Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- Heft 5 (15.5.1929)
- Date
- 1929-05-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nummer 5 __Jüdische Schulzeitung. _' Seite 7 körperlichen und damit auch eine Förderung der geistigen Gesundheit des Stammes. . Das sozusägen von der Scholle selbst ausströmende, aber auch von starker seelischer Beeinflussung genährte Gefühl, den Boden der Väter für die kommenden Geschlechter zurückzuerobern. gibt den meisten die Kraft, die ungeheuren Mühen und Entbehrungen zu tragen und zu ertragen, welche die Urbarmachung des Landes ihnen auferlegt. gibt ihnen und den andern, die im Wirtschaftsleben stehen. den Mut und die Ausdauer, die Schwere der wirtschaftlichen Verhältnisse zu überwinden und trotz Enttäuschungen herber Art auszuharren, eine Leistung, die nur wenig durch den Umstand beeinträchtigt wird, daß die sozialen, ökonomischen und politischen Verhältnisse, welche viele von den jungen Kolonisten in ihren Heimatländern verlassen haben, vielleicht noch ungünstiger waren. Tatsächliche oder vermeintlich erhaltene Zusage, eigene Leistung und Vergleich mit der Umgebung verleihen der jüdischen Bevölkerung das Gefühl mindestens gleichen Rechtes und Wertes in politischer, religiöser und kultureller Beziehung. Alle die erwähnten Momente geben den dortigen. besonders den jungen Inden Selbstbewußtsein und Haltung. Die Tatsache, auf dem Boden der Ahuen, des Volles der Bibel und der Religion, zu leben und zu wirken, vertieft und verstärkt wenigstens in vielen die Verpflichtung, die religiösen Ueberlieferungen zu wahren. Durch Beispiel und Lehre wie auch durch tatkräftige Hilfe fördern die Juden den unter der arabischen und zum!eil auch unter der älteren jüdischen Bevölkerung so notvendigen Sinn für Hygiene. Durch ihre soziale Hilfsbereitschaft wie auch durch ihre sanitären Institutionen. )crcn. Wohltat sie auch den Nichtjuden zugute kommen assen. wecken und stärken sie duldsames und friedliches Zusammenleben. Dieses vollständig herzustellen, müßte >as Ziel der Wohlgesinnten alle Parteien sein, der Bevohncr des Landes und seiner Verwaltung. Nach der Hoffnung der Zionisten soll Palästina werden >ie Gcburtsstätte und das Zentrum einer neuen jüdischen lultur, das unbestrittene, unangefochtene, politisch anrlannte und garantierte Heim der jüdischen Gemeinschaft. Bäuschen wir wenigstens, daß alle unsere Glaubensgenossen. die innerste Sehnsucht nach dem Lande unserer Vorfahren geführt hat oder die vertrieben durch die larbarei ihrer Heimat in Palästina eine Zuflucht suchen. i;r eine Stätte, finden mögen, wo ihnen in gleichberech-- igiem Zusammenleben und friedlichem Wettbewerb mit llcn Bewohnern des Landes eine sorgenfreie, ftohe, icnschenwürdige Existenz beschieden sei. Literarisches. Posner. Dr. A.. Die Freitag-Abendgebete. 1929. ielbstverlag. Preis 1.75 RM. Ein kleines, unscheinbares, aber wertvolles Büchin. Der gelehrte Verfasser behandelt eingehend und liebeoll msbesondere die Psalmen des Kabbolas schnbbos und as L’choh daudi-Lied — eine dankenswerte Arbeit, geeignet ir llnterrichtende und mangelhaft Unterrichtete, um ihnen nt Sinn und die Bedeutung dieser Dichtungen nahe zu ringen. — Nach Ansicht des Verfassers ist das Grundoliv der sechs Psalmen, sowie auch der eigentlichen zwei advatpsalm das Lied der messianischen Friedenszelt, er Weltensabbat. So sehr wie wir im ganzen mit ihm »Neinstimmen. halten wir freilich manche seiner diesbezügtien Deutungen für gezwungen. Wir können ebensowenig ) Psalm 95 ..Vorboten der messianischen Zeit" entdecken. wir sogar im Psalm 99 ganz klar ein Bild aus der ''üllichleit des Tempelbestandes zu erkennen glauben. Auch Psalm 92, der Mismaur' schir l'jaum haschschabbos, toll uns weniger paradiesische Zukunftsmusik als eine Hymne * verinnerlichten Sabbatgedankens „Gott ist grob und gerecht!" Darzustellen: Stehst du nun am Ende deiner Werktagsarbeit^ siehst nicht immer den greifbaren Erfolg vor dir, beobachtest im Gegenteil das Blühen des Frevlers, roscho w'tatiw lau. zaddik w'ra lau, so zweifle doch nicht an Gottes Gerechtigkeit. Der Frevler grünt freilich, aber wie leicht welkend:s Gras — der Fromme aber blüht wie die hochragende Palme, die nach dem Glauben