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Jüdische Schulzeitung · 1927-05-15 · 5 (15.5.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
3 (1927)
Issue
5 (15.5.1927)
Date
1927-05-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Nummer 8 Monatsschrift für Pädagogik und Schulpolitik MM I Üt. Hcransj^egeben vom „Verbände der jüdischen Lchrervereine im Deutschen Reiche" Die „Iüdisckie Sckmlzeiiniig" erscheint am 15. eines redenMonats und wii d allen Nilgliedern der dem „Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" angelchlofsenen Vereine kostenlos zugestellt. — Post-Bezugspreis für Nicht Mitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, IS. Mai 1927 Druck, Verlag und Geschäftsstelle: M.Lctzmann, Hamburg, ABC-Strahc 57. Fernsprecher: Elbe 7910, 7911, Vulkan 8089. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt- Magdeburg, für den Inseratenteil: E. L o o s, Hamburg. Anzeigenpreis 40 für die Kgcspaltene Nonpareille-Zeile. I n h a l t d i c s e r N u m m e r; Das Achtzchn-Ecbet von I. B. Levy (HI. Folge). Anregungen und Anträge für den israelitischen Religionsunterricht an den Schulen in München von Oberlehrer S. Dingfelder (Schluß). Pädagogische Plauderei. Vereinigung der israelitischen Lehrer und Lehrerinnen in Frankfurt a. M. (Bericht der 177. Sitzung.) Bei der Schriftleitnng eingcgangene Bücher. Literarisches. Das Achtzehn-Gebet. Exegetische Studie von I. V. Levy. III.' Folge. 4. In Megilloh 17.2 heißt es: Moli rou laumar Binoli achar K'duschschoh? Was hat die Anordner des Gebets veranlaßt, den Lobspruch (für) nra (Einsicht) unmittelbar der K’duschschoh folgen lassen? Weil der Prophet Icsajah (29,23 und 24) spricht: Sie heiligen den Heiligen Jaakobs, und den Gott Israels verherrlichen sie, und es lernen, die irren Geistes sind, Einsicht (Binoli), und selbst die Ausrührer nehmen Belehrung an. Wir entnehmen diesem Talmudwort nicht nur den tiefen Zusammenhang zwischen den nachbarlichen Lobsprüchen, sondern auch den thematischen Namen, der allerdings in B'rochaus 33* Cliochmoli (Weisheit) lautet. Die diesbezügliche Talmudstelle ist nach vielen Richtungen so lehrreich, daß wir sie an den Anfang unserer Ausführungen über diesen kurzen und doch so inhaltsschweren Lobsprnch setzen wollen: Hawdoloh ist in Chaunßn haddoas eingcfügt. denn Naw Jaußkf sagt: Weil zur Unterscheidung (nach Rasch!: zwischen Heiligem und Gemeinem, zwischen Reinem und Unreinem) Klugheit gehört, hat man dieses Gebet in Birkas cliochmoli eingeschaltet. Die andern Weisen aber sagen: Weil Hawdoloh den Beginn des Alltags einleitet, soll man sie in die erste B’rochoh des Alltags (Birkas cliaul) cinschalten. R. Ami sagt: Groß ist die Erkenntnis (D6oh) denn sie steht zwischen zwei Eottesnamen, denn so betet Hanna (Samuel 1, 2): Ki kl dßaus adaunoj, und wem Erkenntnis mangelt, dem gilt kein Mitleid: denn so heißt es in Icsajah 27: Denn es ist kein Volk der Einsicht, darum erkannt sich seiner nicht sein Schöpfer. R. Eleasar sagt: Auch das „Heiligtum" ist fo bedeutend, denn auch cs steht zwischen zwei Eottesnamen (H, 15): Die Stätte, die du dir zum Wohnsitz geschaffen, o Ewiger — adaunoj, mikdosch, adaunoj, — das Heiligtum, o Ewiger, das Deine Hände bereiteten. Und. so fügt R. Eleasar hinzu, demnach ist derjenige, der dßoli (Erkenntnis) besitzt, so glücklich, als wäre das „Heiligtum" in seinen Tagen erbaut worden, denn beide — DCoh und Mikdosch — sind vorzügliche Geschenke Gottes, stehen unter dem Doppelzeichen seines großen