Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 2 (14.2.1930)
- Date
- 1930-02-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Jüdische Schulzeitung. Nummer weder bei der Behandlung der einzelnen Personen im Geschichtsunterricht oder bei Behandlung der einzelnen Gebote (wie Wohltun, Demut, Butze usw.) im Religionsunterricht. Wegen seines schmucken Einbandes und seines billigen Preises eignet es sich auch als Schulprämie. Die gründliche wissenschaftliche Arbeit von Tykocinski über die gaonaischen Verordnungenc) dürfte für die Weiterbildung des Lehrers nicht ohne Nutzen sein: er erhält, wenn er es versteht, sich in die talmudischen und halachischen Gedankengünge einzuarbeiten, ein deutliches Bild von der Wirksamkeit der Gaonim auf diesem Gebiete. Aber für den Unterricht selbst wird er höchstens dieses für sich gewonnene Ergebnis verwerten können, nicht aber den Inhalt der einzelnen von dem Verfasser durch die gesamte Literatur verfolgten Tekaneth. Literarisches. M. Steinhardt, Jüdische Zeit- und Streitfragen. Gesammelte Aufsätze und Reden. Frankfurt a. M. 2. Kanffnmnn. Brosch. 3,50 UlM. Aus jeinem reichen Schatz an literarischen Arbeiten (Aufsätzen und Reden) hat Steinhardt 25 der schönsten zu einem Bande vereinigt. Und er tat gut daran, sie, die dereinst in flüchtiger Stunde durch ihre klare Eedankenführung und ihren geschliffenen Stil den Leser erfreut, durch ihren Schwung und ihre flüssige Sprache den Hörer begeistert haben, der Vergessenheit zu cntreitzen. 2m Brennpunkt des öffentlichen Lebens stehend, hat St. ein Menschenalter hindurch zu allen bedeutsamen jüdischen Zeitfragen Stellung genotmiien, alle Auflösungserscheinungen des deutschen Judentums schonungslos dargelegt und Mittel zu ihrer Heilung aufgezeigt. Taufseuche. Geburtenrückgang. Mischehe, Kastengeist, unseliger Parteihader, fanatische Sekticrerei finden an ihm einen scharfen Gegner, -ftdti Ansehen der Person achtend, nicht nach rechts, nicht nach links schauend. ..niemand zu Liebe, niemand zu Leide", wie St. selbst schreibt, nur das Wohl des Ganzen erstrebend. Gestützt auf reiche historische Kenntnisse, geleitet von einem starken jüdischen Gefühl, weitz er zeitlich bedingte Erscheinungen unter ewige Gesichtspunkte zu stellen. And man ist retrospektiv ittimer wieder erstaunt, wie St. im Augenblick den rechten Matzstab für die Beurteilung einer Frage gefunden und ihre Entwicklung vorausgesehen. Nur der Artilel über Nathenau bedarf in der zweiten Auflage, die wir dem Buche bald wünschen, einer Amarbeitung. da dessen Bild durch seine späteren Schriften, namentlich aber seine nachgelassenen Briefe, ein in jüdischer Beziehung wesentlich günstigeres geworden. Man kann es, da in dem Buche die Interessen des Lehrerstandes und die Erhaltung der jüdischen Schule ihre wärmste Verteidigung finden, wohl als Ehrenpflicht von den Kollegen fordern, das Buch ihreck wackeren Vorkämpfers zu kaufen und für dessen Verbreitung auch in weiteren Kreisen zu sorgen. Man darf mit gutem Gewissen die Sammlung empfehlen, weil sie eine anregende Lektüre darstellt. reiches Material, für Vorträge enthält und auch der Preis ein billiger ist. Em anu e! Heim ciitn, Plauen. Juden in Ketten. Roman von Joseph Delmont. Verlag Fr. Will). Grunow in Leipzig. Petersburg. Roman von Schalom A | ch. Verlag Paul Zsolnay, Berlin. Es ist vielleicht kein Zufall, datz sich diese beiden Rornane bei ihrem Erscheinen getroffen haben. Es strömt ein einziger Luftzug des russischen Märtyrertums aus beiden. *31 ber wie vielfältig, wie unergründlich, wie raffiniert abwechslungsreich diese Marteriahre gewesen (und sein können), das zeigen diese beiden Dokumente der Beschreibung in ihren Abständen voneinander. Der Delmontsche Roman steigert sich von Seite zu Seite in einer bildhaften Darstellung zu unerhörter dramatischer Spannkraft. Er lätzt den Leser nicht los, bis das 'h Tykocinski, M.: Die Gaonaischen Verordnungen. Veröffentlichungen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums. (Akademie-Verlag, Berlin) 1929. .VH und 166 S. Preis 6,— UiM. Schicksal des Haschele Kalisch buchstäblich durch Feuer und Wasser abgerollt ist. Ans dem furchtbaren Geschehen, man kann das nicht, auch nicht in Amrissen. kurz darstellen, hört man geradezu den Kurbelkasten des Kinos