des Morgenländers drei Menschenalter hindurch Früchte trägt, schiebt empor gleich der himmelanstrebenden Zeder des Libanon, denn er hat seine Wurzeln im Hause des Ewigen, in Gottes Vorhöfen, Isch baar, K’ßil! urteile nicht nach dem Schein: Der Frevler gewebt vielleicht die gleibnerischen Freuden der diesseitigen Welt, dem Frommen ist ein höheres Ziel bestimmt. Dieser sabbatliche Gedanke scheint mir von dem Verfasser nicht klar genug berausgearbeitet. Trotzdem ist die Herausschälung des Erunomotios aller dieser Sabbatpsalmen vorzüglich gelungen. — Wenn ich noch auf einige mir nicht ganz zutreffend scheinende Uebertragunqen und sprachliche Härten Hinweise, so soll damit der Wert des Büchleins keineswegs herabgemindert werden. In 95, 2 dürfte in n'kadd'moh das frühe Erscheinen vor Gott liegen: in Vers 6 ist „uns" wohl überflüssig: in Vers 7 ist raun jodau zu wörtlich genommen. In Psalm 96 jauch in 29) ist badras kaudesd, rein granimatisch wohl unrichtig übersetzt, es ist ein status construdus, also kaudesch, ein Substantiv als „Heiligtum" auszufassen, demnach badras kaudesch mit „Pracht des Heiligtums" zu übersetzen: das entspricht ja auch der Auffassung des Verfassers auf S. 14. Psalm 97, 7: „Schnitzbildverehrer" klingt recht unpoetisch. In Psalm 99. 1 soll nach meiner Ansicht in einer doppelten Antithese Gottes Gröbe dargelegt werden: G. ist König — die Völker lalle) erzittern: Er thront auf den Cherubim — es wankt die (ganze) Erde. In Vers 4 hat die sprachlich Schwierigkeit des aus meleeh m. E. ausgezeichnet Hirsch mit den Worten „Die unwiderstehliche Königsmacht" überwunden. Ob in Psalm 29, 9 tnv'liecholau das „Heiligtum" schlechthin gemeint ist. scheint nicht nur mir zweifelhaft. Manche Erklärer weisen auf Psalm 11, 4 hin, wo ohne Zweifel hechat mit schomajim identifiziert wird. Sollte es nicht denkbar sein, dah der Psalmist hier, nachdem er der gesamten Eottesnatur Gottes Stimme in den Mund gelegt, unter hechal den Weltentempel versteht, in dem alles, alles Gottes kowaud, des Schöpfers Herrlichkeit predigt'? In Vers 11 möchten wir die Futurum-Formen lieber als Optativ aufaefabt sehen: das dürfte doch auch mehr den Intentionen des Verfassers entsprechen.-3a Seite 33: Nach Iawez ist der Minha# des Kabbolas schabbos auf N. Maufcheh Kordowira, den Schwager und Lehrer des N. Schlaumauh hallewi Alkabez, zurückzuführen. — Zu der Iledertragung seines L'choh daudi möchte ich den Verfasser auf die kritischen Bemerkungen des gelehrten Professors Vaneth in der „Monatsschrift" 70. Jahrgang. Seite 50 verweisen. Nach ihm haben wir in dem ainmi in der 4. Strophe einen Schreibfehler zu finden: es müßte immi heißen. Das ist auch sehr einleuchtend, denn sonst wäre die weibliche Form dieser Strophe falsch. — Ob hier mit den Worten ul fad ben jischai nicht mehr die Psalmen» Davids gemeint sind, die meiner Seele die Erlösung bringen ollen, während mit ben parzi in Strophe 8 der Messias elbst herbeigesehnt wird, gebe ich anheim. — Zu Seite 50 er bemerkt, daß in Strophe 5 auri unmöglich „mein Licht" . leihen kann, erstens wegen des mü'el, zweitens weil aur maskulin, drittens weil Ies. 60, 1 als Ursprungsstelle zweifellos das auri ebenfalls „leuchte" und nicht „mein Licht" zu übersehen ist. — Pf. 92, 12 halten wir „meins Lauerer" für sprachlich unschön. — Diese Bemerkungen können uns in unferm vorausgeschickten Eesamturteil über Posners Monographie nicht wankend machen: die Arbeit ist hervorragend geeignet als Hilfsmittel für den Unterricht und labt uns den Wunsch nach öfteren ähnlichen Arbeiten des fruchtbaren Eregeten hegen. J. B. L. M. Abraham und I. B. Levy. Schaare Zeder, 2. Teil. Neubearbeitung der Tefilla kezara und Schaare Tora. Eine methodische Einführung in die Sprache der Bibel und des Gebetbuches. Die beiden Herren sind jahrzehntelang getrennte Wege gegangen. Wie bestimmend sie dabei für den Gang des hebräischen Unterrichts innerhalb Deutschlands durch die weiteste Verbreitung ihrer Lehrbücher geworden sind, wissen wir alle. In der uns vorliegenden Neuerscheinung übergeben die Verfasser ein 2. Hilfsbuch (die gekürzte Um arbeitung des 1. Teiles von Schaare zedek zähle ich nicht mit) für den hebräischen Unterricht als Frucht gemeinsamer