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Jüdische Schulzeitung · 1930-02-14 · 2 (14.2.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
6 (1930)
Issue
2 (14.2.1930)
Date
1930-02-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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S.Fshs§^L Süansnter 2 Monalsfchrrfk für PKSagsg-K «nS SchrrlpoUUK Hcrons^cgcbcil vom „Ncichsvcrbaüd der jüdischcir Lehrerverciuc" Mona-sschrrfk für PSSagsg-K «nS SchrrlpoNNK Die „Indiscke Schulzeirung" erscheint am -15. eines jedenMonats und wird allen Mitgliedern der dem „Neichsverüand der jüdischen Lehrer. Vereine" anqeschlossenen Vereine kostenlos zngesiellt. — Post - Bezugspreis für Nichtmitglicder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, Z.4. Februar LD30 Druck, Vertag und Geschäftsstelle: M. Lehmann, Hamburg, AVE-Stratze 57. Tel.: Sammelnummer C4 Dammtor 0737 Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt- Magdeburg, für den Inseratenteil: L.Knndsen, Hamburg Anzeigenpreis 40 c) für die Ogespaktcnc Nonpareille-Zeile. Inhalt dieser Nummer: Das schöpferische Kind, von Anselm Bing. Die Lehrbarkeit der Religion, von Dr. Emil Schorsch. Der Aberglaube bei der KrnLcrcrzichung, von Konrektor Speyer. Neuerscheinungen aus Hochmisscuschaftlichem Gebiete, von Else Menken. Biblische und talmudische Neuerscheinungen von Landrabbiner Dr. Blum. Literarisches. Lei der Schristlcitung eiugegangene Bücher. Das fchsNkerrsÄzs K'mö. Von Anselm Ving. Die Frage nach dem Schöpferischen — den Begriff in seiner ganzen Ausdehnung und nicht nur in bezug auf das Kind gefaßt — ist eine Frage später Zeiten, und zwar zunächst eine theoretische Frage. In Frühzeiten irgend welcher Kulturcntwicklung stellt niemand die Frage nach dem Schöpfertum. Lunge Kulturzeiten haben Schöpfertum in sich, ohne darüber theoretische Betrachtungen anzustellenf Die Zeit der Gotik mit ihren überragenden Kunstschöpfungen der Epik, Architektur und Plastik, ist eine Zeit ungeheurer intuitiver Gestaltungskraft, aber geringen theoretischen Vcrrnögens, während beispielsweise unsere Zeit unvergleichlich weniger intuitive Gestaltungskraft, aber auch unvergleichlich mehr theoretisches Vermögen besitzt, über diese Schöpferkraft zu philosophieren. Nach einem Ausspruch Goethes deutet alles Theoretische auf ein Stocken oder Nachlassen der schöpferischen Kräfte, und der geistvolle Essayist Karl Schesfler knüpft an diesen Eoetheschen Satz die Bemerkung, daß dieses Wort die Bedeutung eines Lehrsatzes hat und. ebensowohl für Völker wie für Individuen gilt. - Unsere Zeit ist eine kritische Zeit: sie bringt mehr Werke über Kunst als Kunstwerke, mehr Kunstkritiker als Künstler hervor. Die Besinnung auf sich selbst und seine schöpferischen Kräfte und aus die Jugend, die ja die Zukunft von morgen ist, geschieht sehr bewußt und die Hoffnung 'auf eine Erneuerung des geistigen und kulturellen Lebens wird auf das Irrationale gesetzt. Mit dieser Hoffnung auf Erneuerung bekommt die zunächst zweckfreie und theoretische Frage ihre praktische Bedeutung: Die Frage nach dem Schöpfertum — den Begriff auch hier wieder in seiner ganzen Ausdehnung und nicht nur in bezug auf das Kind gefaßt — ist eine Frage des praktischen Lebens, der Zukunft, des Volkes, Staates, der Kultur, weil letzten Endes die Zukunft einer Kultur von der