rolken. Eine bewundernswürdige Technik der Komposition durchrast das ganze Buch. Ein Reitzer, Welterfolg, ungeheuere ''Auflage. Die Sinne des Lesers werden in einen Rausch hineingepeilschl. bis er ausgelebt ist. Aber dann ist es auch endgültig aus und vorbei. Ein Karl-May - Roman mit jüdischem Sujet. — Was uns daran einer Besprechung wert sein lätzt. ist die krasse, gar nicht genug realistisch darzustellende Situation des zaristischen Ealuth. In dieser Form fehlt uns noch eine Darstellung des spanischen Märtyrertums. — An den Delmontschen Roman mützte man die Frage der indischen Gestaltung im Film anknüpfen, und nur wünschetr, datz sich endlich ein- Regisseur für diesen Roman finden möge, damit auch einmal eine cinigermatzen an Wirkkichkeit grenzende Darstellung aus jüdischem Leben und indischer Geschichte der lauernden Menschheit gezeigt wird, anstatt dem in letzter Zeit so häufig begegnetem romantisch - schmachtenden Kitsch. Ans Lehrern mutz diese packende, lebensvokke Darstellung interessieren, ganz abgesehen vom Inhalt, sie ist nachahmenswert. Der Name Schalom A s ch besagt schon etwas ganz anderes. Das ist nichts für. Kino und Markt, das gilt den wachsenden Seelen. Impressionismus im geklärlesten Stil. An der Wende eines Zeitabschnittes, durch äutzere und innere Gewalten getrieben und verfolgt, hübsch psychologisch zergliedert, wie es gar nicht anders sein kann, gar nicht sein konnte, seziert und blotzgelegt bis an die letzte Vene, des treibenden indischen Herzens, das ist der Ablauf der Geschehnisse in „Petersburg". Das Werk soll ein Auftakt sein zu einer Trilogie, der sich die Geschehnisse in „Warschau" und „Moskau" anschlietzen. Man darr auf das gesamte Werk gespannt sein. Wer in lebensvoller Darstellung psychologische Probleme kennen lernen will, greife zu den Romanen Schalom Aschs. Scharon. Hugo Willrich, Das Haus des Herodes zwischen Rom und Jerusalem. (Bibliothek der klassischen Altertumswissenschaft, Vd. VI.) Winters Aniversitätsbuchhandkung, Heidelberg. ü)2!t. Wer den Verfasser dieser Herodesbiographie aus seinen früheren Schriften und Aussätzen über die jüdisch-hellenistische Geschichte kennt, wird sich freuen, dieses Buch anzeigen zu können. Endlich hat der Verfasser es über sich gebracht, in eine wissenschaftliche Abhandlung antisemitische Gedanken und modernen Jndenhatz nicht hineinzutragen. Das vorliegende Buch ist eine tadellose Lebensbeschreibung, wie inan sie nach Josephus nnb sonstigen geringen Quellen für Herodes schreiben kann. 2a. vielleicht ist sie noch günstiger ausgefallen, wie sie bei scharfer historischer Kritik hätte nusfnllen können. Der Ausbau des Buches ist recht nett, im Mittelpunkte steht Herodes. umrahnit vo der Geschichte seiner Bor- und der seiner Rachfahren. Herodes selbst wird dem Leser verständlich vorgeführt, sein Kamps um die Krone, seine Arbeit für den Frieden, seine Stellung zu Rom, den Griechen und den Juden werden deutln',, seine Persönlchkeit und sein Eharakter werden scharf Umrissen. Hierbei wird in wenigen Sätzen auf Dionys I. von Syrakus. Herodes und Augustus hingewiesen, vielleicht darf man diese drei Gestalten gar nicht in einem Atemzuge nennen, aber das ist das beste Zeugnis für die Liebe des Verfassers zu Herodes. Reiche Anmerkungen zeigen, das; Willrich in die Materie eingedrungen ist und die neuere Literatur kennt, ein Ramensverzeichnis fördert die Benutzung des Buches, das eine flüssige Lektüre bedeutet. Möge es viele Verbreitung finden! Rabbiner' Dr. A. P o s n e r . Kiel. Bei der SchriftlciLrnrg eingegattgeue Bücher. Ludwig Lewifohn, Das Erbe im Blut. Paul Lift, Verlag, Leipzig. Preis geb. 8.50 ‘Jl)l. Aus Vergangenheit und Gegenwart der Israelitischen Gemeinde Worms»' von Samson Rothschild. VIl. vermehrte und verbesserte Auflage mit 0 Photolypleu. Nrmsch. ::.50 M. Steinhardt, Jüdische Zeit- und Streitfragen. Gesammelte Aussätze und Reden. I. Kaufsmann, Frankfurt a. M. Brosch. :$.r>o mt\ Studiendirektor Dr. Jos. Gut m a n n , Israelitische Religion. Ein Buch für Schule und Haus. Berlin 1020. M. Poppelauer. Festschrift z u m 7 5} ä h rige u B e st e h e u des I ii d i i m Theologischen Seminars zu Breslau. Breslau. M. & A. Marcus. 1. Bd. 350 S. deutch. und 11Ü S. hebe. Tech. 20 2. Bd. 404 S. deutsch, und 07 S. hebr. Text. 20 Xn.