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Jüdische Schulzeitung · 1929-05-15 · Heft 5 (15.5.1929) · page 5

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
5 (1929)
Issue
Heft 5 (15.5.1929)
Date
1929-05-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nummer 5 Jüdische Schulzeitung.__ Seite 5 Platze im‘ Orte wurde feierlich eine Dose herumgereicht mit weihen Pillen: Chinin. Denn wir befanden uns in einem Gebiet, das nun zwar im großen und ganze,: malariabefreit ist. das aber zur Zeit seiner Urbarmachung den größten Teil seiner Ansiedler schonungslos dahingerafft hat. In dem zähen Kampfe, der damals zwischen tödlichem Klima und menschlicher, das heißt, übermenschlicher Energie geführt wurde, siegte endlich die letztere. Ein Eukalyptuswald von 6 Kilometer Länge und 2 Kilometer Tiefe und unter seinem Schutze die nun blühende Kolonie sind die bleibenden Denkmale. Das erste jüdische Haus, jetzt zum Teil Ruine und, soweit bewohnbar, eine Polizcistation, war in Wirklichkeit eine kleine quadratische Festung, weil man vor dem Fanatismus und der Feindseligkeit der Araber auf der Hut sein mußte. Nun gibt es hier einen Kindergarten mit 50 Kleinen und eine Schule mit 120 Schülern und 6 Lehrkräften. Die Nacht wollte ich nicht hier, sondern in Sichron Jakob verbringen und dann in der Frühe noch diese Kolonie betrachten. Also mit der Bahn nach Benjamina und dann weiter mit dem Autoomnibus. Der Omnibus muß das Doppelte seiner normalen Besetzungsziffer mitnehmen, denn eine Schülerschar aus Jerusalem, 10—12jährige Knaben und Mädchen, wollen und sollen noch» mit. Es ist 8 Uhr abends, die Fahrt dauert etwa, 1 Stunde. Aber die Kinder sind und bleiben fidel. Mit guten kräftigen Stimmen und bewundernswerter Ausdauer singen sie innncr wieder schon im Takt ihre munteren und schalkhaften (hebräischen) Lieder. Sichron Jakob ist ein stattlicher, schön angelegter Ort. durchzogen von der Straße Jaffa-Haifa. D«ie festen Häuser haben durchweg ummauerte Vorgärten. Ein Hof, den ich betrete, ist ein richtiger Bauernhof. Die Einwohner des Ortes besitzen zusammen große Schaf- und Ziegenhcrdeu. Auch einige Araber wohnen im Orte. Sie sind jedo.., nu. die Hirten und Knechte. So ein arabischer Hirte bekommt, wird mir gesagt, pro Stück Kleinvieh 1 Piaster im Monat und verdient somit etwa 200 Piaster, das heißt 2 Pfund Sterling oder 40 Mark, nicht viel, doch hinreichend für seine außerordentlich geringen Bedürfnisse. Außer dem schönen Kindergarten, der diesen Namen verdient, siel mir noch besonders der baumreiche, stimmungsvolle Friedhof auf. XVIU. t Am Bahnhof zu Benjamina fand ich früh um 9 Uhr verabredetermaßen den Trupp der Realschule aus Haifa vor. Mit dem Zuge geht es nach Nablus. In musterhafter Ordnung, unter militärisch scharfem Kommando, vollzieht sich der Abmarsch und dann der Marsch durch die Stadt. Es ist sozusagen ein historisches Ereignis. Zum ersten Male ziehen etwa 50—60 jüdische Schüler und Schülerinnen geschlossen unter Führung und Begleitung ihrer Lehrer durch diese bis vor kurzem noch so judenfeindliche. unzulängliche, ganz mohammedanische Stadt. Vor dem Erdbeben durfte hier in Nablus außer den Samaritanern kein Jude wohnen. Erst das Erdbeben und seine Folgen schufen eine Wandlung zum Freundlicheren. Es stimmte nachdenklich, daß diese ganz mohammedanische Stabt mit am bösesten vom Erdbeben heimgesucht wurde, während rein jüdische Orte gänzlich verschont blieben. Dazu kam die rasche, umfangreiche, selbstlose Hilfe, die die Juden den Mohammedanern überhaupt und dieser arg heim gesuchten Stadt insbesondere zuteil werden ließen. Nun leben