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Jüdische Schulzeitung · 1927-04-15 · 4 (15.4.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
3 (1927)
Issue
4 (15.4.1927)
Date
1927-04-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Nummer4 lücll 3.aat)rflfgp;q; JUDA Monaksschrifl für Pä-agogiK unö Schulpolitik Heransgegeben vom „Verbände der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" Die „Iütüscve Schlilzeirriiig" erscheint am 15. eines tedeiiMonarsund wird allen Mitgliedern der dem „Verband der jüdischen Lehrervercine im Deutschen Reiche" angeichlossenen Vereine kostenlos zugestelkt. — Post-Bezugspreis für Zk i ch t Mitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, 15. April 1027 Druck, Verlag und Geschäftsstelle: M. Letzmann, Hamburg, ABC-Stratze 57. Fernsprecher: Elbe 7910, 7911, Vulkan 8685. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt- Magdeburg, für den Inseratenteil: E. Loos, Hamburg. Anzeigenpreis 40 e) für die Kgcjpaltene Nonpareille-Zeile. Inhalt d i e s e r N u m nt c r : Jüdische Jugendfürsorge von I. Isaak. Anregungen und Anträge für den israelitischen Religionsunterricht an den Schulen in München von Oberlehrer S. Dingseider. Der Zwiespalt in der Aussprache des Hebräischen von Otto Geismar. Protokoll der Vorstands- und Ausschuhsitzung des Lehreroerbandes. (Schlust). Bericht über die Iahrestagung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien. Bei der Schristlcitung eingegangene Bücher. Literarisches. Jüdische Jugendfürsorge. (Vortrag, gehalten in der Jahreskonfercnz des Vereins israelitischer Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau in Langenschwalbach am 3. Juni 1926.) Von I. Isaak, Limburg. Es ist über allem Zweifel erhaben, daß das deutsche Judentum mannigfache Zeichen des Niedergangs aufweist, die aus innerer und äußerer Not geboren sind, und die, falls nicht auf dem einen oder anderen Wege Rettung gebracht wird, das Ende des deutschen Judentums herbeiführen müssen. Bedenken wir, daß im Kriege 12 000 junge jüdische Männer gefallen und daß infolge des Versailler Vertrages - viele Tausende jüdische Seelen ans dem Verband des Deutschen Reiches ausgeschieden sind. Unter den Zurückgebliebenen grassieren als Todfeinde Taufe und Mischehe; auch die Austritte aus dem Judentum haben zugenommen. Auf vier jüdische Ehen, die geschlossen werden, kommt eine Mischehe. Dazu kommt, daß die wirtschaftliche Depression, die in Deutschland herrscht, bei der eigenartigen Struktur des deutschen Judentums dieses am stärksten trifft. Folgeerscheinungen sind die Vernichtung des jüdischen Wohlstandes, eine erschreckende Zunahme der jüdischen Selbstmorde, der Geistesstörungen bei Juden, Zusammenbruch vieler kleiner Gemeinden, erzwungene oder freiwillige Flucht der religiösen Führer der Judenheit aus ihrem Berufe. Die Gefahr ist riesengroß, daß ein junges Geschlecht heranwächst, gleichgültig gegen die religiösen Werte, verwah» lost in sittlicher Beziehung, reif zum 'Untergang. Die Schicksalsfrage der deutschen Judenheit ist also die Wiedergewinnung der Heranwachsenden Generation, ihre Erziehung zu bewußten, opferfreudigen, verantwortungsvollen jüdischen Menschen, erfüllt mit Hingabe für die Religion, mit wahrer Sittlichkeit und dem Gefühl fürmenschliche Würde, '22 nn ’D „Du sollst aufzählen die Köpfe der Kinder Israel!" Jüdische Köpfe, besser gesagt, jüdische Persönlichkeiten wollen und müssen wir anszählcn können in naher Zukunft. Hier ist die große Aufgabe für uns jüdische Erzieher und Lehrer. Mit Hingabe unseres ganzen Könnens, mit Herz und Geist müssen wir unsere Jugend zu erfassen /suchen. sie hinleiten an den Jungbrunnen, aus dem sie jüdisches Wollen, jüdisches Leben trinken soll. Hinein mit uns Lehrern in die jüdische Jugendfürsorge. Die interkonfessionellen Fürsorgebcstrebungen und die der beiden christlichen Konfessionen sind uns bahnbrechend und wegweisend vorangegangcn, und es ist wichtig und angebracht, zu unter- : suchen, was wir von ihnen lernen können imb nach welcher Richtung diese Bestrebungen in jüdischem Interesse übernommen oder auch verändert werden müssen. Vor allem die Frage: Ist Jugendfürsorge ans psychologischen Gründen überhaupt notwendig? Ja, denn die Tore zu einem freieren Leben öffnen sich für die meisten Jugendlichen in einem Alter, in dem die intellektuelle Reife, die Festigung des sittlich-religiösen Charakters noch in feinem Verhältnis zu den Gefahren. jener Freiheit stehen. So lebt der größere Teil unserer Jugendlichen in den kritischsten Jahren seines Lebens in einer verhängnisvollen Ungcbundenheit und ist ohne Führung und den verschiedenartigsten Einwirkungen ausgesetzt. Leben wir doch heute in einer Uebcrgangszeit, und . die Jugend ist Uebergangsalter. Kein Wunder, daß die : Notwendigkeit, für die Jugenderziehung neue, richtige Wege - zu finden, so lebhaft empfunden wird. Um diese Erziehung aber mit Aussicht auf Erfolg ausüben zu können, ist es unbedingt nötig, die Jugendsecle, für die wir -arbeiten wollen, so genau als möglich kennen zu lernen. Leider steckt die Jugendpsychologie noch in ihren Anfängen. Für die Kinderpsychologie ist allerlei geschehen, vorwiegend. in didaktischem Interesse. Die experimentelle Pädagogik wendet sich bis jetzt fast ganz den Kinderjahren zu. Und doch ist ohne Jugendpsychologie kein sicheres Besch reiten des so schweren Weges der Jugenderziehung möglich. Wie ist nun die jugendliche Seele beschaffen? Der Jugendliche ist der Uebergang zum Erwachsenen. Ter Erwachsene ist das Ziel. Kindheit und Jugend sind die zwei Wege dorthin. Das Kind wächst körperlich und geistig, aber es wächst passiv, ausnehmend. Es saugt die Bilder auf, die ihm Elternhaus, Schule und der enge Horizont bieten. Sein Wollen und Begehren macht die ersten Schritte. Anders der Jugendliche. Seine Or- - gane, seine Kräfte und Fähigkeiten sind gefüllt, tausend- - fach regt cs sich in ihm. In seinem Verstand liebt er das Urteil, er unterscheidet, übt Kritik, sängt an zu suchen und zu grübeln; das Wörtchen „warum" brennt ihm auf der Seele. Sein Wille wird wählerisch. Er entscheidet sich nach rechts oder links, er liebt und haßt, wünscht frei zu sein und. flieht der ' Leitung. Gegen Zwang und Druck bäumt er sich auf mit Gewalt und Empörung. Alles, was er denkt und liebt, betreibt er mit Lebendigkeit und Kraft; liegt doch in ihm ein gewaltiger Ueberschuß von Energie, Lebenslust und Lebcnsdrang. Dabei lebt er in einer Welt von Konflikten. Inwendig gär! und brodelt es: er schwankt und wechselt

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