Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- Heft 4 (15.4.1929)
- Date
- 1929-04-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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/ Stummer 4 5. Jahrgang Monatsschrift für Pädagogik und Schulpolitik HcriniSgegebe» vom „Rcichsvcrband der jüdische» Lchrervcreinc" Monalsschrisl für Pädagogik und Schulpolitik Die „Jildiscve Schulzt'itttlig" erscheint am 15. eines ledenMonnls und wird allen Mikgliedern der dem „ReichSverdand der jüdischen Lehrer, vereine" antteschiossenen Vereine kostenlos zugestcllt. — Post»Bezugspreis für Nicht» Mitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, LS.April Druck, Vertag und Geschäftsstelle: M. Lehmann, Hamburg, ABC-Strahe 57. Tel.: Sammelnummer C4 Dammtor 07117 Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt. Magdeburg, für den Inseratenteil: E. L o o s, Hamburg. Anzeigenpreis 4tt $ für die 6gespaltene Nonpareille-Zeile. In halt dieser Nummer: Fünfundrwanzig Jahre Ahlem, von Alfred Rosenthal (Aros). Chefredakteur beim Scherlverlag. Probleme des hebräischen Anfangsunterrichts. von H. M a n d e l b a u m. Hamburg. Eindrücke von meiner Paläftinareise, von M. Abraham (Fortsetzung). Vereinsinbiläum. Literarisches. Bei der Schriftleitung eingegangene Bücher. Fünfundzwanzig Jahre Ahlem. Anläßlich des 25jähr. Jubiläums der Gartenbauschule . Ahlem bei Hannover. Von Al fr. Rosenthal (Aros), Chefredakteur im Scherlverlag. Rastlos enteilt die Zeit. Unerbittlich wird aus dem Heute das Morgen. Generationen kommen und gehen. Be-, stcherr bleibt nur die Idee und das Ideal, vielleicht geswandelt durch die Ereignisse, bestimmt durch allerhand innere und äußere Einflüsse, aber doch gleichbedeutend, in seinem letzten Inhalt, .damals wie heute. Damals — vor fünfundzwanzig Jahren, als man den Bund ehemaliger Ahlemcr gründete, in jenen Jahren, da wir noch das große und starke Deutschland repräsen.- ticrten, sahen wir die Weltgeltung der einzelnen Ideen, die Bedeutung des einzelnen Problems wichtiger, klarer und in ihrer Wirkung weltumspannender. Heute steht alles mehr im Daseinskampf für sich selbst. Heute, nach dem Zusammenbruch, erfordert der Lebenskampf von dem einzelnen fast alle Kräfte für die eigenen Interessen. Man vergißt allzu leicht die großen Gesichtspunkte, sieht Vergangenheit nur noch als Schemen, während sie doch unveränderte, maßgebende und grundlegende Richtschnur fürs Leben war und ist. Fünfundzwanzig Jahre — eine kurze Zeitspanne und doch Inbegriff deutschen Schicksals, vielleicht sogar Inbegriff welterschütternder Entwicklung. Was ist in diesem Weltenringen und Weltenformen Ahlem und die Ahlemcr? Vielleicht nicht viel und doch Unschätzbares und Wertvolles. Wenigstens unter dem engeren Begriff des deutschen Judentums gesehen, betrachtet vom Standpunkt der Weiterentwicklung der deutschen Judenheit und ihrer Jugend. Es steigen im Geiste Bilder jugendfroher Tage ans, als wir in Mftem lernten, spielten und turnten. Wo das kleine Beet im Garten Inbegriff unserer Sorge war. Wir denken zurück an Lehrjahre, wo der Rat unserer Erzieher aus dem kleinen Fleckchen bei Hannover das Wichtigste, Wertvollste und Entscheidende für unsere Weiterentwicklung gewesen ist. Wenn wir uns dieser Perioden unseres Lebens erin* nern, erkennen wir deutlich Ahlems Wert. Nicht nur für uns. nicht nur für die damalige Jugend, sondern noch mehr die Bedeutung für das Heranwachsende Geschlecht. Eigentlich fast unfaßbar für jemanden, der mitten in beit Strömungen des Lebens steht, daß diese Idee, für die zuerst und heute immer noch Ahlem kämpft, verblaßt und verschwommen ist. daß man in dem Werk Konsul Simons nicht mehr Mittelpunkt jüdischer Erziehungsstratcgie und Taktik sieht. Die Gründe dafür? Vielleicht, weil wir Ahlemcr nicht genügend treu zum Werk gehalten haben. Vielleicht, weil gerade innerhalb des Judentums auch dessen unpolitische erzieherische Probleme von dem Streit der Parteien durchsetzt und durchtobt sind. Vielleicht, weil heute nicht die Tat, sondern das Wort am meisten gehört wird. Kann das anders werden? Heute' wo. wir sünfundzwanzigjähriges Jubiläum feiern, eine ernsthaft zu diskutierende, aktuelle Frage. Und die Antwort darauf muß lauten: Selbstverständlich. Es muß aus diesem Gedenktag so etwas wie eine neue Grundsteinlegung werden. Es muß durch die Ahlemer, die im Leben weitergekommen sind, ein Zug gehen, der ein heiliges Feuer entfacht, dessen Flamme hoch auslodert. durch Deutschland und durch die ganze Welt leuchtet, um neu zu verkünden, daß das Ahlemcr Werk groß und gewaltig leben und wachsen soll. Die Begeisterung muß um sich greifen auf alle Kreise der deutschen Judenheit. muß dazu beitragen, daß alle Mitarbeiten am Werk Simons, wie in vergangenen Tagen. Man muß sich darüber einig werden, daß Ahlem der Kern ist. um den sich alte Probleme, die sich mit der körperlichen Ertüchtigung der jüdischen Jugend befassen, zu drehen haben. Eigentlich unfaßbar, warum man Ahlem nicht immer. und selbstverständlich in den Mittelpunkt der Ertüchtigung jüdischer Jugend gestellt hat. Alle Voraussetzungen sind dafür gegeben. Wir alten Ahlemer, erprobt im Leben, könnens bezeugen. Wir brauchen nicht mehr zu diskutieren und können darauf Hinweisen, daß alle anderen Ideen, die nebenher und nachher geboren wurden, in ihrem praktischen Erfolg und ihrer praktischen Lösung zurückstehen müssen hinter den Ideen, die Konsul Simon einst in Hannover durch Ahlem propagiert und praktisch durchsetzte. Gewiß, das Problem, deutsche Juden zum Handwerk und zur Bodenkultur in erhöhtem Umfang zu führen, ist nicht einfach. Bergehoch türmen sich die Schwierigkeiten. Aber sie müssen überwunden werden im Interesse der Gesamtheit, und sie können es, wenn man wirklich ernsthaft daran gehl und sich zu einem Werk zusammenfindet, das