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Jüdische Schulzeitung · 1929-10-15 · Heft 10 (15.10.1929) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
5 (1929)
Issue
Heft 10 (15.10.1929)
Date
1929-10-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Monatsschrift für Pädagogik und Schulpolitik Herausgegeben vom „Neichsverband der jüdischen Lehrervereine" Die „Jüdische Schiilzeitung" erscheint am 15. eines jedenMonats und wird allen Mitgliedern der dem „Reichsverband der jüdischen Lehrervereitle" angeschlossenen Vereine kostenlos zugestellt. — Post - Bezugspreis für Nicht» Mitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, 13. Oktober 1020 Druck, Vertag und Geschäftsstelle: M. Lehmann, Hamburg, ABC-Stratze 57. Tel.: Sammelnummer C 4 Dammtor 0737 Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. S t e i n h a r d t. Magdeburg, für den Inseratenteil: E. L o o s, Hamburg. Anzeigenpreis 40 $ für die ^gespaltene Nonpareille-Zeile. i r i i f; j! 5» Inhalt dieser Nummer: Die Lehrbarkeit der Religion von Alfred Gordon, Harburg. Der Hebräische Unterricht von S. Rosenfelder. Bemerkungen zum hebräischen Unterricht von Rabbiner Dr. Wahrmann, Oels. Literarisches. Bei der Schriftleitung eingegangene Bücher. Notizen. Die Lehrbarkeit der Religion. Eine Buchbesprechung von Alfred Gordon. Harburg. Wenn wir für eine Buchbesprechung mehr Raum erbitten. als sonst üblich ist, so geschieht das aus zwei Gründen: Einmal soll der Bericht über die Neuerscheinungen auf dem Gebiete der G.'isteswissenschaften mehr als bisher die Möglichkeit für oder gegen die versuchte Lösung von brennenden Fragen nnseres Berufes bieten. Nicht nur oberflächliche Hinweise, sondern wirkliche Besprechungen möchten wir geben. Es ist ein glücklicher Gedanke Dr. Bambergers gewesen. die Forderung zu stellen, das; solche eingehende Berichte 311111 Ausbau unserer Zeitschrift dienen sollen. Zum anderen sind wir in der angenehmen Lage, diese Buchbesprechungen mit einem Werke zu beginnen, von dem wir glauben, daß sein Studium für den jüdischen Pädagogen. im besonderen für den Neligionslehrer von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. Es handelt' sich um das Werk des Hannoverschen Rabbiners und Jugenderziehers Dr. Emil Schorsch: „Die Lehrbarkeit der Religion"*). Das Buch ist als Heft 2 der 5. Reihe der „Pädagogischen Untersuchungen", herausgegeben von Universitätsprofessor Dr. Kroh erschienen, welche den Obertitel „Untersuchungen zur Psychokogie und Theorie der Bildung" trägt. Heft 1 dieser Reihe stammt direkt aus der Feder von Prof. Kroh. Schon diese äußerliche Zusammenstellung beweist, daß der Arbeit Schorschs ein starker wissenschaftlicher Wert innewohnt. Eine kurze, aber dankenswerte Einführung des Herausgebers betont den Wert der Schrift auch dann, wenn man nicht, wie der Verfasser formal vom Judentum ausgeht und wenn man auch einen anderen Religionsbegriff in den Mittelpunkt der Erörterung stellt, als hier geschieht. Unser ganz besonderes Interesse darf die Arbeit von Schorsch deshalb beanspruchen, weil sie ganz neue Wege der Untersuchung geht und dabei zu außergewöhnlichen Resultaten gelangt. Bei der Lektüre darf eine gewisse Eigenart der Ausdrucksform nicht irretieren. Die Arbeit ist als Dissertation entstanden und bedient sich daher gewisser Termini, die in . der Seminararbeit ihre Prägung finden. Der Ausbau ist : außerordentlich klar disponiert und übersichtlich: überdies werden die gewonnenen Resultate am Schluß scharf fixiert und -usammengefaßt. *) Dr. Emil Schorsch: „Die Lehrbarkeit der Religion". Manns nädagog. Magazin. Heft 1229;. Beyer u. Söhne. Langensalza 1929, 96 Seiten. Preis drosch. 2,10 3UI. Um von vornherein jeder - Mißdeutung vorzubeugen, sei darauf hingewiesen, daß sich die Arbeit wesentlich mit der Lehrbarkeit der Religion für das Alter von 14 Jahren ah befaßt. Der Verfasser begründet seine Stellungnahnie mit eingehenden und instruktiven Erörterungen sowohl der religiösen Typen als auch der 3 Stufen religiöser Entwicklung: hierbei besonders auf Spranger fußend. In. der Vorstufe erkennt er eine religiöse Belehrung nur insofern an, als sich das „Ahnungsvermögen" stärken läßt, um so „die psychischen Grundlagen der Ehrfurcht als religiöse Anlage zu erwecken und zu entzünden". (Seite'91.) - Da das wesentlich Reue der Schorschschen Untersuchungen darin liegt, daß er Zwangskonstellationen fordert, diese aber erst in oder nach der Pubertät möglich sind, entfällt eine Stellungnahme der Arbeit zu dem Problem der religiösen Erziehung vor dieser Zeit. Trotzdem: ganz aus dem Rahmen der Untersuchung bleibt die religiöse Einwirkungsmöglichkeit vor dem Alter . des Vewußtwerdens auch bei Schorsch nicht. Reben der psychischen Grundlage der Ehrfurcht, welche religiöse Anlage zu entzünden vermag, lehnt allerdings der Verfasser jedes unterrichtliche Gestalten von Zwangskonstellationen ab, dagegen hält Schorsch eine religiöse Beeinflussung in der „Loslösungsperiode", das ist das Uebergansstadium vom „Vorbewußtsein" zum „Bewußtsein" für möglich, dann aber höck)- stens so. daß die „Zustände des Zweifels und der Verneinung sich erst einmal zu einer starken inneren Rot gestalten", ehe die Lehrerpersönlichkeit helfend eingreift. f Bevor wir daher auf den Inhalt des Buches näher eingehen. sei bemerkt: dasselbe bietet dem Volksschullehrer, der Binder bis zum 14. Lebensjahr religiös zu unterweisen hat, wenig fruchtbares Material für seine Arbeit: es ist von großem Interesse und kann von enorm praktischen Wert sein für den Seelsorger und für den Religionslehrer, der Unterricht in höheren Schulen erteilt und der die im Beruf stehende Jugend betreuen muß. Ferner: Schorsch bietet kerne praktische Methodik, sondern theoretische Untersuchungen. Er fragt nur danach, ob Religion überhaupt lehrbar sei. Es wäre eine dankbare Aufgabe, wenn, entweder Schorsch selbst oder mit ihm zusammen ein Mann der täglichen pädagogischen Arbeit seine Untersuchungen an praktischen Beispielen demonstrieren würde. Auf dem Gebiet der Theorie scheint uns die Arbeit von Schorsch den Blick in pädagogische«. Neuland zu öffnen. Das Problem wird von dem Verfasser wirklich einmal gründlich aufgerollt und „aufgespaltet" (ein Lieblrngsausdruck des Verfassers). Die Begriffe „psychische Wirkungsgrenze", „Zwangskonstellation" und „Ausdrucksgestaltung" werden neu eiugeführt, und deren Wert für das pädagogische Verständnis der Materie anschaulich aufgezeigt,- ganz klar führt der Verfasser dm Leser zur Erkenntnis. daß „die Wahrscheinlichkeit, datz Religion gelehrt werden kann, viel! geringer ist als die Wahv» - >.

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