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Jüdische Schulzeitung · 1929-06-16 · Heft 6 (16.6.1929) · page 8

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
5 (1929)
Issue
Heft 6 (16.6.1929)
Date
1929-06-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 _Jüdische Schulzeit»»«. Nummer 6 Literarisches. Israel Nabin, Die Juden in Zülz. 1920. Vuchdruckerei der Neustädter Zeitung, Neustadt O.-S. — Bom Rechtskampf der Juden in Schlesien (1582—1713), ursprünglich Beilage zum Jahresbericht des iüd.-theol. Seminars für das Jahr 1926, in Kommission bei Wilhelm Jacobsohn L Co., Breslau 1927. Diese beiden Arbeiten des Dozenten am jüdisch-theologischen Seminar in Breslau sind je ein Beispiel der beiden Arten der Geschichtsschreibung der populären, allgemein gehaltenen, die arosien Gesichtspunkte herausstreichenden und der wissenschaftlichen ins einzelne gehenden, den historischen Augenblick fett* haltenden Darstellung. Die erste Schrift gilt der 1914 aufgelösten Judengemeinde in Zülz in Oberschlesien,'die nach einem Bestände non vielleicht 500 Jahren — schon in einer Bittschrift um die Wende des 16. Jahrhunderts schreiben die Juden an einen Freiherrn „wir sind in Zülz 200 Jahre geduldet" — nun nur noch in den Alten verschiedener Archive lebte und jetzt aus vergilbten Papieren in lebendiger Geschichte zu uns spricht. Was man von einer Gemeinde erzählen kann, von ihrer rechtlichen und wirtschaftlichen Lage, von ihren religiösen und kulturellen Einrichtungen, von ihren Gräbern und ihren Grossen ist nun hier bequem und fließend zu lesen. Es ist dankenswert, daß Dr. Rabin zur Festgabe der 700-Jahrfeier der Stadt Zülz O.-S. diesen Vertrag geliefert und als Sonderdruck ediert hat. Reicher Bilderschmuck erhöht den Wert des schlichten Buches. Die andere Arbeit zeigt in ihrer Fülle von Anmerkungen den Historiker, der auf der Suche nach urkundlichem Material ist und einen Zeitraum für die jüdische Geschichte bearbeitet, der in der Welt- und auch in der deutschen Geschichte von ganz überragender Bedeutung ist. Hier wird wieder so recht klar, wie die Juden um das Ansiedlungs- und Aufenthaltsrecht kämpfen müssen, wie sie ausgetrieben und ausgenommen, wie ihnen Rechte gewährt und gekürzt werden. Kontributionen und Sondersteuern, Beschwerden und Kautionen, damit füllen sich die Gemeindeakten und die öffentlichen Dokumente, so weit sie die Juden angehen. Zülz wiederum. Glogau und Breslau sind die Gemeinden, von deren Rechtskampf wir am meisten wissen. Ein Anhang druckt mehrere wichtige Urkunden ab. Der Dank aller Geschichtsschreiber ist dem Verfasser sicher. Zur Aufhellung der nicht so sehr unbekannten Geschichte der Juden in Schlesien hat er sehr viel beigetragen. Rabbiner Dr. A. P o s n e r, Kiel. Prof. Dr. Erich Stern, Privatdozent an der Universität Gießen, Dozent am Pädagogischen Institut Mainz, Jahrbuch der Erziehungswissenschaft und Jugendkunde. Vierter Band. Union Deutsche BerlagsgeseUschaft, Berlin, 1928. — Autorität und Erziehung. Eine deskriptiv-pädagogische Untersuchung. 2. erw. Auslage. Daselbst 1928. Das erstgenannte Buch, ein Sammelwerk, bringt in seinem ersten Teil Uebersichten über die „Psychologie und Jugendkunde »n der Gegenwart. Die einleitende .Studie von dem Privatdozenten Fritz Giese, Exverimentalpsychologie und Jugend künde, gibt weit mehr, als der Titel vermuten läßt: sie ist eine hervorragende Darstellung der Entwicklung der neuesten Psychologie nach Wundt uno eine gründliche.Auseinandersetzung mit den in den einzelnen Richtungen in den Vordergrund gestellten Problemen. Unter den weiteren Arbeiten über die Psychologie der Gegenwart ist die von Dr. Fritz Künkel über „Die Grundzüge der Jndivioualpsychologie" dadurch bemerkenswert, daß sie sich nicht auf die Theorie beschränkt, sondern auch die individualpsychologische