Zahl ihrer schöpferischen Menschen, von der Zahl der durch ihre Schöpferkraft berufenen künftigen Führer abhängt. Ob sich diese Schöpferkraft technisch ökonomisch oder intellektuell, ethisch-sozial, ästhetisch oder religiös auswirkt, immer wird sie sich letzten Endes kulturell auswirken und der Gesellschaft zugute kommen. So ist die-Frage nach dem Schöpfertum zugleich eine Frage von größter sozialer Bedeutung und mithin eine pädagogische Angelegenheit ersten Ranges: denn nichts kann der Erziehung näherliegen als die Zukunft des Volkes und seiner Kultur. So oft eine neue Kultur eine alte ablöste, löste auch eine neue Pädagogik eine alte ab, und Johann Amos Comenius war zu seiner Zeit ebensosehr Ketzer, wie heute etwa ein Verfechter des schöpferischen Kindes. Die Schule ist ein Kind ihrer Zeit und abhängig von der jeweiligen Ecsamtstruktur der Generation, die sie geschaffen hat. Wie sollte die Besinnung auf die intuitiven Kräfte im Menschen, wie sie außerhalb der Schule heute vor sich geht, und in Spengler, Frobenius, Cohn-Wiener, Worringer, Burger, Einstein, Keyserling u. a. typisch zum Ausdruck kommt, eindruckslos an der Schule vorübergehen können? Dem Zeitalter des Intellektualismus und Jmpressionismus entsprach die Lemschule, dem Zeitalter des Vitalismus und Erpressionismus entsprach das Zeitalter der Erlcbnisschule und dem beginnenden Zeitalter der Intuition und Synopsis entspricht die Arbeitsschule mit ihren großartigen Konzentrationsversuchen des Gesamtunterrichts, geschlossenen Unterrichts, der synoptischen Zurichtung des gesamten Eestoffcs (Synopsis) und der Einstellung auf die gestaltenden Kräfte des Kindes (Intuition). So wird die neue Schule Abbild der Synopsis großen Stils, der unsere Eeisteshaltung zustrebt, und zugleich Abbild der Konzen- . trierung auf die schöpferischen Kräfte im Menschen, der schon der Erpressionismus zustrebte. Nun ist es eine interessante Tatsache, daß fast alle großen Pädagogen, weil sie um die Kindesseele so gut Bescheid wußten als um die Umwelteinflüsse, für ihre Reformen in der Erziehung sich ein diesen Reformen günstiges oder günstig scheinendes Milieu schufen oder doch theoretisch forderten. Basedow schuf sich sein Philanthropin. Pestalozzi seine Armenschule, (man denke dabei an den Milieuunterschied in diesen beiden Anstalten und halte dazu das Ziel der beiden Reformatoren im Auge: der eine will für viel Geld aus den Söhnen der Reichen „Gebildete", für wenig Geld aus den unteren Schichten „Lehrer" heranziehen: der andere will, ja was will er anderes als schlechthin Menschen werden lassen), Rousseau schafft seinem Emile eine Hofmeisterathmosphäre und hält ihm grundsätzlich die Milieuwirkung der Schule fern: Tolstoi schafft sich in Jasnaia Poljana eine ebenso eigenartige Anstalt, wie Rabindranath Tagore in der indischen Einsiedelei Santi Niketan, wo der bezaubernve Einfluß eines kaum zwanzigjährigen Dichters. und Lehrers zwischen den Hainen des südlichen Hinnnels wirksam wird. Montessori errichtet ihre Kinderanstalten nach den Wachstumgesetzen des kindlichen Körpers und schafft in diesen eigenartigen Anstalten jene Umwelt, die „im Dienste der Seelenbildung des Kindes steht", wie die Leiterin einer Montessorischule sagt, und Rudolf Steiner schuf sich in seiner Stutt-

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