Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- Heft 6 (16.6.1929)
- Date
- 1929-06-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nummer 6 _ Jüdische Schulzeitung._ Seite 5 Wölbe. Eugen: Ludwig August Frankl, der Dichter und Menschenfreund. Ein Lebensbild. (I. Kauffmann, Frankfurt a. M). 2,50 SftM\ 14 3. Würdigung des 'Dichters und Philanthropen. Wölbe. Eugen: M ajor Burg. Lebensbild eines j üd i s ch e n O s s i z i e r s. (Frankfurt a. M.), vergriffen. 13 3. Gibt den Werdegang einer geschichtlichen Persönlichkeit. die allen Versuchungen zur Treulosigkeit tapfer widersteht. Wölbe, Eugen: Sir Moses Montefiore. Ein Lebensbild. (Louis Lamm, Berlin), 4 &M\ 12. 3. Die Gestalt des ewig hilfsbereiten Glaubensbruders wird der Jugend nahegebracht. Wreschner, L.: R a b b i A k i b a E g e r. (3. Lauffmann, Frankfurt a. M.). 1 3Ui\ 13 3. Eine volkstümliche Lebensbeschreibung (3üdische Volksbücherei). Zuckermann. H.: E ed i ch 1 e. (R. Löwit, Wien), 2 3ML; 3. Dichtungen voller Begeisterung für eine Erneuerung der Größe des 3udentums. Zweig. Arnold: Nahal und Abigail. 3. Drama. (Kurt Wolff). 3.50 3iM. Zweig, Arnold: Caliban. (Kiepenheuer, Potsdam), 10 9UI; 3. Auseinandersetzung mit den verschiedenen Formen des Antisemitismus und des Nationalismus. Zweig. Stefan: 3eremias. (3nsel-Verlag. Leipzig). 6 UiM; 3. Eine dramatische Dichtung in 9 Bildern. Zeitschrift für die jüdische 3ugend. Das Zelt. Verlag L. Heller. München. Gel. von Dr, Alfred Heller und Dr. 3akob Seide. Vierteljährlich 1.20 $M. Die sexuelle Frage in -er Schule. Vortrag, gehalten am 14. Oktober 1928 auf der Lehr.erkonferenz in Wilhelmshaven. Von S. Hirschberg. Emden. (Schluß.) Unter Sinnlichkeit im weitesten Sinne verstehen wir die gesamte Fülle der über unser körperliches und seelisches Sein verstreuten Reize. In das zarteste Kindesalter liegen diese Regungen der Sinnlichkeit bereits eingebettet, .und ihre Erziehung wird immer — wenn nichts anderes — so doch das leisten, daß sie die unvermeidlichen Fehler der Aufklärung abschwächt. Kommt der Aufklärer zu früh, so unterliegt er ohne die Erziehung der Sinnlichkeit der Gefahr. das unvorbereitete Kind zu verblüffen und zu ver? ängstigcn; dann kommt die erzogene Sinnlichkeit des Kindes ihm entgegen und wird das Schlimmste verhüten. Kommt der Aufklärer zu spät und muß befürchten, im geheimen verlacht zu werden, dann wird die verzogene Sinnlichkeit des Kindes diesem Lachen die feindselige Gegen sätzlichfkeit nehmen. Ist der Aufklärer zu zaghaft; das Kind wird selber nachhelsen können. Ist er plump und derb; die erzogene Sinnlichkeit wird seine allzugroße Deutlichkeit mit den silbernen Wölkchen der Phantasie umkleiden. Also: Aufklärung oder nicht — eine Erziehung der Sinnlichkeit ist in jedem Falle das erste und wichtigste, das natürlichste und selbstverständlichste, das einfachste und leichteste.''das dankbarste und ergiebigste. - Worin aber besteht die Erziehung der Sinnlichkeit? Wir können mit der Sinnlich»- keit nichts anderes anfangen, als sie veredeln, d. h. nicht . j-t mehr und nicht weniger als die Vermischung dieses Tricj *; bes mit anderen Trieben, als die Vereinigung, die Verbin- { ' düng dieser Regungen mit Regungen anderer Ärt; d. h. '! t ’• eine Gewöhnung der Sinnlichkeit, sich mit den übrigen * fh1 Neigungen und Bedürfnissen des Men schm zu vertragen. oder ganz derbe ausgedrückt: wir müssen den Knüppel - an den Hund binden; dadurch wird der Hund zunächst einmal vor dem augenblicklichen gefährlichen Umsichbeißen ji! bewahrt und fürs zweite an eine sanftere Lebensart im? v - ganzen gewöhnt. Um es an einem Beispiel klar zu machen: Vi Man pflegt gewöhnlich zu sagen: alle wahre Kunst ist , j keusch. Das stimmt aber nicht. Währe Kunst kann sogar i A denkbar unkeusch sein, insofern sie aus dem Untergrund yv einer starken und lebhaften Sinnlichkeit erwächst. Man könnte beinahe sagen: ein Künstler ist um so größer, je . 