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Jüdische Schulzeitung · 1927-01-15 · 1 (15.1.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
3 (1927)
Issue
1 (15.1.1927)
Date
1927-01-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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filuwWerl Mouaksschrist für Pädagogik und Schulpolttik Z.FalMMrZ- Hcrausgegeben vom „Verbände der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" Die „Jüdische Schnlzeinmg" erscheint am 15. eines,edcnMoiials und wi» vollen Mitgliedern der dem „Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" angeschlossenen Vereine losten!os zugeslellt. — Post-Bezugspreis für N i ch t Mitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, 15, Januar 19JÄ7 Druck, Verlag und Geschäftsstelle: . M. Lehmann, Hauiüurg,.SlBC-Straße 57. Fernsprecher: Elbe 7910, 7911, Vulkan 8693. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: 2H. Steinhardt. Magdedurg, für den Inseratenteil: E. L o o s, Hamburg. Anzeigenpreis 40 : für die Kgespaltene Nonpareille-Zeile. In ho it dieser Num mer: Fragen der modernen Jugendbewegung mit besonderer Berücksichtigung der deutschen Ostmark von Eeminar-Oberlehrer Tr. Golde, Berlin. Die Fortbildungsfrage, auf dem Preußischen Lehrertage. Vereinsbcrichte. Literarisches. Fragen -ermo-ernenJugen-bewegung mit besonderer Berücksichtigung der deutschen Ostmark. Von Seminaroberlehrer Dr. Golde/ Zur Erklärung des Verhältnisses, in dem „Väter und Söhne" heute zueinander stehen, werden die ältesten Teile der Bibel aus den Zeiten vor Abraham zum Vergleiche herangezogen. Damit wird der Gesichtspunkt der fortschrittlichen Geistesentwicklung aber von vornherein zurückgestellt. Andere Beispiele hierfür mit Konflikten von Macht- und Herrschaftsansprüchen teils persönlicher, teils dynastischer Art sind dem Mythus, der Geschichte und Literatur entnommen. Im Schillerschen Drama kommt noch die erste Erschütterung unter den geknechteten Völkern hinzu, die später zur blutigen Austragung ihrer religiösen Gegensätze führt, und welche den ohnehin schweren Konflikt zwischen dem regierenden Herrscher und seinem Thronfolger noch weiter belastet. Belebt wird er auch noch durch den himmelstürmenden Freiheitsdrang des Tichsters selber, dessen hochfliegende Schaffenskraft lange Zeit von übermächtiger Gewalt niedergebeugt wurde, so daß die Idee der Freiheit fast alle seine dramatischen'Werke bis zum letzten machtvoll durchweht. Zur Erklärung der Feindseligkeit des die aufeinander folgenden Geschlechter immer wieder aufwühlenden natürlichen Gegensatzes wird sogar die blindwaltende Moira der antiken Schicksalstragödie angeführt. Dagegen ist durch die geisteswisseti,'- schastliche und Äenso die Kunstgeschichte die Begrenztheit und Unzulänglichkeit des antiken Schönheitsideals erwiesen, und es wäre mehr als verkehrt, diesen durch-: gängig tragischen Zug der Antike auch nur vergleichsweise auf das Leben unserer Heranwachsenden Jugend übertragen zu wollen. Alle jene auf hohem Kothurn einhev-. stolzierenden Lebensumstände einer längst versunkenen Welt sollten denen unserer modernen Jugend ebenso fern liegen wie die unverhüllte Darstellung des hemmungslos ungezähmten Trieblebens der Menschennatur, die alles Geschlechtliche aus der sittlichen in die rein biologische Sphäre hinabsinkcn läßt. Wen hier angeführten Beispielen fehlt jeder Wirklichkeitswert und darum auch alle praktische Bedeutung und Anwendbarkeit auf unsere noch immer ungeklärt verworrene Gegenwart. Schon dies allein müßte den Religionslehrer davor warnen, bei dem Zusammentreffen von Aerzten und Theologen in den so zahlreichen sexologischen Bestrebungen unserer Tage die Partei, des selber „sexuell verdrängten- Kirchen.- christentums" zu wählen. Den der älteren Literatur und Geschichte entlehnten Fällen, zum Teil selbst dem Hinweis auf die in modernen Literaturwerken einander gegenübergestellten Vertreter verschiedener Weltanschauungen fehlt vor allem das bewußte Eingreifen der innerlich überlegenen Kultur des ethischen Imperialismus der Propheten. Wenn ähnliches hinterher doch noch gefordert wird, wie ja auch die materialistisch gesinnte Richtung Freuds sie für ihre Heilzwecke schließlich zu Hilfe rufen mußte, so beweist das nur, daß ihre Notwendigkeit deutlich gefühlt wird, in den vorliegenden Tatsachen selber aber ist sie durchaus nicht begründet.' Auch daraus ist hier hinzuweisen, daß weder die Erzählung von der beabsichtigten Opferung Isaaks noch die zahlreichen Stellen im Deutero-Jesaia vom Leiden des Gottesknechtes,' welche die christologische Mystik nebst zahlreichen ähnlichen auf ihren Heiland und Erlöser bezieht, die sich selber völlig aufopfernde, bis zur Selbstvernichtung durchgeführte Liebe fordert. Diese ist vielmehr in den Dienst der allgemeinen Erlösung der Menschheit zu stellen, so daß sie heute mehr undmehr zum gemein!- samen Besitz aller Kulturreligionen gehören sollte. Wenn aber bei unserer Jugend im Gegensatz dazu stärker als je zuvor die Neigung auftritt, sich ihre Welt im eigenen Sinne zu gestalten und sie möglichst uneingeschränkt zu besitzen, so gehören die sich daraus ergebenden Konflikte, soweit ihnen wirtschaftliche oder Machtverhältnisse zugrunde liegen, nicht ins Gebiet der Pädagogik. Diese hat es allein mit solchen rein geistiger Art zu tun, die nur seelisch zu begründen und auf geistigem Wege auszutragen sind. Jenen abwegigen Hinweisen sei darum eine nicht so sehr auf Buchwissen als auf erziehungspraktischen Realitäten sich stützende Darlegung entgegengestellt, der die besonders schwierigen Verhältnisse der Posener Ostmark zugrunde liegen, die dem deutschen Vaterlande verloren gegangen sind. Ihrer vormaligen Bevölkerung sind Erziehungsfragen wohl vertraut, denn ihr weitaus berühmtester Mitbürger war der Prophet unter den Pädagogen, Johann Amos Emenius, der hier die dreißig bedeutungsvollsten Jahre seines inhaltreichen Lebens in segensreicher Wirksamkeit verbrachte. Zu Lissa, dessen wunderbare Anmut wie dessen Bürgertugcnd und Religion er vor allen Städten Posens preist, hat. er als Bischof der böhmisch-mährischen Brüder das dortige Gymnasium 20 Jahre lang durch seinen geistigen Einfluß geleitet *). Ter seine Wirksamkeit später erforschende Kwacalä wurde durch die im Staatsarchiv der Stadt noch heute aufbewahrten Archive der Unität dorthin gezogen, ebenso . Bickerich, der als Pastor Primarius der dortigen Brüdergemeinde noch jetzt die altberühmte Kanzel des großen J). Adolf Warschauer, Geschichte der Provinz Posen, in polnischer Zeit. S. 08 ff. 1

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