Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- Heft 7 (15.7.1929)
- Date
- 1929-07-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2825247-2825274-2825281--0297-2825894- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nummer? 5. Jahrgang Jüdische Schuir Monatsschrift slir Pädagogik und Schulpoliilk .Heransgcgcben vom „Reichsverband i>cr jüdische« Lchrervereine" Die „Jüdisä>e Schttlzeitung" erscheint am 15. eines jedenMoiiiUS und wird allen Milgliedern der dem „ReichSverband der jüdischen Lehrer, vereine" angeschlossenen Pereine kostenlos zu« gestellt. — Post - Bezugspreis für Nichtmitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, LS. Juli LASS' Druck, Benag und Geschäftsstelle: M. Lehmann, Hamburg, ABC-Strahe 57. Tel.: Sammelnummer C4 Dammtor 0737 Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt- Magdeburg, für den Inseratenteil: E. L o o s, Hamburg. Anzeigenpreis 40 für die Ogespaltene Nonpareille-Zeile. Inhalt dieserNummer: Dem Andenken Michael Holzmans von Dr. Max Golde. Was sollen wir unserer Jugend über den Unterschied zwischen Judentum und Christentum sagen? von S. Frank. Fortbildungskurse sür Rabbiner und Religionslehrer. Eine kritische Betrachtung von Rabbiner Dr. Schlesinger-Buchau a. F. Protokoll der Ausschutzsitzung des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine. Literarisches. Bei der Schriftleitung eingegangene Bücher. Notiz. Dem Andenken Michael Kvlzmans. Bon Dr. Max Golde. In Michael Holzman ist eine Persönlichkeit von typischem Gepräge dahingegaugen. daher bringt es einen Gewinn an seelischen Werten, ihren Spuren nachzugehen. Die ideale Auffassung eines Lehramtes findet er .in dem Satze des Comenins ausgesprochen: 8apienter enim dixit qui dixit, scholam esse humanitatis officinas. Daher ließ er 1906 im neuen Schulgebäude den Satz anbringen: Die Schule sei eine Werlstätte der Humanität. Dieser Geist, der ihm als wahres Lebensgut erschien, verband ihn mit Steinthal, wie diesen selber mit Wilhem v. Humboldt, dem Staatsmanne von perikleischer Hoheit des Sinnes, und den deutschen Klassikern, die aus dem Glauben an die Ideale der Hirmanität den deutschen Geist neu begründet hatten. Ihn seinen Schülern in die Seele einzupflanzen, bekannte er als die heilige Aufgabe seines Lebens, und es erfüllte ihn mit tiefer Ergriffenheit, zu erfahren, daß auch sie ihn pflegten und weiterpflanztcn. Die Bildungsgütcr aber waren ihm nicht bloß der äußere Rohstoff fstr die Funktionen der geistigen Arbeit, also das eorpus vi!e der Persönlichkeitsbildung. Vielmehr waren sie für ihn mit der Pflicht verbunden, mit ihnen zu ringen, um die Spannungen ihres Gegensatzes zum alltäglichen Dasein zn erleben. Sein Unterricht war daher von. geistiger Arbeit erfüllt und strömte so wirkungsvoll aus ihm hervor, daß er seine Schüler dadurch mit überwältigenden Eindrücken innerlich erfaßte und fesselte. Flunkerei und bequeme Oberflächlichkeit wies er streng zurück und forderte gewissenhafte Kenntnis und sichere Vertrautheit mit dem Wortlaut der Quellenschriften. Bei der Entwicklung neue* Erkenntnisse, die er mit scharfsinniger Klarheit und nm'- fasscnder Uebersicht durchftthrte. suchte ex die rechte Einssicht durch spornende Aufmunterung aus den Schülern her-' vorzulocken, und seine Zustimmung gab er mit so lebhaftem Nachdruck zu erkennen, daß ihnen die Gewißheit wurde, sittliche Werte erworben zu Haben, welche die Keimkraft echten Lebens in sich bargen. Durch eine so hoch gesteigerte Art des Unterrichts erzielte er eine musterhafte Disziplin. Aber darüber hinaus griff er auch auf den gesamten Bereich der Erziehungsarbeit über, nicht in der einseitigen Begrenzung des Herbartschen Vorstellungsmechanismus. sondern durch die Autorität seines Wesens, den Weitblick seiner idealen An» schauung sowie durch das lebhafte Interesse, das er vom ersten Tag an für die Aufgaben der Erziehung und ihre Grundsätze zn wecken bemüht war. In seinen Schulreden beurteilte er die Leistungen und die innere Einstellung der Knaben, die ihm durchweg wohl bekannt waren, und spornte sie durch Lob oder Tadel. Tenn schon frühzeitig war er gewöhnt, sich in des anderen Seele zu versenken^ und seine eigene in die der ihm Anvertrauten übersttömen zu lassen. Ein ihm unverständliches Verhalten anderer aber führte ihn dazu, den Gründen hierfür in sich selber nach»- zusvrschcn. und er ahnte schließlich, daß sachlich kühle Prüfung und gerechte Beurteilung seinem Feuergeist versagt sei. Dem ihm wesensfremden persönlichen Verhalten besonders robuster Naturen stand er daher zuweilen in rührender Hilflosigkeit gegenüber und ließ sie gewähren. Einen inneren Ausgleich fand er vielleicht darin, daß er mit Aus-. merksamkcit und Güte zu helfen bemüht war, wo seine dienstlichen Beziehungen es ihm als seine Pflicht erscheinen ließen. Durch Vollendung der andern vollendete er auch sich und nach seinem eigenen Zeugnis hörte er noch als hochbetagter Greis nicht auf. sich selber zu erziehen. Seine wissenschaftlichen Forschungen erstreckten sich besonders auf die Sprachen und die quellenwissenschaftliche Begründung der Lehren des Judentums. Die deutschsprachlichen, die ihn bis zum Studium des Sanskrit zurückführten. lehnten sich an Jakob Grimm und dessen Streben an. das historische Leben ihrer Entwicklung im einzelnen aus ihnen herauszuzaubern; von ihm übernahm er auch die Andacht im Kleinen. Die klassischen Sprachen verwertete er fast nur nach dem Dienste, den sie dem Verständnis und der Ausbreitung der Bibel leisteten. In der Verbindung dieser beiden Richtungen der Forschung traf er mit Steinthal zusammen, dem er auch ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Besonderen Wert legte er auf dessen Nachweis vor der Entwicklung der sprachlichen Ideen durch die an die erstarrte lautliche Gestalt der Wörter sich anlehnende Sinneswandlung ihrer innqren Wortform. Darüber hinaus galt ihm die Sprache aber auch als das Transparent, durch dessen symbolische Form die Seele der Einzelwie der völkischen Gesamtpersönlichkeit so deutlich hervorlenchtet. daß er danach ihre geistige Individualität zu bewerten suchte. Daher hielt er beim Sprechen auf klare Artikulation und deutliche Betonung, also die Beachtung der wesentlichen Momente der Lautphysiologve und bot auch hierin ein mustergültiges Vorbild. Tenn er beherrschte selbst das mit der Zungenspitze gerollte dramatische r. das der Aesthetiker Fr. Theodor Bischer auch für die Aussprache des Deutschen fordert, ohne jedoch statt dessen das von diesem abgewiesene „Rülpsen" des Gaumensegels zu beanstanden. Die deutsche Sorachwiffen scha Ä wurzelt ja gleichsam m btsc gszzaZzzz £er