Praxis wenigstens andeutet. — Aus dem zweiten Teil „Jugend wohl fahrt in der Gegenwart" ist die Arbeit von Edith Cohn, Schulpflegerm der Jüdischen Gemeinde Berlin, „Prinzipien und Organisation der jüdisch e n W o h lfayrtsarbei t", für uns von besonderem Interesse. Die sehr gründliche und von tiefem Verständnis , für die Ausgaben einer leistungsfähigen modernen Jugendpflege zeugende Studie leidet nur unter einem Uebermah von psychologischen Reflexionen und von Literatur; dagegen erfahren wir zu wenig von den praktischen Einrichtungen für Jugendwohlsahrt, besonders in der Provinz. — Die zweite Schrift von Erich Stern rührt an die Grundprobleme der heutigen Erziehungskrise. Sehr richtig stellt der Verfasser einleitend fest, daß die Erziehung schon ihrer soziologischen Struktur nach ein autoritatives Verhältnis darstellt. Dann muß natürlich die z. Zt. von den Schülern geforderte und auch von Lehrern propa-': gierte Kamrradschaftserzreyung grundsätzlich ein Widerspruch in sich selbst sein, was natürlich nicht ausschließt, daß die Kameradschaftlichkeit als ein Element in Begriff und Praxis der Erziehung;u ihrem Recht kommen kann. In der Analyse des Begriffs und der Erscheinung „Autorität" vermag ich dem Verfasser nicht zu folgen; was er als Erscheinungsformen der Autorität auszeigt — Anerkennung des Beamten, vor allem des Vorgesetzten. des Luxus, des Prunks, des Alters, eines besonderen Berüfsansehens (beim Geistlichen) ist an sich ganz einfach Achtung oder gar Angst vor der Macht. Fügsamkeit, Unterordnen ist noch nicht Anerkennung einer Autorität. Von Autorität ist erst da zu sprechen, wo das Bewußtsein von der U eberlegen he it eines andern die vertrau ens v olle Anerkennung seiner Führung zur Folge hat. Dagegen kann man dem Vcrfasser nur folgen, wenn er oas Wesen der autorirativen Erziehungsmöglichkeit in der inneren Ueb erlegen heit erkennt. Das bedeutet praktisch, daß der Erzieher sich seine autoritative Stellung dem Zögling gegenüber täglich neu erobern muß. Das erschwert wohl die Erziehungsarbeit, kann aber für die Veredelung derselben wie für die Entwicklung wahrer Erzieherpersönlichkeiten nur heilsam sein. H. Stern. Bel der 6Mlcitung tingepngent Mer. Bars Handbuch der Geschichte. Teil IV, Ausgang des Mittelalters. Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Berlin SW 19. Brosch. 6 Jl. Edmond Fleg: Warum ich Jude bin. Berlin SW. 63, Philo-Verlag, 1929. Preis geb. 2.50 Ji> EugenFuchs: Glaube und Heimat. Mit einem Vorwort von Franz Eugen Fuchs. Berlin, Philo-Verlag. Ludwig Holländer: Deutsch-Jüdische Probleme der Gegenwart. Berlin 1929. Philo-Verlag. Brosch. 1.30 *K. Notizen. Vom 17.—22. Juli findet der 16. Nürnberger Fortbildungskurs für Schulgelang statt. Bisher wurde er von mehr als 1900 Lehrern der Volks- und höheren Schulen, von Geistlichen. Schulaufsichtsbeamten. Führern von Juaendverbänden und Kantoren besucht. Er i.st der älteste Karl-Eitz-(Tonwort-) Kurs Deutschlands. Reu: Wege zur Rhythmik für den ersten Unterricht. Prospekte durch den Kursierter: Studienrar Schubcrth, Nürnberg. Hainstr. 20. Rückporto erbeten. Es geht uns die Mitteilung zu, daß zu der Fibel „Lilodenu" von M. Abraham ein Vokabularium erschienen ist, das direkt vom Verlage I. Kauffinann, Frankfurt a. Main, Schillerstraße 19. an die Lehrer für die Schüler in gewünschter Anzahl kostenlos abgegeben wird. Sammler* sucht antikes jüdisches Kultgerät wie B’ssomlrnbüchsan, Kidduschbecher, Sederschüs- ■ IfSki |f onl seln,Mazzothteller,Chanukkah-u.Sabbathleuchter, Esrogbüchsen,Thoravorhänge, Synagogenstickerelen eto. pawiMIMlMBWiBI Gefl. ausführliche Preisangebote mit genauer Beschreibung und ungefährer Altersangabe, möglichst mit Abbildungen, erbeten unter D 10097 an die Geschäftsstelle dieses Blattes.

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