im ganzen etwa 15 jüdische Seelen im Orte, Arbeiter, die den Arabern Nothäuser aufbauen, der Ingenieur. ein Zahnarzt, eine Aerztin. Sie haben ihre Behausung nahe beieinander. Diese kleine Kolonie ist hoch erfreut, uns ausnehmen zu können. Die Mittagsstunden über verbleiben wir in den weiten Räumen des großen arabischen Hauses, in dem der Ingenieur und die Aerztin wohnen. Vier junge Araber kommen, ich weiß nicht recht, aus welchem Grunde. Aber sie bleiben lange, in lebhafter Unterhaltung mit den Lehrern der Realschule. Einer der Araber spricht fließend hebräisch. Er hat mehrere Jahre in der jüdischen landwirtschaftlichen Schule zu Mikweh Israel gelernt. Er gehört anscheinend zu der Gruppe der jungen intellektuellen Araber, die ein friedliches und freundschaftliches Verhältnis zwischen Juden und Arabern erstreben. Nachmittags auf der Post, wohin ich mit einem Lehrer und einem arabisch sprechenden Schüler gehe, lernen wir einen jungen netten Samaritaner kennen. Auf Befragen höre*: wir: Die samaritanische Gemeinde zählt gegenwärtig 190 ' Seelen. Sie besteht aus 7 großen oder 30 kleinen Familien. 2 Familien habe,: die reine Linie der Abstammung durch Eheschließunger: mit Nichtsamaritanerr: durchbrochen. Beide fremden Frauen stammen aus Polen. Das eine Ehepaar ' hat drei Kinder. Mädchen, das zweite wohnt jetzt in Haifa. Das samaritanische Peßach ist dieses Jahr einen» Monat später als das jüdische, der Hohepriester mit seinem Gefolge hat darum noch nicht — wie es sonst geschehen wäre — auf dem Garizim Wohnung genommen. Nrn 4 Uhr erfolgt, nach geordnetem Marsch durch die Stadt, der Ausstieg auf den Garizim. An der Spitze und am Schlüsse des Zuges reitet ein arabischer Polizist. Es ist auf jeden Fall so besser. Drei Schvmronim kommen als Führer und Erklärer mit. Nicht umsonst wurde wohl der Garizim als Berg des Segens erwählt, der Ebal als Berg des Fluches. Der Garizim muß in der Zeit der Blüte des Landes eine Stätte des Segens gewesen sein, voll Waldbcstand und Fruchtbäumen. 22 Quellen rieseln von der Höhe herab und spenden der Stadt gutes Wasser in Fülle. In einer Stunde ist der Gipfel erreicht —nicht ohne Anstrengung und manchen Schweißtropfen auf dem steinigen, steilen Pfad. Dafür genießen wir von der Höhe eine prächtige Aussicht, kriechen in den Resten der römischen Burg und der byzantinischen Kirche herum, betrachten den Fels, auf dem der Brandopferaltar der Samaritaner gestanden haben soll und auch den Fels, auf dem nach der Behauptung der Schvmronim Jsat zum Opfer geführt wurde. Einen herrlich begonnenen Sonnenuntergang können wir leider nicht anskosten, weil der Abstieg nach der andern Seite, hin erfolgt. Vorbei an den Wellblechs- Hütten. welche jüoische Arbeiter den obdachlos gewordenen Arabern errichtet haben, geht der geordnete Marsch wieder zurück zum Heim. Nach dem Abendbrot erzählt der schon genannte junge Samaritaner die Geschichte seines Stammes und seiner Gemeinschaft nach deren Ueberlieferung. hinterher, zur Ergänzung und Berichtigung, ein Lehrer der Realschule — etwas sehr eingehend — dasselbe nach der jüdischen. Auffassung. XIX. Ziemlich früh am andern Morgen führt uns die Eisenbahn in kurzer Fahrt bis an den Fuß des Berges, auf dem einst S a m a r i a das biblische Schomron, die Hauptstadt des Nordreiches Israel, die nachmalige Residenz Herodes' gelegen hatte. Nur 100 Meter ragt die Hochfläche des Berges über die Umgebung empor, doch ist dieser isoliert und hoch genug, um gut befestigt lange einem Feinde widerstehen zu können, wie es die Assyrer erfahren haben.

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