kein restloses Zufriedensein, und weiter unten findet man einen längeren Wunschzettel für die Fibel.) Sobald das Kind die Fibel aufschlägt, kann es schon schreiben, lesen und „übersetzen", d. h. es weiß, was es liest. Bei der Abrahamschen Fibel z. B. stellen die Bilder den Inhalt sehr gut dar, vertreten ihn gewissermaßen. Und wenn der Schüler auf die angegebene Weise zur Fibel gelangte, kennt das Kind bald die Uebersctzung der ganzen Fibelseite, ein kompleres Bild ist im Schülerhirn, dessen Striche höchstens noch des Nachziehens, der Verdeutlichung bedürfen. Soweit