Ramens. — . ■' Auch R. Jehuda halewi läßt dem Xusari auf feine Frage nach dem Zwecke des gemeinsamen Gebets (Ul, 19) u. a. antworten: An die erste Stelle verdiente die Bitte um Verstand pnd ^rst-uchfrW .... gesetzt zp werden; der Mensch betet, iriiitm f'viHi näher geh nicht sti werden: deswegen spricht er „Du begnadest den Menschen mit Verstand" vor dem dann folgenden „der Wohlgefallen hat an Buße", damit diese Erkenntnis und, Einsicht sich auf dem Wege des Gesetzes und des Gottesdienstes bewege — mit andern Worten: Erkenntnis, wahre Erkenntnis ist die Vorbedingung aller Sittlichkeit und Pflichttreue. So sagte auch unser Lehrer, unser einstiger Seminardirektor Dr. Kroner s. A.: „Die Eottähnlichkeit des Menschen zeigt sich in seiner Einsicht und Vernunft. Ohne sie ist er geringer und unglücklicher als ein Tier; ohne sie lebt er im Finstern und hat keinen Wert. Sie ist die Grundbedingung seines Menschendafnns; darum betet Israel zuerst um Einsicht." Der Verfasser des Ijjun hatt’ filloh weist dankenswerter Weife auch noch darauf hin, daß der Text unserer B’rochoh eine vorzügliche Ueberleitung von den drei Lobsprüchen zu den« mittleren Vitt gebeten darstellt, von denen keine einzige mehr mit einem Lob Gottes beginne, vielmehr sofort die entsprechende Bitte an Gott richte, so: Haschiwönu, S'lachlonu, R’fih, R’foCnu üsw. Die drei Gottksgaben Oöoh, Binoli und Haßk61 bedürfen wohl der genaueren Definition. Rach Hirsch ist Dßoh die richtige Erkenntnis der Beschaffenheit der Dinge und Vcrhältnisie, Biuoh die durch folgendes Urteil zu gewinnende Einsicht in den Zusammenhang und die Beziehungen derselben (ich möchte dabei auf die etymologische Beziehung dieses Wortes zu ,-j 22 bauen, pa eigentlich trennen, scheiden, dann erfahren, bemerken, verstehen u. ä., pa zwischen — entstanden aus pa — und endlich dem abgeleiteten nmn Hinweisen). Haßköl ist die rechte Anwendung des Erkannten (ich verweise auf I. Samuel 18,30, wo die Wurzel dieses Wortes nicht anders als mit „Erfolg haben" zu übersehen ist, während die Hii'il-Formen meistens „Einsicht gewinnen, einsichtig handeln", oft auch „gedeihlich ausrichten" und sogar „Glück haben" (Jos. 1, 7 und 8) bedeuten, der als Substantiv angewandte Infinitiv aber nicht anders als etwa mit „Verständigkeit" zu übertragen ist. (Es darf hier gelegentlich eingeschaltet werden, daß m. E. Een. 3,6 von Zunz u. a. das Wort l’haßkil mit „zu betrachten" ganz unzutreffend übersetzt ist; auch Nascht verweist dabei auf jaud’ö tauw woro; w’nechmod lioßz l’haßkil bedeutet demnach „und begehrenswert der Baum, um klug zu werden"). Hirsch fährt fort: Baas ist zum großen Teil eine dem Menschen verliehene Begabung . . Hinab wird aber nicht ohne selbsttätiges (sagen wir bauendes, trennendes, unterscheidendes) Mitwirken des Menschen gewonnen. — So auch Nascht in II, 31,3: T’wuuoh: indem man Einsicht gewinnt aus erfahrenen, gelernten Dingen; Daas-Ruaeh hakkaudcsch. — So ist also Daas oder I)6oh ein Gottesgeschenk, eine göttliche, dem Menschen verliehene Gunst —l darum Attoh chaunßn — du begnadest den Menschen mit dem Erkenntnisvermögen; Binoh aber durch eigene menschliche Arbeit an sich selbst, freilich nach göttlicher, uns verliehener Befähigung zum Denken, zur besseren Einsicht zu erlangen, darum Um’lammßd lednausch binoli, du lehrest den Sterblichen. Einsicht, rechte Einsicht in das Weltgeschehen sowohl zu nehmen, wie rechte Mnßstäbc an sein Tun und Lasten zu legen.

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