'R,r stärker seine Sinnlichkeit ist. vorausgesetzt natürlich, daß die . .? Stärke seiner Gestaltungskraft der Stärke seiner Sinnlich- . T r»i feit entspricht. Indem nämlich der Künstler gezwungen - j ist. seine Sinnlichkeit zu gestalten, eine Ausdrucksform; -J; für sie zu suchen, trägt er schon etwas Neues und Fremj V'l des in seine Sinnlichkeit hinein. Die technische Arbeit am « *' Werk mit ihrer Inanspruchnahme des Verstandes, des Ge- ' : schmacks und was sonst dazu gehört, all das gießt gewissermaßen Wasser in das rote Blut seiner Sinnlich-;’’v fett, verdünnt es und zähmt seine Sinnlichkeit. Aehnlich mr.£ verläuft die Sache beim Genießen des fertigen Kunstwerks. ' l, ‘‘ Ein erotisches Kunstwerk beispielsweise wirkt natürlich "\\ aus die Sinnlichkeit des Betrachters. Aber dadurch, daß er ' das Gemälde als Kunstwerk zu betrachten gelernt hat, mischen sich in diese erotische Wirkung so viele Wirkungen - anderer Art, daß die Sinnlichkeit gebunden und ihr die . i Gefährlichkeit genommen wird. \‘;i Die Erziehung hat nun lange Zeit hindurch den großen ' ' Fehler begangen, die Sinnlichkeit zu übersehen; sie hat getan, als ob sie gar nicht da wäre, sie hat die Sinnlich)- j feit, die stärkste Regung ihrer Zöglinge ganz und gar ’ . I auszuschaltcn versucht, sie hat die Schriftsteller von allen erotisch scheinenden Stellen „gereinigt", sie hat die Dar- ‘ . stellung des nackten Menschen entweder vollständig aus K ihrem Gesichtskreis verbannt oder mit dem Feigenblatt versehen, sie hat jedes Wort, das nur irgendwie Beziehung zur Sinnlichkeit verrät, als unanständig und unsittlich gef,. brandmarkt. Und damit hat sie natürlich das Gegenteil von dein erreicht, was sie erreichen wollte, sie hat die „j Sinnlichkeit nur gereizt, gefördert, gefährlich gemacht. Je mehr Nahrung aber die Sinnlichkeit aus ihrer Umgebung ..Tj' zieht, um so nötiger wird es, daß wir als Erzieher uns! % mit ihr zu beschäftigen suchen und ihr unsere ganze \t Aufmerksamkeit schenken. , . Nichts verbergen, nichts verhüllen! Das gilt einmal für das gesprochene Wort. Es gibk keinen Vorgang des körperlichen Lebens, der nicht verständig und D ohne Tuscheln besprochen werden könnte; es gibt auch hier Grenzen, selbstverständlich; aber jenseits dieser Grenzen . 1liegt nur das wahrhaft Schmutzige. ' , V. Von der bildenden Kunst habe ich bereits ge-- (.» sprachen. Wenn ich meine Kinder darauf Hinweise, wie j dies und jenes vom Künstler gemacht ist, wenn ich von „ ’ ‘ 1 den Farben spreche oder von dem Stein und der Bronze \;fj und dergleichen mehr, dann habe ich schon der Sinnlich»- keit ein ihr Fremdes aufgedrängt, mit dem sie teilen muß. Aber ein zweites ist noch wichtiger. Das Kunstwerk ist nicht nur mit diesen oder jenen Kunstmitteln gemacht, es ist auch aus einer bestimmten seelischen Verfassung heraus entstanden, in die der Künstler uns als Beobachter hineinzwingt. Wir müssen aus unserer eigenen